Das Mobiltelefon als Verbindung zwischen Staat und Bürger
Mit Handy statt Braut vor den Traualtar

Um Verwaltungen bürgerfreundlicher zu machen, setzen die meisten Bürgermeister auf das Internet per Heimcomputer. Nokia geht einen Schritt weiter: Die Pforte zur Behörde soll in Zukunft das Mobiltelefon sein.

HB DÜSSELDORF. Electronic Government ist zurzeit das intensiv diskutierte Schlagwort in der staatlichen Verwaltung. Die elektronische Verwaltung soll durch verstärkten Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologien neue Möglichkeiten im Zusammenspiel zwischen Bürger und Staat schaffen. Der noch darüber hinausgehende Schritt zur Erleichterung der teilweise aufgeblähten Verwaltung wäre die mobile Kommunikation zwischen Bürgern und Staat.

Die Vorstellung vom mobil mit dem Staat kommunizierenden Bürger spiegelt sich im Schlagwort vom "One Stop Service": Ein Anruf oder Klick gewährleistet den Zugriff auf alle denkbaren Informationen und macht über weite Strecken die Schlange vor den Büros der Stadtverwaltung ebenso überflüssig wie die Warteschleifen am Telefon. Individuelle Informationen erlauben auf diesem Wege eine sehr weit gefasste Personalisierung der mobilen Informationsangebote.

Ortsspezifische Dienste, die das Leben erleichtern

Auch ortsspezifische Dienste könnten einmal eine Rolle spielen. So könnten Hinweise auf Fahrplan-Änderungen der Verkehrsbetriebe aufs Handy geschickt und kulturelle Veranstaltungen im jeweiligen Stadtteil angekündigt werden. Kurzbotschaften wie "Baustelle Königsallee aufgelöst" oder "Fertigstellung der Haltestelle Düsseldorf-Oberbilk in zwei Monaten" könnten das Vertrauen der Bürger in die Stadtplanung nachhaltig stärken. Ortsunkundige Autofahrer könnten über regionale und auch temporäre Besonderheiten, wie Baustellen und Wegverläufe, direkt und aktuell informiert werden und persönlich abgestimmte digital abrufbare Wegpläne könnten die kürzeste Route zum Ziel aufzeigen.

Selbst bei Wahlen könnte das Handy eine große und zuverlässige Rolle spielen. Dies umso mehr, da das Schlagwort "Punching" jüngst bei den US-Wahlen drastisch offenbart hatte, dass die Entscheidung über eine Stimme - oder aber über einen Wahlsieg - buchstäblich am papiernen Faden hängen kann. Die Alternative: Monitor und Handy-Display treten an die Stelle von herkömmlichen Löchern oder Kreuzen. Der Wahlablauf kann auf dem elektronischen Weg noch unkomplizierter, rascher und vor allem spontaner als über die Wahlkabine und die Post abgewickelt werden. Das Resultat dürfte unter anderem auch eine erheblich höhere Wahlbeteiligung sein, da der sonst "lästige Aufwand" weitestgehend entfällt.

Perspektiven für mobiles Internet fast grenzenlos

Auch Bürgerbefragungen auf lokaler Ebene, die nicht selten an einer zu geringen Teilnahme scheitern, würden auf diesem Wege erleichtert. Das mobile Internet als Schnittstelle zu den Regierenden und als Ansporn zur aktiveren Teilnahme am politischen Leben? Auch hier scheinen die Perspektiven geradezu grenzenlos: Der moderne Chat-Room erlaubt die interaktive Teilnahme an den verschiedensten Veranstaltungen - von der Sprechstunde beim Bürgermeister bis hin zu Diskussionsforen oder Plenarsitzungen. Theoretisch wäre es sogar möglich, sich über das Handy beim Standesamt das Jawort zu geben.

Schöne neue Welt? Bei all den zu erwartenden Neuerungen darf der "Digital Citizen" keinesfalls mit dem gläsernen Bürger verwechselt werden, dessen Daten sich jederzeit allgemein und beliebig überprüfen lassen. Vielmehr ist es Ziel, dass Staat und Verwaltung auf diesem Wege mehr Transparenz erhalten. Absolut grundlegend ist daher die Sicherung der Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität bei den bisher gängigen sowie bei neuen Verfahren. Hier empfiehlt sich unter anderem der Einsatz von Passwörtern, persönlichen Identifikationsnummern, kryptografischen Techniken sowie Magnet- oder Chip-Ausweiskarten.

Nicht nur technische Hürden sind zu nehmen

Auf der anderen Seite bedarf es vielfältiger Voraussetzungen nicht nur auf technischer, organisatorischer und regulatorischer Ebene; auch juristisch muss der Rahmen für elektronische Erklärungen und Anträge geschaffen werden. Nicht zuletzt geht es um die psychologischen Hürden, die bei all den sich überschlagenden Neuerungen allzu leicht unterschätzt werden: die Akzeptanz der über weite Strecken noch visionären Vorstellungen und das Vertrauen in die Technik.

Gerade die ältere, mit dem Internet meist kaum vertraute Generation bedarf zunächst der Orientierungshilfe und wird sich schwieriger integrieren lassen als andere Bevölkerungsgruppen. Hier sehen sich Nokia und die Mobilfunkindustrie in einer ganz besonderen Verantwortung, die Anwender-Schnittstellen so bedienerfreundlich, einfach und intuitiv wie irgend möglich zu gestalten.

Zwar liegt Deutschland in seiner elektronischen Vernetzung bekanntermaßen noch um einiges hinter den USA zurück, doch stehen die Zeichen nicht schlecht, dass es auf dem Wege zum Digital Citizen und Electronic Government im europäischen Kontext eine Vorreiterrolle einnehmen wird.

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