Das nordamerikanische Land wird immer noch unter Wert gehandelt
Chancen für den Mittelstand in Kanada

Deutsche Unternehmen in Kanada bewerten ihre in den vergangenen Jahren vorgenommenen Investitionen in diesem Land in hohem Maße als "erfolgreich" oder "sehr erfolgreich". 75 % der Unternehmen, die sich an einer Umfrage der Deutsch-Kanadischen Industrie- und Handelskammer in Toronto beteiligten, planen neue Investitionen.

OTTAWA. "Sehr erstaunlich" nennt Bernd Höhne, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer, das Ergebnis der Umfrage, die im August durchgeführt wurde und an der sich 115 von 340 angeschriebenen Unternehmen beteiligten. Im vergangenen Jahr hatte die Kammer erstmals eine Investmentumfrage durchgeführt, die bereits positive Beurteilungen der Investitionen in Kanada brachten. Dass die jetzt ermittelten Zahlen in manchen Bereichen noch günstiger sind, will Höhne nicht überbewerten. "Wider Erwarten aber gab es nach den tragischen Ereignissen vom 11. September keinen Einbruch bei der positiven, zuversichtlichen Einschätzung."

Die Umfrage spiegelt laut Höhne auch die starke Konjunktur in Kanada wider, das beim Wirtschaftswachstum Spitzenreiter der G7-Industriestaaten ist. 95 % der Firmen beurteilen die wirtschaftlichen Aussichten in Kanada für die nächsten Jahre zufriedenstellend oder besser, 75 % sprechen von guten oder hervorragenden Aussichten. Die Investitionen in Kanada werden von 83 % als erfolgreich oder sehr erfolgreich eingestuft, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von fast 5 % darstellt. Folglich ist die Bereitschaft zu neuen Investitionen sehr hoch: 75 % wollen investieren, 41 % sogar "stark". Zwei Drittel aller Unternehmen setzen auf Expansion ihres Engagements in Kanada.

Die Unternehmensbesteuerung in Kanada wird von mehr als der Hälfte der Unternehmen als wirtschaftsfreundlicher als in Deutschland eingestuft.Wie die Kammer feststellt, geht seit Jahren die Entwicklung dahin, dass kanadische Niederlassungen deutscher Firmen nicht mehr von Deutschen, sondern von Kanadiern geleitet werden. Rund 60 % der Unternehmen kommen ohne Entsandkräfte aus Deutschland aus. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen beurteilte die Profitabilität der kanadischen Niederlassung gut oder ausgezeichnet, ein Viertel war zumindest zufrieden. Die Arbeitsproduktivität erhielt mit 61 % gut oder ausgezeichnet ebenfalls eine positive Bewertung.

In Kanada sind 450 deutsche Unternehmen mit rund 650 Niederlassungen mit Produktion, Verkauf oder Im- und Export vertreten. Größte deutsche Firma in Kanada ist DaimlerChrysler Canada, gefolgt von Siemens und den Chemieunternehmen BASF, Bayer und Henkel. Die meisten deutschen Firmen haben ihren kanadischen Hauptsitz in der Provinz Ontario. Mehr als 50 % des Absatzes dieser Unternehmen wird in Ontario getätigt, auf die Provinz Quebec entfallen 25 %. Der Rest verteilt sich auf die übrigen acht Provinzen.

Die deutschen Direktinvestitionen in Kanada erreichten nach Darstellung der Kammer im Jahr 2001 einschließlich Grunderwerb netto "gerade einmal" 49 Mill. Euro, die sich aus 734 Mill. Euro Neuanlagen und 684 Mill. Euro Rückflüssen zusammensetzen. Kanadische Unternehmen transferierten in 2001 dagegen netto 712 Mill. Euro nach Deutschland. Nach der Bestandsstatistik der Deutschen Bundesbank belaufen sich die seit 1952 aufsummierten deutschen Direktinvestitionen in Kanada bis Ende 2000 auf 9,29 Mrd. Euro. Dagegen addierten sich die deutschen Direktinvestitionen in den USA über den gleichen Zeitraum auf fast 289 Mrd. Euro - ein Verhältnis von 31:1 im Vergleich zu Kanada.

Allerdings mahnt der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Uwe Harnack, zur Vorsicht bei der Bewertung dieser Zahlen. Nach seiner Ansicht geben sie nicht das tatsächliche Engagement der deutschen Wirtschaft in Kanada wider. Im Zuge der internationalen Vernetzung und der Schaffung immer größerer supranationaler Wirtschaftsräume werde immer weniger Kapitaltransfer vom Mutterhaus in Deutschland vorgenommen. Die Auslandstöchter finanzierten Investitionen im eigenen Land oder gar in Drittländern durch reinvestierte Gewinne oder Kreditaufnahme selbst. Es gebe kaum eine Großinvestition deutscher Firmen in Kanada, die von Deutschland aus transferiert werde. Dennoch könne man aus den Zahlen schließen, "dass die Akzeptanz des US-Marktes immer noch wesentlich größer als die des kanadischen ist", meint Harnack. "Kanada wird immer noch unter Wert gehandelt" und sei für Mittelständler weiter ein "Geheimtipp".

Die kanadische Regierung sieht sich bei ihrem Bemühen, ausländische Investitionen nach Kanada zu holen, durch die Anfang dieses Jahres veröffentlichte, von ihr in Auftrag gegebene KPMG-Studie über den Vergleich von Geschäftskosten und die Wettbewerbsvorteile in den jeweiligen Industrieländern gestärkt.

Nach der Studie hat Kanada zum Teil erhebliche Kostenvorteile gegenüber den USA, Japan und den europäischen Staaten. So hat das Land die niedrigsten Arbeitskosten und die günstigsten Preise beim Aufbau von Produktionsanlagen. Auch bei den Energiekosten liegt Kanada am unteren Ende. Kanada biete "ausgeprägte und zwingende Vorteile" für internationale Firmen, meint Handelsminister Pierre Pettigrew, während Industrieminister Allan Rock Kanada "das attraktivste Investitionsklima" in den Industriestaaten zuschreibt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%