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Das Programm bin ich

Schröder oder Stoiber? Der Bundeskanzler hat die Wahlentscheidung auf den Nenner gebracht. Wen interessieren schon Programme. Personen werden gewählt. Schröder oder Stoiber - statt der (mühsamen) Suche nach den Richtungen von SPD/Grüne oder CDU/CSU-FDP. Hier der weltgewandte Italienurlauber, der in Designerklamotten gerne die dicke Havanna raucht - dort der gegen das Image des bayerischen Stammtisch-Politikers ankämpfende Strauß-Zögling, der wie sein Ziehvater nach Bierzelt und Weißwurst riecht. Das reicht, meint jedenfalls der amtierende Kanzler.

Nach der Wahlschlappe in Sachsen-Anhalt hat Gerhard Schröder (wohl etwas vorschnell) seinen Joker gezogen, feixen die Kommentatoren. Das kann man machen, wenn man in den Beliebtheitsumfragen vor dem Herausforderer liegt. Aber fünf Monate vor der Wahl?

Doch auf die Schauspielkunst verstehen sich die Herren schließlich. Programmatisch zielen ohnehin beide auf die politische Mitte. Unterschiede verschwimmen da nur zu schnell. Sobald aber das Rotlicht an der TV-Kamera blinkt, sind sie voll da. Und der eine ist dabei (momentan) mehr im Bilde als der andere. Stoiber patzte bei Christiansen, verhaspelte sich in seinen Ausführungen, bis keiner mehr verstand, was der Kandidat eigentlich wollte. Das kann man nutzen.

Schröder liebt den großen Auftritt und macht das recht telegen - trotz der vielen Versprecher. Dahinter steckt wohl möglich gar nicht einmal mangelnde Konzentration, sondern die reine Absicht, wirkt das doch im Fernsehen irgendwie menschlich.

Was also tun? Fischer oder Westerwelle, die personellen Alternativen, scheiden als Vizekanzler des einen oder anderen Kandidaten ja von vorneherein aus. Nicht verzagen, Oskar fragen. Lafontaine, der Erzrivale des Kanzlers, meint: Ein wenig Inhalt dürfte schon sein. Wohl wahr. Schließlich handelt es sich bei der Wahl nicht nur um einen Schönheitswettbewerb. Lafontaine wirft Schröder den Kurswechsel in der SPD vor: Weg von einer Politik der sozialen Gerechtigkeit. Es ist die alte Leier: Schröder als Liebling der Bosse.

Sogar Stoiber wolle die Beteiligungsverkäufe der Konzerne wieder versteuern, die SPD-Führung nicht. Na, auf solche Inhalte (aus der Ära Willy Brandt) kann man dann auch wieder verzichten. Ob Lafontaine wirklich Stoiber wählt? Nein, kaum zu glauben. Doch wo dann das Kreuzchen machen? Vielleicht in der Kirche - zusammen mit einem Stoßgebet für Deutschland. Oder gar nicht wählen gehen? Oder die Franzosen nachmachen, die aus Politikverdruss der Präsidentenwahl fernblieben?

Das dann nun doch nicht. Wählen gehen ist Staatsbürgers Pflicht. Also doch besser das Fernsehen ausschalten und Zeitung lesen (oder ins Internet gucken), Informationen suchen, Wahlprogramme studieren und vergleichen, Wahlversprechen prüfen. Wir ahnten es bereits: Es bleibt einem mal wieder nichts erspart.

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