Das Senken der Leitzinsen habe nur ein "Strohfeuer" entfacht
Neuer Markt verliert an Schwung

Die Aktien am Frankfurter Neuen Markt haben am Donnerstag ihren Kursaufschwung vom Vortag nicht fortsetzen können und im Sog schwacher Vorgaben von der US-Technologiebörse Nasdaq leichter tendiert.

Reuters FRANKFURT. Händler sagten, dass die überraschende Leitzinssenkung der US-Notenbank am Mittwochabend ein "Strohfeuer" an den internationalen Börsen entfacht, jedoch nicht für eine nachhaltige Stabilität gesorgt habe. Am späten Nachmittag notierte der alle Werte des Neuen Marktes umfassenden Nemax-All-Share-Index 2,68 % im Minus bei 2 494 Zählern, der Blue-Chip-Index Nemax50 tendierte sogar 3,97 % tiefer bei 2 528 Zählern.

An der US-Technologiebörse, die am Vortag auf den Zinsentscheid der US-Notenbank mit seinem stärksten Anstieg in seiner Geschichte reagiert hatte, beobachteten Händler einige Gewinnmitnahmen, die den Nasdaq-Composite-Index wieder 0,74 % tiefer auf 2 597 Zähler führten.

Senken der US-Leitzinsen hatte für Wachstum gesorgt

Der Neue Markt hatte bereits im späten Handel am Vortag mit starken Aufschlägen auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank reagiert, die eine Stunde vor Handelsschluss in Deutschland veröffentlich wurde. Die Fed hatte den Zinsschritt mit der schwachen konjunkturellen Verfassung in den USA begründet. Im Vormittagshandel hatten Händler noch eine kurze Fortsetzung der Zuwächse beobachten können. Der Nemax 50 hatte in der Spitze mehr als 6 % auf 2 794 Punkte zugelegen könnnen. Vor allem institutionelle Anleger seien noch einmal in den Markt eingestiegen. Im Tagesverlauf seien die Kursanstiege von Gewinnmitnahmen zunichte gemacht worden, zumal die US-Technologiebörse ihre Gewinne vom Vortag kaum behaupten könne, sagte ein Börsianer.

Zu den Gewinnern gehören Valor und ADS

Zu den großen Gewinnern am Neuen Markt gehörten die Aktien des Softwareanbieters Valor Computerized Systems Ltd. Händler begründeten den Kursanstieg mit einer technischen Reaktion auf starke Verluste der Vergangenheit. Fundamentale Gründe seien nicht in Sicht. In der Spitze stiegen die Titel mehr als 58 % auf 3,48 Euro und notierten am späten Nachmittag 19,09 % im Plus bei 2,62 Euro. Erst am Vortag hatte die Aktie mit 1,90 Euro einen neuen Tiefststand verzeichnet.
Kräftig zulegen konnten ferner die Papiere von ADS System AG, die um mehr als 16 % auf sechs Euro stiegen, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, es habe die im August angekündigte Übernahme des niederländischen Netzwerk-Dienstleisters Netlink vollzogen. Damit würden zum 1.Januar 2001 auch rechtlich abschließend alle Anteile des zu den Top 10 der Niederlande gehörenden Netzwerk-Dienstleister übernommen, hieß es.

Kinowelt gewannen vorübergehend bis auf 21,59 Euro, nachdem das Medienunternehmen mitgeteilt hatte, die Münchner Rück habe sich mit 4,9 % an ihm beteiligt. Die Aktie gab jedoch im weiteren Handelsverlauf einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab und notierte am späten Nachmittag nur noch 4,7 % höher bei 17,2 Euro.
Infolge einer größeren Kauforder sind nach Händlerangaben die Aktien der QS Communications AG gestiegen. Die Aktien des Spezialisten für Breitband-Technologie verteuerten sich bis zum Nachmittag um über 16 % auf 4,05 Euro. Neue Nachrichten des Unternehmens lägen nicht vor, sagten Händler. Die Liste der Gewinner wurde von den Aktien von Digital Advert angeführt, die knapp 30 % zulegten.

Endemann verlor mehr als 26 Prozent

Endemann verloren mehr als 26 % und gehörten zu den größten Verlierern am Neuen Markt, nachdem die Gesellschaft mitgeteilt hatte, sie werde im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 einen Verlust von 6,5 Mill. DM statt des ursprünglich geplanten Vorsteuergewinnes von 10 Mill. DM ausweisen. Grund dafür sei, dass entgegen der Planungen Ergebniseffekte aus der Kooperation mit der französischen High Media im zweistelligen Millionenbereich nicht mehr im Jahr 2000 wirksam wurden, hieß es.

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