Das Thema Bankenfusionen bleibt aktuell
Ausblick 2002: Banken können kaum verdienen

Die Zeiten, in denen Banken und Versicherungen jenseits aller konjunkturellen Schwankungen im Wettstreit der Branchen in der Regel zu den Gewinnern zählten, sind vorbei. Margen und Gewinne sinken, Pleiten und Pannen häufen sich. Die Manager müssen die Kosten senken und neue Strategien definieren.

FRANKFURT/M. Die Weihnachtskarte der Commerzbank-Pressestelle hatte in diesem Jahr einen ungewöhnlich dramatischen Anstrich. Vom "schwierigsten Bankenjahr der vergangenen 20 Jahre" war da die Rede, das "tiefe Spuren in den Zahlenwerken aller Kreditinstitute hinterlässt, leider auch bei der Commerzbank. Wir richten jetzt den Blick nach vorn..."

Bisher noch keine "Bankenkrise"

Der Chef der drittgrößten Frankfurter Bank mochte allerdings kurz zuvor noch nicht von einer "Bankenkrise" sprechen. Klaus-Peter Müller plädierte für die Bezeichnung "Ertragskrise der Kreditwirtschaft". Eine "Bankenkrise" gebe es erst dann, wenn die Institute auch noch in zehn Jahren so magere Gewinne erwirtschafteten wie heute.

Der neue Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) und Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, sah bei seinem Amtsantritt Anfang Dezember dagegen keinen Grund zur Beschwichtigung. Im Gegenteil: Als wollte er seine Kollegen in den Chefetagen der Banken aufrütteln, erklärte er: "Die deutsche Kreditwirtschaft befindet sich in einer Strukturkrise, die ernsthafter, deutlicher und fundamentaler ist, als ich es bislang angenommen habe." Breuer, der im Mai nächsten Jahres an der Spitze der Deutschen Bank seinem Nachfolger Josef Ackermann Platz machen wird, fügte hinzu, die Marktlage der letzten Jahre mit sehr hohen Provisions- und Handelsergebnissen habe viele Schwächen der Bankbranche übertüncht, die mit der Abkühlung der Weltkonjunktur jetzt deutlich zu erkennen seien.

Ob Struktur-, Ertrags- oder Bankenkrise - die Finanzwirtschaft befindet sich zum Jahreswechsel in unerwartet heftigen Turbulenzen. Die Kosten sind seit langem zu hoch, die Erträge zu niedrig, was gerade in Flautephasen Probleme bis hin zur Existenzgefährdung provozieren kann. Beispiele gibt es einige: Die fränkische Schmidt-Bank wurde nur per Auffanggesellschaft vor dem Konkurs bewahrt, Häuser wie die DZ Bank, die Bankgesellschaft Berlin und zuletzt auch noch die Frankfurter Gontard & Metallbank sind zu teuren Sanierungsmaßnahmen gezwungen. Aber auch für die noch weitgehend gesunden Institute gilt: Die Gewinne brechen ein, Zehntausende Arbeitsplätze müssen abgebaut werden, die Zahl der Filialen sinkt.

Rückblick auf das vergangene Jahr

Lässt man das Finanzdienstleister- Jahr 2001 Revue passieren, kommen die folgenden Highlights in Erinnerung: zum einen die Fortsetzung der erfolglosen Suche der Commerzbank nach einem Partner im In- und Ausland, die nur zur Festigung der Beziehungen zum italienischen Versicherungskonzern Generali führte. Zum Zweiten die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz und die enge Verzahnung zwischen Münchener Rück und Hypo-Vereinsbank. Und drittens die strategische Allianz zwischen Deutscher Bank und Zurich Financial, die zur Übernahme des US-Vermögensverwalters Scudder durch die Frankfurter führte.

2001 war aber auch das Jahr des Dammbruchs im öffentlich-rechtlichen Kreditsektor: Im Juni einigten sich EU-Kommission und Bundesregierung auf einen Abbau der staatlichen Haftungsgarantien für Landesbanken und Sparkassen. Die Kampagne der Privatbanken führte bei Wettbewerbskommissar Mario Monti zum Erfolg. Die Refinanzierungsvorteile der öffentlichen Institute gehen damit in Zukunft verloren.

2001 war für die gesamte deutsche Kreditwirtschaft allerdings auch das Jahr der versiegenden Gewinne und explodierenden Kosten. Als sich im Herbst, nach den verheerenden Terroranschlägen am 11. September, abzeichnete, dass die Erwartungen auf einen Aufschwung und eine Erholung der Aktienmärkte verfrüht waren, griffen die Kostenmanager durch. So gut wie keine Bank, von einigen öffentlich-rechtlichen abgesehen, verzichtet auf mehr oder weniger harte Einschnitte in die Kostenstrukturen.

Harte Zeiten stehen der Branche bevor

Wie geht es 2002 weiter? Man muss kein Hellseher sein, um der Branche weiterhin harte Zeiten vorherzusagen. Das bedeutet auch, dass das Thema Bankenfusionen aktuell bleiben wird. Prominenteste Übernahme-Kandidaten sind die Commerzbank und der Direktbroker Consors. Während aber Consors schon viele Bewerber hat und bis März definitiv verkauft sein soll, sind Interessenten an der Commerzbank weit und breit nicht zu sehen. Und dies, obwohl der niedrige Aktienkurs wie eine goldgeränderte Einladung an ausländische Institute gilt.

Auch grenzüberschreitende Fusionen könnten in greifbare Nähe rücken. Bisher scheiterten sie an persönlichen Eitelkeiten und den hohen bürokratischen Hemmnissen. Der Ertrags- und Kostendruck könnte aber langsam so stark zunehmen, dass der Durchbruch schließlich doch noch gelingt. Von deutschen Instituten gab sich zumindest die Deutsche Bank bislang immer entschlossen, eine aktive Rolle zu spielen.

Hauptthema des neuen Jahres muss aber im Eigeninteresse der Banken sein, neue Ertragsquellen zu erschließen. Dies wird sich vor allem auf dem großen Themenfeld Geldanlage und private Vorsorge abspielen. Dazu gehören auch neue, ebenso Kosten sparende wie effiziente Vertriebsformen - die Zweigstelle um die Ecke muss wieder von der Kostenproduzentin zur Gewinnquelle werden.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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