Das Rennen um Zurich Scudder ist noch nicht entschieden
Auch Bonnfinanz soll an ZFS gehen

Im Poker um die US-Fondsgesellschaft Scudder bietet die Deutsche Bank der Zurich Financial Services neben dem Versicherer Deutscher Herold auch ihren Finanzvertrieb Bonnfinanz zum Tausch an.

FRANKFURT/M. Für den Erwerb des US-Vermögensverwalter Zurich Scudder Investments hat die Deutsche Bank ein Paket geschnürt. Neben dem Deutschen Herold soll auch der Finanzberater Bonnfinanz Teil des Angebots an Zurich Financial Services (ZFS) sein. Zudem böten die Frankfurter rund 1 Mrd. US $ in bar, erfuhr das Handelsblatt aus Bankenkreisen. Allerdings ist das Rennen um Scudder noch nicht endgültig entschieden. Auch der angloamerikanische Fondsverwalter Amvescap prüft dem Vernehmen nach, ob er ein Angebot vorlegen soll. Zudem gibt es offensichtlich weitere amerikanische Interessenten.

Die Bonnfinanz ist der mobile Finanzberater der Deutschen Bank Gruppe und vertreibt ausschließlich deren Produkte. Sie ist der viertgrößte Finanzberater Deutschlands nach der DVAG Deutsche Vermögensberatung, MLP und AWD. Die 1 300 Mitarbeiter der Bonnfinanz konzentrieren sich auf Kunden ab einem Jahreseinkommen von 40 000 . Das Unternehmen hat sich von seinen Nebenberuflern getrennt und will damit das Image des Strukturvertriebs ablegen. Der älteste Allfinanzvertrieb Deutschlands betreut rund 450 000 Kunden. Es werden etwa 400 Produkte aus den Bereichen Finanzierung, Versicherung und Vermögensverwaltung angeboten. Im vergangenen Jahr gingen die Provisionserlöse um rund 9 % auf rund 203 Mill. DM zurück.

Im Fall des Erfolgs macht die Deutsche Bank im so genannten Asset-Management einen großen Schritt nach vorne. Sie schließt ihre schwache Flanke in Nordamerika. Mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt rund 1 Bill. erreicht die Deutsche die gleiche Größenordnung wie die Allianz/Dresdner - Gruppe. Weltweit stößt damit die Deutsche Bank in die Top Five der größten Vermögensverwalter vor, gemessen am verwalteten Vermögen. Der Deal wird zudem dadurch versüßt, dass ZFS nach Informationen aus Bankenkreisen seine Gelder weiterhin bei Scudder belassen will.

Auch für die Deutsche Bank mache die Transaktion Sinn, betonen informierte Kreise. Durch die angestrebte Kooperation mit ZFS bei Versicherungen könne die Bank eine breitere Produktpalette anbieten, denn die Policen der ZFS sollen über die Deutsche Bank 24 verkauft werden. Gleichzeitig mache die Deutsche Bank damit aber großen Versicherungen wie der Allianz und der französischen Axa nicht zu sehr Konkurrenz und könne weiter mit ihnen zusammenarbeiten.

Analysten bewerten das Vorhaben positiv

"Strategisch macht die Transaktion Sinn", zeigt sich Ralf Dibbern von MM Warburg überzeugt. Allerdings kann er die genannten Preise nicht nachvollziehen. Mit rund 3 Mrd. $ sei Scudder bei einem verwalteten Vermögen von 345 Mrd. $ ziemlich billig. Allerdings sei der faire Wert des US-Vermögensverwalters schwer festzustellen, räumt er ein. Der günstige Preis für Scudder könne Indiz für die dortigen Probleme sein, mutmaßt Dibbern.

Seit Jahresbeginn ging das verwaltete Vermögen um 25 Mrd. $ zurück. Die Unruhe nimmt zu: Erst am vergangenen Mittwoch schied Ted Tuscott, Chief Investment Officer, bei Scudder aus. Und er ist kein Einzelfall. Für Georg Kanders, Analyst der WestLB Panmure, hat die Deutsche bessere Chancen als der Versicherer Zurich, die Probleme bei Scudder in den Griff zu bekommen.

Vor ähnlichen Problemen stand die italienische Großbank Unicredito, als sie im vergangenen Jahr den US-Vermögensverwalter Pioneer übernahm. Auch Pioneer galt damals auch als Sanierungsfall. Immerhin zahlten die Italiener als Kaufpreis fast 5 % des verwalteten Vermögens, während die Deutsche Bank weniger als 1 % dafür aufbringen muss.

Mit Kemper und Threadneadle bleiben der ZFS auch nach dem Deal noch Vermögensverwalter für ihr Kerngeschäftsfeld übrig. Auf dem Versicherungssektor sind die Schweizer in Deutschland mit der Zürich Agrippina, Köln, vertreten. Sie machte im Jahr 2000 etwa 2,5 Mrd. Umsatz mit Policen und rangiert damit gerade noch unter den ersten Zwanzig im Markt. Daneben hat ZFS-Chef Hüppi erst im Sommer von der Nationwide Mutual Insurance die Neckura-Versicherungen erworben. Sie erzielten einen Umsatz von etwa 220 Mill. Umsatz, insbesondere mit Kfz-Policen.

Der Deutsche Herold liegt mit 3,4 Mrd. Absatz auf Platz 17. Die Herold Leben zählt zu den am schnellsten wachsenden Gesellschaften im Markt. Stärkster Vertriebsweg (40 % des Neugeschäfts) sind die Bankschalter der Deutschen Bank 24. Neben dem Herold besitzt die Deutsche Bank noch 30 % am Kölner Gerling Konzern. Diese Beteiligung möchte sie ebenso verkaufen, wie die gut 20 % an der Nürnberger Versicherungsgruppe. Beides ist jedoch nicht einfach. Bei Gerling will Gründerenkel Rolf Gerling (Anteil 70 %) weiterhin das Sagen haben. Bei der Nürnberger gibt es das Problem, dass sich deren Vorstandschef Hans-Peter Schmidt die eigene Unabhängigkeit offenbar hat zusichern lassen. Jedenfalls sei ein Verkauf an die Versicherungskammer Bayern für geschätzte 600 bis 700 Mill. an ihm gescheitert, berichten Bankenkreise.

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