„Das Tor geht sicherlich auf meine Kappe"
Der traurige Ernst

Der deutsche EM-Neuling Fabian Ernst hatte sicherlich einen rabenschwarzen Tag erwischt. Nur kurz nach seiner Einwechslung begang er den entscheidenden Fehler, der zum 1:1-Ausgleich für die Niederlande führte. Einen ähnlichen Fehler, der ihm schon im Freundschaftsspiel gegen Rumänien im Vorfeld der EM passierte.

PORTO. Es ist für manch einen schwer, in solchen Situationen Trost von seinen Teamkollegen anzunehmen. Der 25 Jahre alte Bremer jedenfalls stempelte sich nach seinem folgenschweren Fehler, den Hollands Stürmerstar Ruud van Nistelrooy brutal mit dem 1:1 bestrafte, zum alleinigen Sündenbock. "Das Tor geht sicherlich auf meine Kappe. Ich kann mich nur bei der Mannschaft entschuldigen. Wir hätten sicherlich gewonnen, wenn der Fehler nicht passiert wäre", erklärte Ernst.

Während sich seine Teamkollegen nach dem Schlusspfiff im Estadio Dragao noch bei den rund 15 000 deutschen Fans für die Unterstützung bedankten, flüchtete der Mittelfeldspieler nach seinem verpatzten EM- Debüt schnurstracks in die Katakomben. Aber nach dem Duschen stellte er sich mannhaft den Reportern und suchte keine Ausflüchte. "Solche Fehler passieren, aber er war total unnötig", gab Ernst zu. Schon beim 1:5 gegen Rumänien hatte er das Debakel mit einem Fehlpass eingeleitet. Und in den zwei Jahren seit seinem Debüt im Nationaltrikot hat es der beim Meister und Pokalsieger Werder Bremen überragend spielende Mittelfeldmann nur auf acht Einsätze gebracht.

Allmählich befürchtet sogar Ernst, dass die Nationalelf und er einfach nicht zusammenpassen. "Ja, das ist so", sagte er traurig. Keine 120 Sekunden lagen zwischen seiner Einwechslung in der 79. Minute für den entkräfteten Torsten Frings ("Ich war platt") und dem verhängnisvollen Ballverlust im Zweikampf mit Andy van der Meyde, der mit seiner Flanke Torschütze van Nistelrooy fütterte. "Wir hatten den Ball an der Eckfahne unter Kontrolle. Irgendwie kommt ein Bein dazwischen und der Gegner hat ihn", schilderte Ernst jene Szene, in der er eine fatale Fehlentscheidung traf: "Ich kann den Ball auch ins Aus hauen, dann haben wir kein Problem. Aber ich versuche, den Ball im Spiel zu halten, das war vielleicht der Fehler."

So sah es auch Rudi Völler, der den Wechsel Ernst für Frings im Nachhinein innerlich verflucht haben dürfte: "Es ist ja Fabians Stärke, dass er versucht, solche Situationen spielerisch zu lösen. Meistens geht es gut, dieses Mal war es vielleicht die falsche Entscheidung." Der DFB-Teamchef litt mit dem Pechvogel: "Fabian ist sehr traurig, weil er der Anfang der Kette war, die zum Gegentor führte." Alle seien jedoch in der Kabine zu Ernst hingegangen und hätten ihm gesagt, er solle sich keine Vorwürfe machen, berichtete Völler. Der junge Philipp Lahm beschrieb, wie bitter Fußball sein kann: "Er war nicht der einzige, der einen Fehler gemacht hat, aber seiner wurde knallhart bestraft."

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