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Das Prager Comeback des Jan Simak

Ausgerechnet Jan Simak. Exakt 14 Monate nach seinem mysteriösen Verschwinden aus der Fußball-Bundesliga soll der Tscheche seinen neuen Verein Sparta Prag in der Champions League zum Erfolg führen.

dpa PRAG. Ausgerechnet Jan Simak. Exakt 14 Monate nach seinem mysteriösen Verschwinden aus der Fußball-Bundesliga soll der Tscheche seinen neuen Verein Sparta Prag in der Champions League zum Erfolg führen.

Im direkten Vergleich mit Fenerbahce Istanbul geht es um den dritten Platz in der Gruppe D und damit um die Qualifikation für den Uefa-Cup. Am 23. September 2003 hatte Simak das Gelände von Hannover 96 verlassen und nie mehr ein Spiel in Deutschland bestritten. Psychologen diagnostizierten ein Erschöpfungssyndrom auf Grund zu großen Leistungsdrucks. Hält der 26-Jährige diesmal die hohen Erwartungen seiner Landsleute aus?

"Ja", ist Sparta-Trainer Frantisek Straka sicher. Straka, der als Spieler unter anderem für Borussia Mönchengladbach aktiv war, hatte im Juli überraschend die Verpflichtung des damals vertragslosen Simak betrieben. "Für einen guten Mann gehe ich gerne ein Risiko ein", betont er. Seitdem hat Simak jedoch in kaum einer Partie mehr als 60 Minuten gespielt: Straka wollte Simak wegen des Trainingsrückstandes behutsam für die Rückrunde der tschechischen Liga im Frühjahr aufbauen. Die jetzige "Feuertaufe" kommt eigentlich viel zu früh.

Doch Straka hat keine Wahl: Nach einer Gelb-Roten Karte in Manchester ist Spielmacher Karel Poborsky gesperrt. Und die Tschechen (bisher ein Punkt) müssen gegen Fenerbahce (drei Punkte) gewinnen, um ihre Chance auf Platz drei zu erhalten. Dies würde das Weiterspielen im Uefa-Cup und viel Geld in die Kasse des tschechischen Rekordmeisters bedeuten. Fehlen Sparta hingegen diese Einnahmen aus dem internationalen Geschäft, muss der Verein Spieler verkaufen. Ein enormer Druck für alle, besonders für Simak.

"Der Druck ist hier nicht so groß wie in Deutschland", widerspricht der Blondschopf. "Auch wenn er es wäre - ich habe gelernt, damit umzugehen." Details will er nicht nennen: "Ich habe das Problem schlicht überwunden." Straka sieht es ebenso: "Jan weiß, dass ich ihm vertraue. Und er weiß auch, dass dieses Kapitel beendet sein muss." In seinen schlimmsten psychischen Krisen soll Simak stundenlang verstört in einem dunklen Zimmer gesessen haben.

Europas "Fußballer des Jahres" Pavel Nedved nannte Simak einmal das "größte Talent des tschechischen Fußballs". Davon ist der 26-Jährige momentan weit entfernt. Aber die Partie gegen Fenerbahce könnte ein erster Schritt sein, wieder zur früheren Klasse zurückzufinden.

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