Das Softwarehaus setzt neben dem PC auch auf Palm-Organizer und Webtablets
Microsoft-Chef Ballmer sieht keine Zukunft für reine Netzterminals

Steve Ballmer ist überzeugt, dass sich mit Software für Personalcomputer weiter gutes Geld verdienen lässt. Der Idee vom reinen Netzcomputer, der seine Inhalte von Servern holt, teilte er eine erneute Absage.

ruk LAS VEGAS. Die führenden Köpfe des Softwarehauses Microsoft, Bill Gates und Steve Ballmer, versuchten auf der Computermesse Comdex in Las Vegas, Erzfeind Larry Ellison, Chef des konkurrierenden Softwarehauses Oracle, in die Zange zu nehmen. Während Bill Gates als offizieller Vordenker und Chef-Software-Architekt auf seiner Eröffnungsrede erneut eine Lanze für den Personalcomputer brach, hatte der heute als President und Chief Executive (CEO) die Tagesgeschäfte führende Steve Ballmer die Rolle des bulligen Angreifers zu spielen.

"Larry redet von Ideen, die schon vor Jahren in einer Sackgasse gelandet sind", gab Ballmer in einem Interview zum Besten, das noch vor dem Vortrag des Oracle-Chefs veröffentlicht wurde (siehe oberen Artikel). "Wie lange redet er schon von den Netzcomputern?" stichelte Ballmer. "So sechs, sieben Jahre? Und wohin hat das alles geführt? Nirgendwo hin!"

Larry Ellison konterte in seiner Ansprache, dass von der bekannten, die Arbeitsplatzrechner beherrschenden Software von Microsoft nur der Webbrowser "Internet Explorer", die Bürosoftwaresammlung "MS Office" sowie eine Reihe von PC-Spielen übrig geblieben seien.

Der verbale Schlagabtausch zwischen den beiden Softwaregiganten gehört nun schon seit Jahren zum festen Bestandteil der US-Leitmesse Comdex im Spielerparadies. Lässt man die damit verbundenen Showeffekte und das Imponiergehabe beiseite, kristallisieren sich zwei unterschiedliche Ansätze heraus, mit denen die beiden führenden Softwarehäuser ihre Umsätze ausweiten wollen.

Oracle-Chef Ellison wird nicht müde, immer wieder für eine einfachere informationstechnische Welt die Lanze zu brechen. In ihr sollen kleine Informationsgeräte, etwa der Palm-Organizer oder die tablettähnlichen Zugangsgeräte mit Funkanschluss, beliebige Informationen von Datenbanken im Internet holen oder dorthin abgeben können.

Microsoft dagegen bevorzugt Geräte mit einer umfangreicheren "Eigenintelligenz", also gut ausgestattete Personalcomputer. Diese werden zwar ebenfalls mit den Informationsbeständen auf Datenbankservern via Internet verbunden. Doch werden sie nach Ansicht von Microsoft künftig mit Hilfe einer Software-Architektur angeschlossen sein, die Fachleute Extended Markup Language (XML) nennen.

Während die bisher beim Aufbau von Webseiten verwendete Architektur HTML (Hyper Text Markup Language) eine reine Seitenbeschreibungssprache zum Aufbau statischer Seiten bietet, kann XML praktisch als Dokumentensprache vor allem zur Verbindung mit anderen Informationen (links) eingesetzt werden. Vom Erfolg von XML sind praktisch alle führenden Unternehmen der Informationstechnik überzeugt. Somit besteht hier nicht einmal eine Meinungsverschiedenheit zwischen Microsoft und Oracle.

Obwohl Microsoft ausschließlich mit seiner PC-Software zu einem Unternehmen mit einer der höchsten Börsenkapitalisierung aufgestiegen ist, setzt selbst das Redmonder Softwarehaus nicht mehr ausschließlich auf die reine Lehre vom Personalcomputer. Neben dem Schreibtisch-PC sollen künftig handtellergroße Palm - PC (palm = Handfläche) und neue, schiefertafelgroße Webtablets dafür sorgen, dass das größte Softwarehaus nicht den Anschluss im Internetzeitalter verliert. Schließlich ist es selbst Steve Ballmer nicht verborgen geblieben, dass das Wachstum des PC-Marktes in den vergangenen Wochen und Monaten merklich nachgelassen hat.

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