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Das Rennen um GPRS beginnt

Die UMTS-Lizenzen sind in diesem Jahr für Milliarden-Beträge an die Mobilfunkgesellschaften versteigert worden. Bevor jedoch voraussichtlich 2003 die neuen Netze stehen, entbrennt das Wettrennen um den schnellen mobilen Datentransfer schon jetzt mit GPRS (General Radio Packet Service), einer Erweiterung des GSM-Mobilfunkstandards.

adx MÜNCHEN. Viag Interkom und die Telekom liegen im Wettstreit, wer die Nase beim paketbasierten Datentransport vorne hat. Den für September 2000 geplanten Feldversuch musste die Telekom auf Januar 2001 verschieben. Viag Interkom spricht dagegen von einem GPRS-Feldversuch, der in Berlin bereits reibungslos funktionieren soll.

Neben Schwierigkeiten mit der neuen Netztechnik gibt es ein weiteres Problem, das in ferner Zukunft auch für UMTS gelten könnte: Es sind bisher zu wenig GPRS-fähige Endgeräte auf dem Markt. Anbieter mobiler Datendienste zeigen sich jedoch unbeeindruckt. Sie arbeiten bereits fieberhaft an technischen Umsetzungen für das Bestellen und Bezahlen mit dem GPRS-Handy, im Fachjargon "Billing" genannt. "Diese Lösungen sind entscheidend für den künftigen Mobilfunkmarkt", sagt Oliver Samwer vom mobilen Internetportal Jamba . Die Firma arbeitet mit debitel und Electronicshop-Ketten zusammen und hat in den Niederlanden und Deutschland bereits 100 000 WAP-Portalkunden.

So könnte vielleicht schon in 2001 mit GPRS das Taxi überall in Deutschland unter der lokalen Rufnummer bestellt und auch mit dem Handy bezahlt werden. Das Navigationssystem GPS soll bei der Suche nach dem Handybesitzer helfen. "Denn nur so kann der Geschäftsreisende in der Stadt, in der er gerade gelandet ist, die nächste S-Bahn-Verbindung oder den nächsten Italiener von seinem Provider mitgeteilt bekommen - wortlos, versteht sich", fügt Samwer hinzu. Vorstellbar sind auch Kartenausschnitte und Pfeile, in dessen Richtung sich dann der mobile Kunde bewegen muss. In der technisch nächst höheren Generation gibt es dann auf dem Display auch Fotos, etwa von Kunstausstellungen oder für Firmenpräsentationen als Preview.

Noch weiter will der E-Commerce-Anbieter Active-Film gehen und im nächsten Jahr Werbefilme über GPRS anbieten. Das Unternehmen machte mit dem Renault-Clip Furore, in dem auch Deutschlands rauer Held Til Schweiger mitspielt. Active-Film träumt von einem interaktiven Filmvergnügen via GPRS. "Filme auf dem Handy kann ich mir erst mit UMTS vorstellen", sagt Jamba! -Gründer Samwer dagegen und verweist auf unterschiedliche Lade- und Transportzeiten bei GPRS. Da der Datentransport über das GSM-Netz läuft, kann der Transfer bei stark ausgelastetem Netz auch schon mal länger dauern. Dennoch: 80 % der künftigen UMTS-Anwendungen sollen laut Samwer bereits unter GPRS entstehen.

WAP werde künftig ebenfalls eine Rolle spielen. Das umstrittene Vehikel zum Herunterladen von Textseiten aus dem Internet aufs Handy dürfte durch GPRS eine deutliche Beschleunigung erfahren. Über die Preise für den GPRS-Transport vermochte Handy-Experte Samwer noch nichts zu sagen, ebenso wenig über die einzelnen Endgeräte. Lediglich Motorola bringt mit dem Timeport 260 jetzt ein erstes GPRS-fähiges Handy auf den Markt. Der Vorgänger Timeport 250 (ohne GPRS) kostete allerdings schon 759 DM. Nokia will sein erstes GPRS-Handy auf der CeBIT 2001 vorstellen.

Bei den Tarifen behauptet der Internetdienst Teltarif, die Gebühren von Viag Interkom schon zu kennen. Demnach kostet die einzelne WAP-Seite über GPRS unabhängig von ihrer Größe künftig acht Pfennig. Für Datenübertragungen (nicht WAP) seien pro Online-Stunde 50 Pfennig zu bezahlen sowie 60 Pfennig pro 100 Kilobyte. Ab 20 Megabyte halbiere sich der Preis auf 30 Pfennig. Der Vorteil für den Kunden ist offensichtlich: Mit GPRS wird das Surfen mit dem Handy deutlich günstiger als der bisher minutenbasierte GSM-WAP-Dienst.

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