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Das Spiel mit dem Feuer in Monaco

Monte Carlo (dpa) - Sie fürchten den großen Knall, doch sie kommen immer wieder. «Das Rennen in Monte Carlo ist nun mal alles andere als normal, es ist ein Klassiker - aber einer, der es in sich hat», sagt Rekord-Weltmeister Michael Schumacher.

Als der souveräne WM-Spitzenreiter in diesem Jahr zum 13. Mal nach Monaco kam, traute er seinen Augen nicht. «Es ist alles ganz anders hier, wenn man ankommt», meinte der 35-Jährige verblüfft. Vor allem die neue Boxengasse erleichtert den Formel-1-Teams die Arbeit extrem. «Ansonsten», schränkte Schumacher ein, sei «alles gleich: alles etwas extremer, alles viel enger, alles etwas durchgedrehter als anderswo. Dieses Rennen hat einfach seine eigenen Gesetze.»

«Nicht mehr zeitgemäß» findet Williams-BMW-Pilot Ralf Schumacher das Spektakel. Und trotzdem: «Ich liebe es, hier zu fahren, aber davon werden die Auslaufzonen auch nicht größer.» In Monaco spielen sie deshalb wieder mit dem Feuer, jagen in ihren Autos durch die Häuserschluchten. Im Rennen ist Michael Schumacher in seinem Ferrari wieder klarer Favorit. Mit dem sechsten Erfolg im sechsten Saisonlauf würde er Nigel Mansells WM-Startrekord von 1992 übertreffen und zudem mit «Monaco-König» Ayrton Senna gleichziehen, der bislang als einziger Fahrer sechs Mal im Fürstentum siegte.

Hollywood-Stars mit Brad Pitt und George Clooney an der Spitze kommen herüber von den Filmfestspielen in Cannes, um den Rivalen der Rennbahn ihre Aufwartung zu machen. Der normale Fan verwandelt das Reich von Fürst Rainier an den Grand-Prix-Tagen in ein Motodrom der besonderen Art. Nirgendwo sonst kommt man so nahe heran an die Fahrer. «Wer am Schnellsten fährt, ist als Erster bei den Fans», hieß es auf der Schumacher-Homepage (www.Michael-Schumacher.de).

Es gibt kaum Auslaufzonen, dafür überall Leitplanken und einen Tunnel, in den die Fahrer fast im «Blindflug» rasen. Die Zuschauer sitzen so nah wie nirgends, ein Feuerunfall könnte fatale Folgen haben. «Wenn man diesen Kurs hier in Monaco heute der FIA als neue Strecke vorstellen würde, würde sie ihn nie und nimmer zulassen», meint Sir Jackie Stewart. Angst vor einem Inferno hat der dreimalige Formel-1-Weltmeister trotzdem nicht: «Ich denke, wir sind eigentlich der sicherste Sport in der Welt. Ich glaube, beim Angeln sterben mehr Leute als in der Formel 1.»

«Es ist ein ziemlich verrücktes Rennen, eine verrückte Strecke und auch eine gefährliche Strecke. Aber es macht Spaß», sagt Jordan-Pilot Nick Heidfeld. Denn trotz aller Sicherheitsbedenken ist der Grand Prix an der Cote d'Azur, wo sich die Promis drängeln, Logenplätze auf einer Yacht über 100 000 Euro kosten und eine Party die nächste jagt, vor allem aus Marketinggründen kaum wegzudenken. Genau deshalb werden sie sich weiter mit überhöhter Geschwindigkeit durch die engen Straßen schlängeln und mit dem Feuer spielen. Angsthasen gibt es in der Formel 1 nicht.

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