Das schmeckt
Spannen und speisen

Der Gang auf den Markt ist wie ein kleiner Urlaub. Dort zu essen bedeutet, eine kulinarische Reise um die ganze Welt zu machen, ganz gleich, wo einer startet. Denn in Düsseldorf geht?s zum Perser, in Kapstadt zum Portugiesen, und der Mailänder bleibt seiner Stadt treu.



Rom: Focaccia am Campo


Anders als im produktiven, hektischen Norden sind die Essenszeiten in der italienischen Hauptstadt noch antik. Erst ab 14.30 oder gar 15 Uhr ausgiebig Mittag zu essen, ist völlig normal. Doch immer weniger Römer haben mittags Zeit für die lange Pause zu Hause. Statt in die Kantine gehen sie zum definitiv besten Bäcker Roms, dem Forno am Campo dei Fiori 22, und kaufen ein Stück heiße Focaccia auf die Hand. Das Pizzabrot ist wie ein Riesensandwich mit Salat, Rauke, Mozzarella, Schinken oder Salami gefüllt, das untere Ende wird in Papier eingehüllt, fertig. Puristen kaufen Pizza bianca, die vom Meter aus dem Ofen kommt, der Bäcker zeigt mit dem Messer, wie viel er abschneiden will. Dann wird die Pizza, nur mit Meersalz und Olivenöl gewürzt, zusammengeklappt und ebenfalls zur Hälfte in Papier gewickelt. Der beste Platz, Focaccia oder Pizza zu verspeisen, ist die Piazza Farnese, 100 Meter vom Forno entfernt, denn auf dem Campo dei Fiori werden bereits die Reste vom Markt weggekehrt. Regina Krieger

Helsinki: Paella und Bier
Unter seiner Schürze trägt Petri Nikkinen ein sonnengelbes T-Shirt von Marimekko, dem trendigen finnischen Modelabel. Gelb ist seine Lieblingsfarbe. Gelb leuchtet es auch in den drei großen Pfannen aus Gusseisen, in denen Petri Nikkinen energisch herumrührt. Safrangelb. Paella ist seine Spezialität. Finnische Paella, das heißt mit Lachs. 5,50Euro kostet die Portion. Gegessen wird in Petris "Finnischem Fischimbiss" (Suomen Meriruokakeittiö Oy) an langen Holztischen. Die meisten Gäste trinken zu der gut gewürzten Paella ein kühles Bier der Marke Lapin Kulta aus Lappland. Da trinkt man gerne noch ein zweites und schaut den Helsinkiern beim Einkaufen zu. Erdbeeren aus Spanien, Tomaten aus Italien, finnisches Kunsthandwerk, getrocknetes Rentierfleisch, Ostseehering. Fischer verkaufen ihren Fang direkt aus den Booten heraus. Es geht für finnische Verhältnisse laut zu auf dem Markt am Südhafen. Hierher kommen die Helsinkier eben nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Quatschen bei Bier und Paella. Kirstin Hausen

Mailand: Cafè e Briosce
Hochbetrieb ist im "Cafè dei principi" an der Piazza San Agostino 2 dienstags und samstags zwischen halb sechs und halb sieben am Morgen. Dann ist auf der Piazza San Agostino Markt und nachdem die Stände aufgebaut sind, gehen erst einmal alle frühstücken. Natürlich bei Massimiliano Forcinito, dem gutaussehenden Besitzer des "Cafè dei principi". "Cafè e briosce" lautet hier die Frühstücksformel. Für 1,80 Euro bekommt man einen Espresso und ein Croissant, wahlweise mit Marmelade, Schokolade oder Vanillecreme gefüllt. Verzehrt wird das im Stehen, die wenigen weinroten Kunststofftische sind Marktfrauen wie Rosella vorbehalten. Die kräftige Signora mit den rot gefärbten Haaren ist 68 Jahre alt und verkauft seit mehr als zwanzig Jahren Schnittblumen auf der Piazza San Agostino.

Der Markt auf der Piazza San Agostino zählt zu den kleinsten in Mailand und wird hauptsächlich von den Bewohnern des Viertels besucht. Das hat viele Vorteile: weniger Gedränge, weniger Chaos, weniger Lärm. Neben den Frischwaren locken eingelegte Artischocken, Kapern, Pilze, Gläser mit hausgemachten Pasta-Saucen. Wer bei all den Köstlichkeiten Hunger bekommt, landet am Ende wieder im "Cafè dei principi". Massimiliano stellt ab 12 Uhr kleine Häppchen auf die Theke. Weißbrotecken mit Mayonnaise und Thunfisch, Omelettwürfel, Oliven, Zwiebelchen in Essig. Das gibt es gratis zum Aperitif. Wer könnte da wiederstehen? Kirstin Hausen

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