Das Modell aus NRW ist Vorbild für die Hartz-Reform
Das Kölner Jobcenter-Modell rechnet sich

Arbeit statt Sozialhilfe. Was vielerorts noch als frommer Wunsch gilt, ist im Jobcenter Köln Alltag. Nahezu jeder zweite arbeitslose Sozialhilfeempfänger findet mit Hilfe des Centers einen Job. Die aufwendige Integrationsarbeit rechnet sich. In Köln sinkt die Zahl der Hilfeempfänger, bundesweit steigt sie.

KÖLN. Einen Tag hat sich die Hartz- Kommission im vergangenen Jahr Zeit genommen, um die Arbeitsweise des Jobcenters Köln zu studieren. Die Exkursion hat sich gelohnt. Nun soll flächendeckend eingeführt werden, was sich in der Domstadt bewährt hat. Die Doppelbetreuung erwerbsfähiger Sozialhilfeempfänger durch Arbeits- und Sozialämter wird beendet, Jobcenter fördern und fordern zugleich. Sie setzten den Vorrang der Arbeit vor der leistungslosen Alimentation durch.

Begonnen hat die enge Kooperation zwischen Arbeitsamt, Sozial- und Jugendamt 1999 mit der "Jobbörse Junges Köln". Diese vermittelt Jugendliche ohne Ausbildungs- oder Arbeitsplatz so schnell in Jobs, dass sie sich gar nicht erst an den Bezug von Sozialhilfe gewöhnen können. Möglich machen dies Hand in Hand arbeitende "Fallmanager" des Sozialamtes, Mitarbeiter des Jugendamtes und Vermittler des Arbeitsamtes. Finden die Mitarbeiter der Jobbörse für einen Jugendlichen keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, wird ihm ein staatlich subventionierter Praktikumsplatz angeboten.

Der Erfolg der Jobbörse kann sich sehen lassen: Zwischen dem 1. September 1999 und dem 31. Dezember 2002 hat die "Jobbörse Junges Köln" 6780 Jugendliche betreut - 4102 von ihnen fanden eine Stelle, 1400 Jugendliche schieden aus der Jobbörse aus anderen Gründen aus, ohne in der Sozialhilfe zu landen. Die Vermutung, darunter seien etliche in die Kriminalität oder Prostitution abgerutscht, hat sich nicht bestätigt - die meisten Jugendlichen halfen sich selbst.

Das Jobcenter Köln knüpft an die guten Erfahrungen der Jobbörse an. Zielgruppe sind die arbeitslosen Sozialhilfeempfänger ab 25 Jahren. In Köln werden seit dem 1. Oktober 2001 alle arbeitslosen Sozialhilfeempfänger von den rund 100 Mitarbeitern des Jobcenters betreut, die Sozialämter kümmern sich nur noch um die nicht erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger.

Wer das Foyer des Jobcenters betritt, wird nicht im Zweifel gelassen: Hier geht es um Arbeit. Dutzende von Stellenaushängen unterstreichen dies. Lange warten auf einen Gesprächspartner muss niemand. Die "Kundenberater" sind freundlich, die Besprechungszimmer lassen eine kalte Amtsatmosphäre gar nicht erst aufkommen. Wer der intensiven Betreuung dadurch zu entkommen versucht, dass er Arbeitsunfähigkeit vortäuscht, hat schlechte Karten - eine Ärztin überprüft sofort die Arbeitsfähigkeit oder veranlasst in Zweifelsfällen eingehende Untersuchungen.

Die "Kunden" haben selten eine gradlinige Vita. Psychische Probleme, Sucht-, Schulden- und Wohnprobleme sind zu überwinden. Manchmal kommt alles zusammen. Aber das Center kann auf Mitarbeiter zurückgreifen, die für alle Problemlagen geschult sind. Schuldenberater erreichen in harten Verhandlungen mit Gläubigern erträgliche Ratenzahlungen und verhindern so demotivierende Lohnpfändungen.

Die 80 "Fallmanager" und Ausstiegsberater des Sozialamtes arbeiten im Jobcenter Tür an Tür mit 17 Arbeitsvermittlern und Assistenzkräften des Arbeitsamtes. Das Ergebnis sind individuelle Eingliederungspläne. "Warme Übergabe" statt kalter Aktenaustausch nennt Jobcenter-Leiter Hermann Genz die ganzheitliche Betreuung.

Im Jobcenter wird nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. Wer der Schwarzarbeit verdächtig ist, läuft Gefahr, zum einwöchigen Besuch des hauseigenen Assessment-Centers und einer anschließenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahme verpflichtet zu werden. Bei einer so langen Abwesenheit verliert auch ein Schwarzarbeiter schnell seinen illegalen Job.

Von den aus der Betreuung durch das Jobcenter ausgeschiedenen Sozialhilfeberechtigten fand fast jeder Zweite einen Arbeitsplatz (48 %), davon knapp zwei Drittel im ersten und ein gutes Drittel im zweiten Arbeitsmarkt.

Unter den Abgängen "aus anderen Gründen" sticht eine Gruppe ins Auge: Rund 35 % dieser Abgänge erfolgten auf Grund fehlender Mitwirkung nach den Vorschriften des Sozialgesetzbuches. Wer sich nicht selbst um eine Integration in den Arbeitsmarkt bemüht, verliert, ebenso wie hartnäckige Arbeitsverweigerer, seinen Anspruch auf Sozialleistungen - und im Jobcenter der Rheinmetropole bleibt dies keine leere Drohung.

Der hohe Personalaufwand des Centers hat sich für die Stadt Köln bezahlt gemacht. Entgegen dem Bundestrend ist die Zahl der Sozialhilfeempfänger in der Stadt im zweiten Jahr hintereinander gesunken. Dies hat die Stadtkasse entlastet.

Zweifelhaft ist allerdings, ob das Eigeninteresse der Kommunen an Jobcentern bestehen bleibt, wenn diese im Zuge der Umsetzung der Hartz-Reform ganz in die Verantwortung der Arbeitsämter wandern. Der Erfolg der Jobcenter wird von einer Bündelung der Sozial- und Arbeitsmarktkompetenz nach Kölner Vorbild ebenso abhängen wie von einer fairen Lastenteilung im Zuge der Gemeindefinanzreform.

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