"Das schafft nur eine riesige Verwirrung bei HP"
Analysten zweifeln am Sinn der Compaq-Übernahme

Offiziell sprechen die Computerunternehmen Hewlett-Packard und Compaq von einer gleichberechtigten Fusion. Doch alle Details des Megadeals legen den Schluss nahe, dass HP den texanischen Computerkonzern Compaq für rund 25 Milliarden Dollar in Aktien geschluckt hat. Der neue Superkonzern wird damit führender Hersteller von Personal Computern und Servern.

dpa-AFX HAMBURG. Mit einem kombinierten Jahresumsatz von 87 Milliarden Dollar rückt das neue Unternehmen dicht auf die Fersen des weltweit führenden Technologie-Unternehmens IBM (88,4 Milliarden Dollar Umsatz 2000).

Die Aktien beider High-Tech-Unternehmen hatten in den vergangenen Monaten stark unter der allgemeinen Branchenkrise gelitten. Der Kurs des Compaq-Papiers war seit dem Höchststand im Frühjahr 1999 um 76 Prozent gefallen, die Aktie von HP hatte sich im Vergleich zum Sommer 2000 um 66 Prozent verbilligt. Nun sollen gewaltige Einsparpotenziale die Position von HP/Compaq erheblich verbessern und den Aktienkurs wieder in alte Höhen treiben. Allein bis zum Oktober 2003 will HP - Chefin Carly Fiorina, die auch den neuen Konzern führen soll, zwei Milliarden Dollar einsparen.

Etliche Branchenexperten bezweifeln aber, ob Hewlett-Packard tatsächlich von der Übernahme profitieren wird. Ashok Kumar, Analyst von US Bancorp Piper Jaffray nannte die Fusion sinnlos. "Sie schafft eine riesige Verwirrung bei HP. Im Rückblick wird dieser Deal nicht als gelungene Übernahme angesehen werden." Auch sein Kollege Dane Anderson vom Marktforschungsunternehmen IDC rechnet mit einer "Phase der Unsicherheit". "Es gibt kaum eine Chance, der Verunsicherung und Konfusion intern aber auch extern für die kommenden sechs bis neun Monate zu entkommen."

Beide Firmen haben zusammen rund 145 000 Beschäftigte - nachdem der bereits vor Monaten angekündigte Stellenabbau (8500 bei Compaq und 9000 bei HP) vollzogen wurden. Wegen der großen Überlappungen in der Produktpalette bei Compaq und HP werden in den kommenden Monaten wohl viele weitere Angestellte den rosaroten Entlassungsbrief ("Pink Slip") in der Hauspost vorfinden. Der Hauptsitz von HP in Palo Alto wird auch Zentrale des neuen Konzerns, unweit der legendären Garage, in der William Hewlett und David Packard 1939 das erste "Silicon Valley"-Unternehmen gegründet hatten. Das Compaq-Hauptquartier in Houston firmiert künftig nur noch als HP-Filiale.

Hewlett Packard setzt sich technologisch durch

Mit der Übernahme setzt sich HP auch technologisch durch. Das neue Gemeinschaftsunternehmen wird künftig für seine Server Standard- Prozessoren von Intel benutzen und sich endgültig von den Alpha-Chips verabschieden, die Compaq mit dem Unternehmen Digital Equipment eingekauft hatte. Auf dem PC-Markt liefern sich nun Dell und HP/Compaq ein neues Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft, nachdem Michael Dell und sein Unternehmen den texanischen Nachbarn im 1. Quartal 2001 überholt hatte.

Für den Angriff auf den Branchenprimus IBM erhält HP die Consulting- und Service-Abteilung von Compaq, nachdem ein Kauf der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers nicht zu Stande gekommen war. "Compaq hat Digital wegen der Services übernommen und war damit aber nicht sehr erfolgreich", meinte Ian Bertram von dem Marktforschungsunternehmen Gartner Group. "Nun kauft HP Compaq - wie viel Ballast da wohl mitgeschleppt wird?"

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