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Das neue World Trade Center soll ein Denkmal sein

Ed Koch, der ehemalige Bürgermeister von New York, gehört zu den größten Anhängern eines Wiederaufbaus der eingestürzten Türme des World Trade Centers: "Sie sind das Symbol New Yorks. So können wir die Terroristen brechen. Die haben gedacht, sie können uns zerstören", sagt Koch.

HB NEW YORK. Und auch der Immobilien-Unternehmer und Turm-Fan Donald Trump will wieder etwas Großes am Süd-Ende Manhattans sehen - möglichst noch höher als vorher: "Was ich nicht sehen möchte, ist ein Gebäudepark mit viel offenem Raum. Ein Turm ist viel wichtiger, um den Verlorenen zu gedenken."

Vom identischen Wiederaufbau sind die meisten anfänglichen Befürworter jedoch schnell wieder abgekommen. Auch Larry Silverstein, der Bauunternehmer, der die Gebäude erst sieben Wochen vor dem Terroranschlag als Chef eines Konsortiums gemietet hatte, ist moderater geworden und schlägt vier Gebäude mit 50 bis 60 Stockwerken vor.

Damit liegt Silverstein im Trend. Denn zum einen ist fraglich, wer heute noch in ein so hohes Gebäude ziehen würde. "Bisher galt bei Büroräumen: Je höher, umso höher die Mieten. Aber heute wollen die Menschen nicht mehr so hoch oben arbeiten", sagt Patricia Warburg Cliff vom New Yorker Immobilienmakler Corcoran. Zum anderen könnten die neuen Gebäude auch mit weniger Quadratmetern auskommen. Durch den Anschlag sind rund eine Million Quadratmeter Büroraum verloren gegangen. "Ob so viel Fläche wieder zu vermieten sind, ist fraglich", meint Warburg Cliff.

Zudem entsprechen die Zwillingstürme nicht mehr heutigen Anforderungen an den Energieverbrauch. Laut dem New Yorker Architekt Richard Meier hat das alte Design jeglichen Einfluss von Sonne auf Heizungs- und Kühlungssystemen des Riesengebäudes ignoriert.

Die Mehrheit von Städteplanern, Architekten und Maklern, bevorzugen einen Komplex aus mehreren Gebäuden. Barry Gosin, Vorstandschef von Newmark, einem der größten Immobilenmakler der Stadt, plädiert für einen Mix aus Büroräumen, Einkaufsmöglichkeiten und Wohnräumen. Auch Stadtentwickler Jonathan Rose fordert "eine urbane Komposition aus vielen Gebäuden" und spricht schon vom "Rockefeller-Center des 21. Jahrhunderts". Kirchen und ein Museum über Terrorismus und Zivilisation sollten Bestandteil des neuen Centers werden, schlägt er vor. Weniger religiös ist der Vorschlag, sämtliche Börsen der Stadt - die New York Stock Exchange, die American Stock Exchange und die Nasdaq - unter einem Dach zu vereinen.

Nach einer Umfrage von Harris Poll ist die amerikanische Bevölkerung in der Frage des Wiederaufbaus in drei fast gleich große Gruppen gespalten: 32 % wollen die Türme originalgetreu wiederaufbauen, 31 % sprechen sich für völlig andere Gebäude aus. Und 30 % wollen gar keine Gebäude und stattdessen ein Denkmal sehen.

Ein Denkmal muss nach Ansicht von Maklern und Planern auf jeden Fall Bestandteil des neuen World Trade Center sein. "Das Stück Gerippe des World Trade Centers, das sie als letztes entfernt haben, wäre dafür gut geeignet", meint Maklerin Warburg Cliff. Einig scheinen sich Entwickler und Makler auch darüber zu sein, dass das neue World Trade Center besseren Anschluss an öffentliche Verkehrsmitteln braucht. Der Vorschlag des ehemaligen Vorsitzenden des Stadtplanungskomitees, John Zuccotti, den Wintergarten des World Financial Centers in einen Bahnhof umzuwandeln, stieß nicht auf Gegenliebe.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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