Das neue Altersvorsorgerecht verhilft einer als rückständig verschrienen Einrichtung zu neuer Popularität
Pensionskassen sind wieder „in“

Pensionsfonds haben den Pensionskassen als Instrument der betrieblichen Altersvorsorge den Rang noch nicht abgelaufen. Vielmehr stehen Neugründungen in den Startlöchern. Allerdings leiden Anbieter unter der zähen Abwicklung ihrer Genehmigungsanträge.

FRANKFURT/M. Pensionskassen erleben eine Renaissance. "20 bis 40 neue Pensionskassen werden momentan in Deutschland geschaffen oder warten auf die Genehmigung", sagt Fennell Betson von der Zeitschrift "Investment & Pensions Europe" (IPE), einem Magazin für institutionelle Investoren in Europa. Damit steige die Zahl dieser Vehikel für die betriebliche Altersvorsorge hierzulande auf 140.

Bevor das neue Altersvorsorgerecht zu Beginn dieses Jahres in Kraft trat, gaben Experten Pensionsfonds und damit dem neuen Durchführungsweg für betriebliche Altersvorsorge die besten Chancen, Unternehmen und Arbeitnehmer zu gewinnen. Pensionskassen galten als veraltete Überbleibsel. Doch die erste Etappe im Wettkampf um Verträge haben sie für sich entschieden.

Pensionskassen sind im Prinzip Versicherungsgesellschaften und unterliegen der Versicherungsaufsicht. In ihrer klassischen, sicherheitsbetonten Variante geben die Unternehmen also zurück, was die Arbeitnehmer über die Kasse eingezahlt haben. Zusätzlich garantieren sie eine Mindestverzinsung. Sie dürfen maximal 35 Prozent des gebundenen Vermögens in Aktien investieren. Dagegen können Pensionsfonds unbegrenzt in Aktien anlegen. Allerdings sind auch sie verpflichtet, den Anlegern am Ende der Laufzeit mindestens das nominal eingezahlte Kapital zurück zu erstatten.

Tradition verschafft Vertriebs-Vorteile

Der wohl größte Vorteil der Pensionskassen gegenüber den Pensionsfonds ist ihre Tradition. "Pensionskassen gab es bereits, bevor das neue Altersvermögensgesetz in Kraft getreten ist, Pensionsfonds nicht. Dadurch haben sie beim Vertrieb Vorteile", sagt Rüdiger Frischmuth, Senior Manager bei dem Beratungsunternehmen zeb/asset.management.consult. Die seit den neunziger Jahren in den USA beliebten "401K"-Pläne, eine steuerbefreite Sparform, brauchten ein Jahrzehnt lang, um sich wirklich durchzusetzen. Mit ihnen versuchen US-Bürger durch Investitionen in offene Pensionsfonds ihre Altersvorsorge aufzubessern.

Außerdem gestaltet sich nach Auskunft von Experten das Genehmigungsverfahren bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) zäh. "Der Zulassungsstau bei der BAFin hat dazu geführt, dass die Pensionsfonds erst im Jahr 2002 - also viel später als geplant - in den Markt eintreten konnten", sagt Rita Reichenbach, die bei PWC Consult Mandanten in rechtlichen Fragen der betrieblichen Altersversorgung berät. So sind in der Liste der größten deutschen Altersvorsorgeeinrichtungen, die IPE dem Handelsblatt zur Verfügung gestellt hat, noch keine der neuen Pensionsfonds. Vielmehr sind nach dieser Tabelle elf der 20 größten Anbieter Pensionskassen.

Ganz vorne steht das überbetriebliche Altersversorgungswerk für die Angestellten im privaten Bankgewerbe, der BVV, mit Mitteln in Höhe von rund 13,9 Mrd. Euro. In der Top-Zehn-Liste sind außerdem die Pensionskassen von Bayer, IBM Deutschland, Hoechst-Gruppe und BASF vertreten. Experten gehen davon aus, dass auch in den kommenden Jahren die Pensionskassen vorne liegen.

Denn ein weiterer Vorteil der Pensionskassen gegenüber den Pensionsfonds sind ihre niedrigeren Kosten. "Pensionsfonds müssen Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein zur Absicherung des Insolvenzrisikos des Arbeitgebers zahlen, Pensionskassen sind davon befreit", sagt Reichenbach. Und Kollege Frischmuth führt als Handikap für Pensionsfonds die deutlich komplexere und somit kostspieligere Abwicklung an. So hätten Pensionskassen beispielsweise viel geringere Vorgaben für das Berichtswesen.

Zu den Pluspunkten der Pensionskassen gegenüber den Fonds zählt Beraterin Reichenbach außerdem Steuervorteile für die Arbeitnehmer. Zwar seien bei beiden Formen Beiträge bis maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (2160 Euro im Jahr) steuerfrei. Darüber hinaus könne aber nur die Pensionskasse zusätzliche 1752 Euro jährlich mit einem Steuersatz von 20 Prozent pauschal versteuern.

Ein weiterer Vorteil der Pensionskassen sei, dass sie im Gegensatz zu Pensionsfonds Einmalzahlungen statt lebenslangen Renten zusagen dürften. "So bieten sie dem Arbeitgeber größeren Spielraum in der Leistungsplangestaltung", sagt Reichenbach.

Das Fazit der Experten: Ohne gesetzliche Änderungen wird der Pensionsfonds kaum der große Renner. Sie rechnen jedoch damit, dass Pensionsfonds in den kommenden Monaten an Popularität zulegen. "Auf längere Sicht bieten sie mit ihrer Anlagefreiheit größere Chancen als die Pensionskasse", sagt Berater Frischmuth.

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