Archiv
Das Schoßhündchen des Imperiums

Wenn Venezuelas Außenminister Ali Rodriguez sonntags den Fernseher einschaltet, tritt ihm schon mal der Schweiß auf die Stirn.

Wenn Venezuelas Außenminister Ali Rodriguez sonntags den Fernseher
einschaltet, tritt ihm schon mal der Schweiß auf die Stirn. Wenn sein Chef Hugo Chávez
loslegt und in seiner stundenlangen Ein-Mann-Show "Aló Presidente" gegen seine
Lieblingsfeinde verbal zu Felde zieht, droht jedes Mal eine diplomatische
Krise größeren Ausmaßes. Vor einer Woche nun war es soweit, denn da hat Chávez
gegen seinen mexikanischen Kollegen Vicente Fox vom Leder gezogen und damit eine
ernste Verstimmung zwischen Caracas und Mexiko-Stadt provoziert.

Streitpunkt war der Amerika-Gipfel in Mar del Plata und die unterschiedlichen
Position zur gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA, die Mexiko ebenso wie
die USA befürwortet und Venezuela ablehnt. Dies brachte Fox die zweifelhafte
Bezeichnung "Schoßhündchen des Imperiums" durch Chávez ein. Und wer die
Empfindlichkeit der Mexikaner kennt, ahnte, was kommen musste. Mexiko-Stadt
verlangte eine Entschuldigung, was Chávez mit einem breiten Grinsen quittierte, sich
aber natürlich nicht entschuldigte. Am Ende schaukelte sich die Posse derart
auf, dass beide Staatschefs ihre Botschafter aus dem jeweilig anderen Land
zurückbeorderten.

Am Wochenende nun demonstrierten mehrere tausend Menschen zur Unterstützung
des venezolanischen Präsidenten in der Hauptstadt Caracas. Chávez selbst gab in
einem Sombrero mexikanische Volkslieder zum besten, und es war irgendwie
nicht klar, ob das ein Akt der Versöhnung sein sollte oder ob er sich über die
Mexikaner nur weiter lustig machte. Die mexikanische Presse jedenfalls wertete es
am Sonntag als freundliche Geste des vorlauten Venezolaners.

Auch für den venezolanischen Vizepräsidenten José Vincente Rangel war die
Demonstration "ein Akt der Bekräftigung der Freundschaft" zwischen beiden
Ländern. Venezuela habe kein Interesse daran, den Beziehungen zu Mexiko zu schaden,
betonte er. Sein Land sei vielmehr bereit, die Beziehung zu Mexiko wieder
aufzunehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%