Das Startup will auch Problemlöser sein
Sekretaria entlastet Sekretärinnen

Drei Kölner wollen mit ihrem Startup Sekretaria.de Schwung in eine über 100 Jahre alte Branche bringen.

Alter Markt meets New Economy. Für das Startup Sekretaria.de trifft dies in doppelter Hinsicht zu: Die Geschäftsräume liegen im Herzen der Kölner Altstadt, eben am "Alter Markt", und von dort wollen Kai Thürbach, Jan Borgstädt und Christian Schöneweis die gut 100 Jahre alte Sekretariatsbranche voranbringen: Seien es Büroorganisation, Chefentlastung, Hotelbuchung oder auch die persönliche Weiterbildung - "von der Büroklammer bis zum Learjet kann man bei uns alles bekommen", sagt der 27-jährige Kai Thürbach. Kurz: Sekretaria entlastet Sekretärinnen.

Sekretaria will aber auch Problemlöser sein. So bietet die Serviceplattform ein Pinnboard, in dem Sekretärinnen miteinander kommunizieren. "Hier bleibt keine Frage unbeantwortet, überall gibt es Experten", sagt Thürbach.

30 Geschäftspartner stehen dem jungen Unternehmen zur Seite und verschaffen Sekretaria entsprechenden Umsatz: über Provisionen, aber auch über Fix-Gebühren für die Aufnahme in die Service-Plattform. Daneben hat Sekretaria 70 Tool- und Content-Partner, die oft nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit für Inhalt sorgen.

Konkurrierende Portale setzen andere Schwerpunkte

Die Idee ist nicht neu. Doch Sekretaria sieht sich als "erster Anbieter in Deutschland, der sich umfassend an das Berufsbild Sekretärin wendet". Andere Internet-Plattformen mit der gleichen Zielgruppe tun sich deshalb mit dem Begriff Konkurrenz ein wenig schwer und verweisen auf ihre Schwerpunkte. So will sich Sekretariat.net als "Fachinformationsdienstleister" verstanden wissen, OfficeXL macht sein Kerngeschäft mit Büroartikeln und bietet fürs Sekretariat nur Zusatzdienste. Sekretaerinnen.com wiederum wirbt neben Beratung mit "Deutschlands größtem Diskussionsforum für Sekretärinnen" und Working@Office ist vor allem die Online-Plattform zur gleichnamigen Zeitschrift.

"Diese Portale sind zu begrüßen", sagt Rita Nickel, Vorstandsmitglied im Bundesverband Sekretariat und Büromanagement in Mannheim, mit dem Sekretaria kooperiert. "Heute ist Zeit Geld. Wenn ich über meinen PC schnell einen Überblick bekomme, ist das gut." Ob die Online-Dienstleister jedoch wirklich jedes Segment abdecken müssen, bezweifelt Nickel. "Es wird sich zeigen, ob die klassischen Wege, zum Beispiel bei Buchungen von Geschäftsreisen, nicht besser sind."

"Unser Klientel hat großen Rechtfertigungsbedarf"

Sekretaria hat den "goldenen Mittelweg" gewählt: In die Plattform hat das Startup führende Marken wie Hapag-Lloyd, Europcar, Conrad, oder Blume2000 integriert. Über sie sollen die User - "zu 98 Prozent Frauen" - das Internet-Angebot als "neutrale Plattform wahrnehmen", erklärt Thürbach, der für Strategie, Marketing und Organisation verantwortlich ist. "Das schafft eine Vertrauensbasis. Denn unsere Klientel hat großen Rechtfertigungsbedarf."

Rund 30 000 Besucher zählte das Kölner Startup im August 2001, die im Schnitt mit zehn Clicks auf den Sekretaria-Seiten verweilten. 300 000 Page-Impressions - damit liegt Sekretaria auf einer Höhe mit der Konkurrenz, will aber Mitte 2002 die Millionengrenze erreichen.

Der Kuchen scheint groß genug für alle - das haben die Geschäftsführer noch vor der Gründung im August 2000 errechnet. Drei Millionen Sekretärinnen, Office Managerinnen und Assistentinnen in Deutschland gaben den Ausschlag: Bei einem geschätzten Marktvolumen von 54 Milliarden Mark für Beschaffungen stehen jeder von ihnen 18 000 Mark pro Jahr zur Verfügung - so die Rechnung.

Wagniskapitalgeber hielten sich zurück

Die Geschäftsidee, für die Sekretaria bei mehreren Startup-Wettbewerben ausgezeichnet wurde, überzeugte Ende 1999 jedoch keinen Wagniskapitalgeber. Statt viele Mitarbeiter einzustellen, setzten die Gründer deshalb auf flexibles Outsourcing, und die Marketing-Kampagne verschwand in der Ablage "P". Eine Million Mark haben sie bislang investiert, davon nur ein Viertel in barer Münze. Der Rest entfällt auf ihnen zur Verfügung gestellte Software-Lizenzen, Agenturleistungen, Basistechnologie und Programmierung.

So hat die Kölner Sevenval AG dem Startup mit seiner "Hit- und Fit-Technologie" erst auf die Sprünge geholfen. Die ebenfalls in der Domstadt ansässige Kropf Media sorgte für Design, Konzept und Branding. Für ihre Leistungen halten sie zehn Prozent am Unternehmen. Mit weiteren sechs Prozent ist Robin Houcken, Manager im Axel Springer Verlag, beteiligt, der Kai Thürbach während eines Aufenthalts in Harvard Tipps zur Unternehmensgründung gegeben hat. Mit einem erwarteten Umsatz von 150 000 Mark in 2001 gibt sich Sekretaria, seit April online, eher bescheiden. Über die Provisionen schweigen die Gründer sich aus, aber Volker Wessels, Referent im Bundesverband Bürowirtschaft, schätzt, dass Vermittler von Büroartikeln bei derart geringen Umsätzen nicht mehr als ein bis zwei Prozent zusätzliche Provision für den Internet-Verkauf bekommen.

Break Even für das erste Halbjahr 2002 angepeilt

Ein Großteil der Einnahmen stammt aus den Listing-Gebühren der Geschäftspartner. Auch die neue Jobbörse bringt Geld: pro Stellenanzeige zwischen 230 und 400 Euro. Zusätzlich bietet das Startup "offline" Sekretärinnen-Seminare und will mit einem "Handbuch Büro" ins Buchgeschäft einsteigen. So soll Sekretaria als Marke immer stärker ins Gespräch kommen. Fürs erste Halbjahr 2002 ist ein Umsatz von 700 000 Mark angepeilt, dann soll der Break Even erreicht sein.

Schon jetzt haben Thürbach, Borgstädt und Schöneweis mehr erreicht, als sie es sich noch vor zwei Jahren bei ihrem Betriebswirtschaftsexamen in Münster vorgestellt haben: Mehrere bereits im Netz präsente Dienstleister für die Sekretariatsbranche haben ihre Online-Produkte überarbeitet. Kai Thürbach gibt sich selbstbewusst: "Wir haben den kreativen Anstoß gegeben. Der Markt ist in Bewegung."

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