Das Sanierungsprogramm gewinnt Konturen
Chrysler steht vor einer längeren Durststrecke

Früher als erwartet nimmt das Sanierungsprogramm für die in die roten Zahlen gerutschte US-Sparte von Daimler-Chrysler Gestalt an. Mit dem üblichen Instrumentarium will Dieter Zetsche, im November als Sanierer in die Chrysler-Zentrale Auburn Hills entsandt, schnell wieder in die Gewinnzone: Ein drastischer Personalabbau um ein Fünftel oder 26 000 Stellen steht an erster Stelle. Zudem sollen die Zulieferer mit Preiszugeständnissen einen Sanierungsbeitrag leisten. Den Autohändlern werden Zuschüsse gekürzt.

ajo/hus/weg STUTTGART. Sehr vage sind jedoch bisher die Vorstellungen, welche Summen mit diesen Maßnahmen eingespart werden sollen und vor allem, was die Restrukturierung kosten wird. Diese Unsicherheiten sieht Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim neben Gewinnmitnahmen als Grund, warum die Daimler-Chrysler-Aktie am Dienstag unter 50 Euro nachgab. Denn grundsätzlich haben die Analysten die am Montag bekannt gegebenen Stellenstreichungen begrüßt. Georg Stürzer von der HypoVereinsbank sieht in dem Kursrückgang daher auch eine technische Reaktion, nachdem die Daimler-Aktie sich in den vergangenen beiden Wochen um rund 20 % erholen konnte.

Berechnungen zu den Kosten und Einsparungen der Sanierung seien "sehr schwierig". sagt Raab von Sal. Oppenheim. So sei nicht absehbar, inwieweit das Vorruhestandsprogramm bei Chrysler angenommen wird. Hiermit will Chrysler den Großteil des Stellenabbaus umsetzen, da Entlassungen auf Grund eines langfristigen Tarifvertrages kaum möglich sind. Raab schätzt die Aufwendungen allein für den Personalabbau auf etwa 1,5 Mrd. Euro. Stürzer von der HypoVereinsbank geht von einem gesamten Restrukturierungsaufwand von 2 bis 3 Mrd. Euro aus. Dazu gehören auch Abschreibungen auf Fabriken, da in den US-Werken ganze Schichten gestrichen werden. Für David Garrity von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson addieren sich die Aufwendungen für Personalabbau und Wertverlust sogar auf insgesamt 6 Mrd. Euro.

2002 soll Chrysler wieder Gewinne ausweisen

Diese Aufwendungen werden 2001 bei Chrysler für rote Zahlen sorgen. Dies hat Konzernchef Schrempp kürzlich bestätigt, ohne genauere Angaben zu machen. 2002 soll Chrysler jedenfalls wieder Gewinne ausweisen.

Das heißt allerdings nicht, dass Chrysler damit automatisch zu alter Ertragskraft zurückfindet. Noch 1999 hatte die US-Sparte mit rund 5 Mrd. Euro die Hälfte zum Betriebsgewinn des Konzerns beigetragen. Um zu diesem Niveau zurückzukehren, reicht Kostensenkung allein nicht aus. "Dies ist erst mit neuen Modellen möglich", erklärt Stürzer. Konzernchef Schrempp selbst hat zugegeben, dass Chrysler dafür bis zu vier Jahre braucht. Die Hauptschwäche von Chrysler sei die eher blasse Produktpalette, sagt Efraim Levy von der Ratingagentur Standard & Poor?s. "Bei den Minivans und den Geländefahrzeugen sind die glanzvollen Tage vorüber."

Wie Chrysler-Chef Dieter Zetsche eine Modelloffensive umsetzen will, hat er noch nicht gesagt. Es zeichnet sich aber eine intensive Zusammenarbeit zwischen Chrysler und dem japanischen Partner Mitsubishi Motors (MMC) ab, an dem Daimler-Chrysler seit vergangenem Jahr mit 34 % beteiligt ist. Offenbar ist geplant, dass sich MMC und Chrysler die Entwicklung von Personenwagen teilen, um Kostenvorteile zu erzielen. Kleinwagen sollen federführend in Japan, Mittelklassewagen in den USA entwickelt werden. "Wenn die Kooperation funktioniert, bin ich sehr optimistisch", erklärt Falk Frey vom Bankhaus Julius Bär. Allerdings gibt er die großen kulturellen Unterschiede zwischen Chrysler und MMC zu bedenken.

Flexiblere Fertigung geplant

Weitere Einsparungen soll eine flexiblere Fertigung bringen. Bisher ist in der US-Autobranche das Einprodukt-Werk üblich. Das erschwert die Reaktion auf Nachfrageschwankungen. So kommt es, dass Chrysler die Nachfrage nach dem neuen US-Kultmodell PT Cruiser nicht befriedigen kann. Abhilfe soll das Mercedes-Produktionssystem schaffen. Es erlaubt, mehrere Modelle am gleichen Band zu fertigen. "Man weiß aber nicht, was die Übernahme kostet", sagt Analyst Frey.

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