Das Quartalsergebnis des Telekomkonzerns enttäuscht die Börse
Wall Street empfiehlt Verizon nach Kurssturz

Eiln Streik und schwächere Gewinnerwartungen belasten die Verizon-Aktie. Analysten sehen eine Einstiegschance.

HB NEW YORK. Niemand in New York kannsich der neuen Verizon-Werbung entziehen. Plakate, Fernsehspots und Zeitungsanzeigen bleuen den New Yorkern auf Schritt und Tritt ein, dass ihre regionale Telefongesellschaft Bell Atlantic nach der Fusion mit der GTE Corp. jetzt Verizon heißt. Die tiefe Stimme des Schauspielers James Earl Jones meldet sich seit kurzem mit "Verizon", wenn man die New Yorker Telefonauskunft anruft.

Danach meldet sich aber seit über einer Woche niemand mehr. Denn die 87 000 Männer und Frauen der Telefon-Auskunft und die Verizon-Techniker befinden sich im Streik. Jetzt steht der Name des neuen Unternehmens jeden Tag in einer Zeitungsschlagzeile. "Das ist kostenlose Werbung", wiegelte ein Marketing-Manager ab. Aber er gestand auch ein, dass diese Art von freier Werbung nicht ohne Risiko ist. Macht Verizon einen Fehler, wäre das so wichtige gute Image dahin.

Der Aktienkurs der größten US-Regionalgesellschaft ist seit Beginn des Streiks jedenfalls deutlich gefallen - auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Aber das hatte noch andere Gründe. Das Unternehmen hat nämlich mit seinen jüngsten Quartalsgewinnen die Erwartungen der Wall Street gründlich enttäuscht. Verizon teilte mit, dass die Fusion mit GTE Corp. teurer werden würde als erwartet. Nach dem Zusammenschluss hat Verizon 25 Millionen Kunden in 12 US-Bundesstaaten.

Nationaler Anbieter von Breitband-Diensten

Zudem hat Verizon angekündigt, für 800 Mill.$ die Mehrheit an der North Point Communications Group erwerben zu wollen. Das ist ein kleinerer Anbieter von Internetzugang über schneller gemachte Telefonleitungen, einer so genannten Digital Subscriber Line (DSL). Verizon will seine eigenen DSL-Initiativen mit North Point bündeln. Die Investition wird die Gewinne nun etwas belasten. Analysten halten den Kauf aber für strategisch sinnvoll. "Es ermöglicht Verizon, ein nationaler Anbieter von Daten- und Breitbanddiensten zu werden", meint Jack Grubman, Analyst bei Salomon Smith Barney. Unter Breitband versteht man die schnelle Übertragung von Daten, Bildern oder Telefongesprächen über Fernsehkabel oder eben DSL. Eine nationale Ausbreitung ist von Vorteil, weil das Unternehmen mit Verizon Wireless bereits einen nationalen Mobilfunkanbieter besitzt. An Verizon Wireless ist der britische Anbieter Vodafone Airtouch mit 45% beteiligt.

Zudem verfügt Verizon über eine nationale Internet-Infrastruktur. Verizon hat auch als erste Regionalgesellschaft die Erlaubnis erhalten, Ferngespräche anzubieten. Das ist zwar noch auf den Bundesstaat New York beschränkt, aber es ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer vollständigen Liberalisierung des noch in Fern- und Ortsnetzanbieter gespaltenen US-Telekommunikationsmarktes. Eine nationale Ausdehnung ist wichtig, weil nach dem Verschwinden der Wettbewerbsgrenzen die größten Telefongesellschaften überall in den USA ihren Kunden ein Gesamtpaket aus Telekomdiensten wie Mobilfunk oder Internet anbieten wollen.

Das Management von Verizon rechnet jetzt mit Gewinnen pro Aktie von 2,90$ bis 2,94$ für das gesamte Jahr. Analysten hatten zuvor 3,15$ pro Aktie erwartet. Sie reduzierten daraufhin ihre Gewinnschätzungen und Kurserwartungen. An ihren Kaufempfehlungen hielten die meisten Analysten jedoch fest.

Analysten sehen großes Potenzial

Analyst Dan Reingold von Credit Suisse First Boston empfiehlt Verizon weiter stark zum Kauf und rechnet mit einem Kursanstieg auf 76 $. "Wir glauben weiter, dass die Verizon-Aktien bedeutendes Kurspotenzial haben", meint Reingold. Das Unternehmen sei bei den wichtigen Sparten Festnetz, Mobilfunk und Datendienste möglicherweise der am besten integrierte Anbieter. Gary Jacobi, Analyst bei Deutsche Banc Alex. Brown, empfiehlt Verizon ebenfalls zum Kauf. Er betont in seiner jüngsten Studie die Stärke im Datenbereich. Auch Grubman von Salomon Smith Barney hat seine Kaufempfehlung bekräftigt. "Die Aktienkurse reflektieren nicht die Möglichkeiten des Unternehmens von seinen hervorragenden Vermögenswerten und seiner führenden Mobilfunksparte zu profitieren", so Grubman. Er rechnet mit einem Kursanstieg auf 85 $.

Dazu müssen sich die Verizon-Manager aber bald mit der Gewerkschaft einigen. Die Telefonkunden tolerieren die Einschränkungen zwar für ein paar Wochen. Danach steigt das Risiko, dass Konkurrenten die Schwäche ausnutzen können.

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