Das technische Gesamtbild hat sich deutlich verschlechtert
Chartkommentar: Dax-Abwärtstrend hält an

Die Aktienmärkte dürften sich vorläufig in der letzten Phase des Abschwungs befinden. Darauf deuten technische Indikatoren hin. Diese "letzte Phase" bietet allerdings noch Potenzial nach unten. Kommt es zu einem Krieg, wird die Nervosität anhalten und die Kursentwicklung sich an den Inhalten der Kriegsmeldungen ausrichten. Deshalb ist der Aufbau von strategischen, also längerfristigen Kaufpositionen nicht sinnvoll. Das Chance-/Risikoverhältnis ist zu schlecht. Investoren sollten ihr Augenmerk auf dem kurzfristigen Zeitfenster ausgerichtet halten.

FRANKFURT/M. Im Deutschen Aktienindex (Dax) dominiert unverändert ein übergeordneter Abwärtstrend. Die obere Begrenzung verläuft im Bereich um 2 670 Zähler und fällt jeden Handelstag um etwa 15 Indexpunkte. Seit vergangenem Donnerstag verschlechterte sich die technische Marktverfassung im Dax und in den meisten übrigen europäischen Indies deutlich. Die höchste relative Stärke zeigt bisher der britische FTSE 100, dessen Kursverluste sich bisher in Grenzen halten und der sich noch weit weg von neuen Tiefstständen befindet.

Mit Unterschreiten der Marke bei 2 433 Punkten, dem bisherigen Tief, lassen sich im Dax auf der Unterseite keine sinnvollen Unterstützungen mehr herleiten. Potenzielle Widerstände auf der Oberseite sind dagegen die Bereiche um 2 600 (unbestätigter und untergeordneter Widerstand), sowie der Bereich 2 750 bis 2 800 (übergeordneter Widerstand).

Folgt jetzt noch einmal ein großer Einbruch an den Aktienmärkten? Setzt sich die negative Indikation in den Kursverläufen durch und neutralisiert damit jeden Stabilisierungsansatz, der im kurzfristigen Zeitfenster durchaus zu erkennen war? Auf Grund der Sondersituation im geopolitischen Umfeld kann diese Frage kaum beantwortet werden. Große "finale" Abgeber treten bisher noch nicht in Erscheinung, das heißt, im Moment dominieren noch immer eher kurzfristig orientierte Marktteilnehmer, welche immer wieder die plötzlichen, heftigen Richtungswechsel bewirken. Seit Wochen liegen Absicherungen auf breitem Niveau vor.

Deutlich ist zu erkennen, dass der Druck auf den Dax (und das gilt auch für die meisten anderen europäischen Indizes) seit einigen Wochen nicht mehr allein aus den Aktivitäten der Marktteilnehmer in dem deutschen Markt selbst kommt. Vielmehr üben die US-Indizes Druck aus. Immer wieder war in den letzten Tagen ein Erstarken der inneren relativen Stärke gegenüber den US-Indizes zu erkennen. Da sich in den USA das technische Bild jedoch deutlich verschlechtert und die Abwärtstrends an Dynamik gewinnen, steigt damit auch das Risiko in Europa wieder an.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass das Risiko auf der Unterseite deutlich gestiegen ist. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fortsetzung des intakten übergeordneten Abwärtstrends ist hoch.

Uwe Wagner ist technischer Analyst bei der Deutschen Bank in Frankfurt/Main.

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