Das neue VW-Luxusmodell Phaeton droht zum finanziellen Fiasko zu werden.
Phaeton: Im Leasing nicht konkurrenzfähig

Der Chef macht gute Mine zum teuren Spiel. "Das ist ein Auto, das höchsten Ansprüchen gerecht wird. Als jemand, der von BMW kommt, kann ich das beurteilen."

WiWo/cgs DÜSSELDORF. Wann immer Bernd Pischetsrieder auf den Phaeton angesprochen wird, lobt er Volkswagens neue Luxuskarosse über den grünen Klee. Zu Recht: Kein Autotester konnte bislang gravierende Mängel entdecken, und selbst Konkurrenten loben die hochwertige Ausstattung und die solide Verarbeitung.

Dennoch droht "der Leuchtende" für Pischetsrieder zum Milliardengrab zu werden. Knapp eine Milliarde Euro flossen in die Entwicklung, 187 Millionen kostete allein der Bau der Manufaktur in Dresden. Und nach den neuesten Prognosen über die Wertentwicklung der Luxuskarosse kann der künftige VW-Chef davon ausgehen, dass er Piëchs Traum von der Oberklasse über Jahre hinaus alimentieren muss.

Etwa 20000 Luxuslimousinen will Volkswagen pro Jahr verkaufen, das ist etwa ein Viertel des Absatzes der Mercedes S-Klasse. Geplanter Verkaufsstart ist am 31. Mai, derzeit liegen rund 1000 Vorbestellungen vor. Große unabhängige Leasinggesellschaften wie ALD oder LHS haben dagegen bisher noch keine einzige Anfrage nach dem Super-VW erhalten.

Der Grund für die Abstinenz der Leasingkunden: Der Wiederverkaufswert des Phaeton liegt nach einer unabhängigen Schätzung deutlich unter denen vergleichbarer BMW - und Mercedes-Modelle. Nach drei Jahren erzielt der neue Phaeton V6 einen Gebrauchtwagenpreis von nur 53 Prozent des Neuwerts - und liegt damit weit hinter der Mercedes S-Klasse, die auf 61 Prozent kommt. Beim Zwölfzylinder geht VW intern bei dem für die Leasingrate entscheidenden Restwert sogar von nur 36,9 Prozent aus. "Damit ist der Phaeton im Leasinggeschäft nicht konkurrenzfähig", sagt Kurt Kolb von Bähr & Fess Forecasts.

Eine bittere Erkenntnis für VW, denn mehr als 50 Prozent aller Oberklasseautos werden heute geleast. Ein niedriger Restwert bedeutet eine höhere Monatsrate für den Kunden, weshalb ein Phaeton - rein rechnerisch - im Leasing deutlich teurer ist als alle Konkurrenzmodelle. "VW wird bei den Konditionen Zugeständnisse machen müssen", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft in Gelsenkirchen. "Da wird man über Jahre Geld verlieren." Die VW-Verkaufsleiter haben die Order, bei wechselwilligen Kunden jeden vernünftigen Preis mitzugehen. "Dafür wurde extra eine firmeninterne Hotline eingerichtet", so Kolb.

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