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Das Rabattgesetz ist nur noch eine leere Hülle

Es ist sicherlich ein vernünftiger Schritt, das altgediente Rabattgesetz aus dem Jahre 1933 samt der noch älteren Zugabeverordnung von 1932 zu streichen. Denn gerade im deutschen Einzelhandel gibt es zu viele Schutzzäune, die einst zur Erhaltung des Mittelstandes aufgestellt wurden und inzwischen durchlässig geworden sind.

Das jahrzehntelang verteidigte Ladenschlussgesetz ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie gerne der deutsche Einzelhändler seinen Markt geregelt sieht. Aber nicht nur bei der Öffnungszeit, auch bei der Preisgestaltung und natürlich bei der Frage, in welcher Zeit Preisnachlässe erlaubt sind, gibt es Vorschriften.

Für das Festhalten an den überkommenen Regeln gibt es nur eine Erklärung: Der deutsche Einzelhandel will sich vor seinem eigenen Kampfgeist schützen. Denn nirgendwo auf der Welt ist der Preiswettbewerb so hart und sind die Margen so niedrig wie hier zu Lande. Nirgendwo wird die neueste Mode so früh auf den Markt geworfen wie in Deutschland, weil jeder Textilhändler glaubt, nur wer als erster auf dem Markt ist, macht den größten Umsatz.

Durchlöchert wie sie sind, lassen sich die Schutzzäune nicht retten. Denn die Liberalisierung des europäischen Marktes und die Einführung des Euros bringen die nationalen Einzelhandelsmärkte immer enger zusammen. Und vor allem das Internet, in dem Händler weltweit gleichzeitig gegeneinander antreten, erzwingt eine Anpassung der Wettbewerbsbedingungen.

Darum haben viele deutsche Einzelhändler - vor allem die großen Konzerne, die sich im Rahmen der Globalisierung im Ausland bewähren müssen - bereits im vergangenen Jahrzehnt die Regeln umgangen. Viele Paragrafen stehen heute nur noch auf dem Papier. Dafür ist das Rabattgesetz ein Paradebeispiel. Mit geschickten Manövern wird die Beschränkung von Preisnachlässen auf 3 % umgangen.

Das verdeutlichen die Methoden deutscher Warenhäuser: Sie handhaben ihren Personalkauf mit 15-prozentigem Preisrabatt so tolerant, dass auch Freunde, Bekannte und Verwandte der Mitarbeiter in den Genuss der handfesten Vorteile kommen.

Der Mittelstand mit seinem engen Bezug zum Stammkunden ist dabei sogar noch im Vorteil. Der Eigentümer, der meist selbst im Laden steht, kann seine Stammkunden unter der Hand leicht mit attraktiven Rabatten bedenken. Mitarbeiter in Großbetrieben haben es da viel schwerer. Sie können die Preise nicht eigenmächtig gestalten. Deshalb ist es nur ein Akt der Ehrlichkeit, wenn das Rabattgesetz abgeschafft wird und für alle endlich klar ist, nach welchen Regeln gespielt wird. Das hilft besonders denjenigen Einzelhändlern, die zu ehrlich waren, um gegen das Gesetz zu verstoßen. Dass der deutsche Verbraucher durch Rabatte auf vorher verteuerte Waren getäuscht wird, ist kaum zu erwarten. Denn mit ihrem Preiskrieg haben die Händler selbst dafür gesorgt, dass ihre Kunden nur noch auf den Pfennig schauen.

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