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Das Musterportfolio entscheidet über den Erfolg

Wie gut sind eigentlich die so genannten guten Analysten? Diese Frage stellt sich nicht erst seit den Skandalen um die einstigen Börsengurus wie beispielsweise Henry Blodget. Der Internet-Analyst empfahl Aktien zum Kauf, die er vor Kollegen als Schrott bezeichnet hatte. Das Analyseunternehmen Starmine stützt sich bei seinen Analystenurteilen auf Daten von Thomson Financial First Call. Was zählt? Der Erfolg ihrer Aktienempfehlungen und die Genauigkeit der Gewinnschätzungen.

FRANKFURT/M. Wie gut sind eigentlich die so genannten guten Analysten? Diese Frage stellt sich nicht erst seit den Skandalen um die einstigen Börsengurus wie beispielsweise Henry Blodget. Der Internet-Analyst empfahl Aktien zum Kauf, die er vor Kollegen als Schrott bezeichnet hatte. Damit Anleger Analystenurteile besser einschätzen können, beurteilen Finanzinformationsdienstleister die Qualität von Analysten. Diese Analysten-TÜVs werten entweder standardisiert statistische Daten aus oder fragen Fondsmanager und Vermögensverwalter nach ihrer Meinung.

Das Analyseunternehmen Starmine misst die Leistungen von Analysten nach zwei Kriterien: dem Erfolg ihrer Aktienempfehlungen und der Genauigkeit der Gewinnschätzungen. Dabei stützt sich das 1998 in San Francisco gegründete Unternehmen auf Daten von Thomson Financial.

Um zu beurteilen, wie sich die Aktien nach der Empfehlung durch die Analysten entwickelt haben, bildet Starmine für jeden Analysten ein Musterportfolio. Je nach Stärke seiner Empfehlung werden mehr oder weniger Aktien eingebucht. Starmine "kauft" zum Beispiel zwei Spieleinheiten einer Aktie bei der Empfehlung "strong buy", eine bei "buy". Bei neutraler Einschätzung passiert nichts, bei Verkaufsempfehlungen wird leer verkauft. So kann man jederzeit verfolgen, wie sich das Portfolio entwickelt. Als Messlatte dient ein gewichteter Referenzindex für jedes Industriesegment. Die Performance des Analysten wird relativ zu diesem Index gemessen. Dadurch sollen die Leistungen der Analysten mit unterschiedlichen Arbeitsgebieten vergleichbar gemacht werden. Um sich für eine Starmine-Platzierung zu qualifizieren, müssen Analysten positive Erträge in ihren Musterportfolios erzielen.

Bei der Untersuchung über die Treffgenauigkeit der Gewinnschätzungen vergleicht Starmine die Analysten mit ihrer Peer-Group und weist ihnen einen Platz auf einer Skala von 1 bis 100 zu. In der Mitte bei 50 befindet sich der durchschnittliche Analyst. Um besser als 50 zu sein, muss ein Analyst nicht nur andere Gewinnschätzungen als der Durchschnitt machen, sondern auch genauere Werte als seine Kollegen liefern.

Ähnlich wie Starmine bewertet der britische Finanzinformationsdienst AQ Research - jeweils quartalsweise - nach einer eigenen Methode die besten Analystenurteile sowie die Treffgenauigkeit der Analysten bei ihren Gewinnprognosen. Die Daten erhebt AQ bei den Analystenhäusern selbst. Auch die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) entwickelt derzeit zusammen mit dem europäischen Analystenverband Effas ein neuartiges System, das ebenfalls die Treffgenauigkeit von Analystenempfehlungen misst. Der Umgang mit statistischen Daten wirkt objektiv und nachprüfbar - allerdings können Datenlücken die Ergebnisse beeinflussen.

Einen ganz anderen Weg gehen daher das US-Fachmagazin Institutional Investor, die japanische Zeitung Nihon Keizai Shimbun und Thomson Extel: Ihre Analysten-Hitlisten beruhen auf groß angelegten Befragungen unter Fondsmanagern und Vermögensverwaltern, wer die besten Analysten hat. Dabei fließen neben Aktienempfehlungen und Gewinnschätzungen auch Kriterien wie beispielsweise Auftragsabwicklung, Service im Wertpapierhandel oder gute Investmentideen in die Urteile über Analysten ein. Diese Ergebnisse sind für manchen Profi-Anleger aussagekräftiger. Privatanleger sollten bei diesen Rankings allerdings beachten, dass Fondsmanager bei den Umfragen oft nur die großen Häuser nennen, mit denen sie zusammenarbeiten. Kleinere oder regional spezialisierte Researchhäuser haben kaum eine Chance auf einen der vorderen Ranglistenplätze.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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