Das offene Betriebssystem wird zehn Jahre alt
Linux erobert die Firmenrechner

Zehn Jahre, nachdem der finnische Student Linus Torvalds sein offenes Betriebssystem Linux kostenlos zur Weiterentwicklung zur Verfügung gestellt hat, hat die Software den Durchbruch geschafft. Immer mehr Firmen setzen das alternative Betriebssystem auf ihren Netzrechnern ein. Microsoft hat mit seinem Windows das Nachsehen.

HELSINKI. Als Linus Torvalds vor zehn Jahren, am 17. September 1991, die erste Version seines Betriebssystems ins Internet stellte, dachte der Student aus Helsinki im Traum nicht daran, dass seine Software eines Tages das Windows des Giganten Microsoft von den Rechnern der Firmen verdrängen würde. Erst in den letzten zwei, drei Jahren ist die Akzeptanz für die Software gestiegen. Inzwischen ist Linux das am weitesten verbreitete Betriebssystem für die Internet-Rechner der Unternehmen.

Zunächst wollte Torvalds nur den Beweis antreten, dass er nicht nur leere Worte gemacht hatte, als er großspurig in den Foren der Softwarefreaks im Internet ankündigte, er werde ein Betriebssystem für Computer entwickeln, das bedienerfreundlich ist und wenig kostet. Als er dann immer mehr Resonanz auf sein Programm und Verbesserungsvorschläge aus dem weltweiten Datennetz erhielt, wurde ihm klar, dass man zusammen mit anderen ein wirklich gutes Programm entwickeln könnte.

Inzwischen stehen der Linux-Gemeinde schier unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung. Tausende von Programmierern tragen über das Internet mit kleinen und kleinsten Verbesserungen zum Gesamtprojekt bei. Linux "wächst", wie Torvalds es formuliert. So wurde Linux auf einigen Feldern bereits zum wichtigsten Betriebssystem.

Heute wird die Software von den großen IT-Firmen vermarktet. Neben IBM bieten auch Hewlett-Packard und Compaq ihre Rechner mit Linux an. Die Unternehmen verdienen an Dienstleistungen rund um die Software und an den vorinstallierten Computern. Und nicht nur Internet-Rechner arbeiten mit dem alternativen Betriebssystem. In dieser Woche gab die New Yorker Börse bekannt, dass sie ihre Rechner zur Verwaltung der Transaktionen auf Linux umstellen wird. Marktforscher von IDC, Framingham, prognostizieren denn auch für Linux die höchsten Wachstumsraten bei den Server-Betriebssystemen. Nach der Anzahl der Installationen gerechnet, soll Linux bis 2005 um durchschnittlich 23,6 % pro Jahr zulegen. Zum Vergleich: Windows soll um 16,5 % wachsen.

Zum ersten Mal in der IT-Geschichte liegen die Wachstumszentren außerhalb der USA. "Die beim Linux-Einsatz führenden Länder sind China, Korea, Brasilien, Deutschland, Skandinavien - und dann erst kommen die Vereinigten Staaten", schätzt Steve Solazzo, der für Linux zuständige Vice President bei IBM, das Geschehen auf den Märkten ein, die rund um das kostenlose Betriebssystem entstanden sind.

Allerdings bleibt Linux bislang meist außen vor, wenn wirklich anspruchsvolle Anwendungen gefahren werden. "Linux ist bei Rechnern mit bis zu vier Prozessoren gleichwertig. Bei größeren Systemen hat Windows 2000 noch Vorteile", urteilt etwa Walter Nitsche. Er ist bei Fujitsu-Siemens, Amsterdam, für Leistungstests zuständig. Linux skaliert nicht gut, wie der Informatiker das nennt. Die Rechenleistung wächst unterproportional, wenn man die Anzahl der Prozessoren erhöht. "Speziell für den Datenbank-Einsatz sind heutige Linux-Versionen Windows 2000 deutlich unterlegen", erklärt Nitsche. Und auch auf Einzelplatzrechnern daheim oder im Büro ist Linux noch eine Seltenheit. Es sind vorwiegend Bastler, die das Alternativ-Betriebssystem auf ihren Desktop-Rechnern installiert haben. Für Torvalds ist diese Situation absolut unbefriedigend: "Für mich ist der Desktop der wichtigste Platz für Linux. Deshalb habe ich schließlich begonnen, es zu programmieren."

Es ist in erster Linie Microsofts Office-Paket, das das konkurrierende Betriebssystem ausbremst. Office läuft nur auf Windows und Mac-OS, dem Betriebssystem von Computerhersteller Apple. Das heißt: Ein Linux-Anwender kann keine Dateien im Word-, Excel- oder Powerpoint-Format erzeugen. Dies sind aber die Formate, die am häufigsten zum Austausch von Dateien genutzt werden. Torvalds ist jedoch zuversichtlich, dass die kostenlosen PC-Programme, die jetzt für Linux geschrieben werden, auch den Durchbruch beim PC bringen werden.

Buchtipp: Linus Torvald beschreibt in seinem Buch "Just für Fun", das vor wenigen Wochen im Hanser Verlag erschienen ist, welche Hürden er bei der Entwicklung des Betriebssystems überwinden musste.

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