Archiv
Das Spiel ist aus für Edward: Marlowes Drama als Farce

Salzburg (dpa) - Als aggressive, körperbetonte Farce hat Sebastian Nübling das Königsdrama «Edward II.» von Christopher Marlowe bei den Salzburger Festspielen inszeniert. Dabei erscheint die Grausamkeit seiner Regentschaft nicht als Machtinstrument, sondern entsteht aus dem völligen Desinteresse an der Macht.

Salzburg (dpa) - Als aggressive, körperbetonte Farce hat Sebastian Nübling das Königsdrama «Edward II.» von Christopher Marlowe bei den Salzburger Festspielen inszeniert. Dabei erscheint die Grausamkeit seiner Regentschaft nicht als Machtinstrument, sondern entsteht aus dem völligen Desinteresse an der Macht.

Das Premierenpublikum in der alten Saline auf der Halleiner Perner-Insel hat zurückhaltend reagiert. Einige kräftige Buhs und Bravo-Rufe hielten sich die Waage. Nübling war 2002 in einer Kritikerumfrage der Zeitschrift «Theater heute» zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt worden. Er hält sich in seiner Salzburger Inszenierung an die Fassung, die Bertolt Brecht mit Lion Feuchtwanger 1924 aus Marlowes Text erstellt hatte. Dicht und auf wenige Figuren komprimiert, entwickelt er die Tragödie in rund zwei Stunden und schafft mit körperbetonten Massenszenen eine gewaltgeladene, düstere Atmosphäre.

Muriel Gerstner als Ausstatterin hat dazu einen offenen Einheitsraum aus dunklem Holz mit mannshohen Außenwänden geschaffen. Wie in einer Arena gefangen wirkt hier der König des Bruno Cathomas - ein infantiler Regent, dem die Wände, die alle anderen mit Leichtigkeit überspringen, zur unüberwindbaren Mauer werden. Diesem König wird alles Geschehen zum Spiel.

In kindlich scheinender Naivität vertraut er auf die Kraft seines Königtums: Zum Missfallen der Adeligen in grauen Business-Hosen und korrekten Hemden lässt er seinen Jugendfreund Gaveston (Dino Scandariato) aus der Verbannung zurückholen. Macht und Regierungsgeschäfte interessieren ihn nicht, er vergnügt sich offen mit seinem Gespielen, der hier zu einer stummen Figur geworden ist.

Mit surrealen Elementen, starker Stilisierung der Figuren und musikalisch choreografierten Szenen (Musik: Lars Wittershagen) schafft Nübling einen kraftvollen, symbolbeladenen Bilderbogen. Diese zweite große Theaterpremiere der diesjährigen Festspiele nach Falk Richters Inszenierung von Tschechows «Die Möwe» ist in Zusammenarbeit mit dem Theater Basel entstanden. Als dritte Eigenproduktion im Schauspielprogramm, für das in dieser Saison zum letzten Mal Jürgen Flimm verantwortlich ist, folgt am 14. August die Premiere von Eugen O'Neills Drama «Eines langen Tages Reise in die Nacht» im Landestheater.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%