Das neue Betriebssystem Mac OS X wurde zwei Monate früher fertig
Steve Jobs will Apple aus seiner Nische holen

Mit einem von Grund auf neu entwickelten Betriebssystem will Apple-Chef Steve Jobs den PC-Pionier aus seiner Nische holen. Zusätzlich sollen eine Reihe von Apple-Stores neue Käuferschichten erschließen; 25 Geschäfte sollen noch in diesem Jahr und eine ungenannte Zahl im Jahr 2002 eröffnet werden.

HANDELSBLATT, PALO ALTO. "Der Startschuss ist abgefeuert." Mit diesen Worten eröffnete Steve Jobs die weltweite Entwicklerkonferenz von Apple Computer in der Silicon-Valley-Hauptstadt San Jose. "Wir wollen, dass jeder das neue System Mac OS X bekommen kann." Seit Montag werden alle Macs, die von den Bändern des PC-Herstellers laufen, mit dem neuen Betriebssystem ausgestattet.

Um Probleme mit älteren Programmen zu vermeiden, ist bis auf weiteres zusätzlich das bisherige System Mac OS 9.1 geladen, das sich beim Einschalten des PC zunächst auch meldet. Die Käufer von Geräten, die in den letzten Tagen verkauft wurden, werden eine kostenlose Kopie von Mac OS X erhalten. Apple liefert das neue Betriebssystem zwei Monaten früher aus als bei der Produktankündigung am 24. März dieses Jahres noch angekündigt. Ursprünglich war geplant, Mac OS X erst im Sommer den Kunden zu übergeben. Doch die Testergebnisse des Fachhandels fielen so positiv aus, so erklärte Jobs nun stolz, dass Apple das neue System früher anbieten muss.

Die Version X erlaubt, im Gegensatz zu den Vorgängervarianten, auch das Brennen von CDs, etwa mit aus dem Internet heruntergeladenen Musikstücken. Weil diese Funktionen in den bisherigen Betriebssystem-Fassungen fehlten, musste sich Apple durchaus herbe Kritik gefallen lassen.

Reduzierte Preise für Flachbildschirme

Zusätzlich sollen reduzierte Preise für Flachbildschirme mehr Käufer ins Apple-Lager ziehen. Der kalifornische PC-Pionier aus Cupertino will sich ohnehin als erster PC-Hersteller ganz von den unhandlichen und schweren Bildschirmen, die noch mit einer Kathodenstrahlenröhre das Bild erzeugen, verabschieden. Die Preise von zwei bislang schon ausgelieferten Produkten werden gesenkt, ein neuer 17-Zoll-Flachbildschirm wird für 999 $ angeboten. Der Preis des 15 Zoll großen Studio Display wurde um 200 $ auf 599 $ reduziert. Der 21 Zoll große Profi-Bildschirm Cinema ist um rund 500 $ ermäßigt worden und wird für 2 499 $ verkauft.

Eröffnung der ersten beiden Apple-Shops

Für den größten Wirbel sorgte am vergangenen Wochenende jedoch die Eröffnung der ersten beiden Apple-eigenen Läden in Washington DC und nördlich von Los Angeles. Während andere PC-Hersteller ihre Experimente mit Läden unter dem eigenen Markenzeichen zurückfahren, will Steve Jobs gleich mit einer Reihe eigener Geschäfte die Vorteile der neuen Apple-Systeme "zum Anfassen nahe in die Nachbarschaften bringen".

Die Eröffnung der ersten beiden Apple-Shops waren offensichtlich ein Erfolg. So standen in der größten Mall der US-Bundeshauptstadt, dem Tysons Corner Center in McLean, Virginia, am vergangenen Samstag schon um vier Uhr morgens etwa 500 treue Apple-Fans vor der Tür. Der zweite Laden mit dem Zeichen des angebissenen bunten Apfels wurde in der Glendale Galleria in Glendale, Kalifornien, im San Fernando Valley, einem Wohngebiet nördlich von Los Angeles, eröffnet.

Am Eröffnungswochenende wurde in den beiden Läden knapp 600  000 $ für 238 neue Macs und 935 Software-Pakete umgesetzt. Weitere Läden sollen rasch in so bekannte Einkaufsgegenden wie der Michigan Avenue in Chicago, Soho in New York City oder der University Avenue in Palo Alto folgen.

Programmentwickler mit Mac OS X ins Apple-Lager ziehen

Mit seinem neuen Betriebssystem Mac OS X will Steve Jobs auch wieder mehr Programmentwickler ins Apple-Lager ziehen. Dabei setzt der Apple-Chef technisch auf das X in der neuen Systembezeichnung. Es steht nicht nur als römische Ziffer für die Version zehn, sondern soll auch eine gedankliche Verknüpfung zu Unix herstellen

. Das von Grund auf runderneuerte Betriebssystem basiert in großen Teilen auf Nextstep der ehemaligen Jobs-Firma Next Computer. Technisch lehnt sich dieses stark an BSD Unix, einer populären Variante des vor allem in Universitäten weit verbreiteten Betriebssystems an. Jobs hofft, damit die Hochschulen wieder als Entwickler von Apple-Programmen zu gewinnen.

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