Das traditionelle Geschäft gleicht Probleme in der New Economy aus
Kommentar: Siemens profitiert von alten Stärken

Wie wurde Siemens-Chef Heinrich von Pierer noch vor kurzem wegen der heterogenen Struktur des Konzerns beschimpft. Analysten und Fondsmanager kritisierten die zu geringe Ausrichtung auf die Hochtechnologie und das Festhalten an traditionellen Arbeitsgebieten wie der Medizintechnik, Stromerzeugung oder der Lichtsparte Osram. Fast hätte die in den Augen vieler zu geringe Ausrichtung auf den Shareholder-Value den Siemens-Konzernlenker den Job gekostet. Heute kann sich Pierer die Hände reiben. Die Bereiche der so genannten Old Economy, von manchen bereits als "Schrott und Schrauben" abqualifiziert, bringen dem Konzern den nötigen Ausgleich, um den harten Abschwung in der viel beschworenen New Economy auszugleichen.

Vor allem die Bereiche Telekommunikation und Halbleiter hat es kalt erwischt. Im Handybereich hat es Siemens zwar inzwischen geschafft, zum weltweit drittgrößten Hersteller nach Nokia und Motorola aufzusteigen, doch der starke Preisverfall und die zunehmende Marktsättigung haben diesen Geschäftsbereich in die roten Zahlen getrieben.

Auch andere Anbieter wie Ericsson, Alcatel und Matsushita haben mit dem Verkauf der Mobiltelefone ihre Probleme - viele noch heftigere als Siemens. Bei der Telefoninfrastruktur macht sich ein schwächeres Geschäft mit Firmenkunden bemerkbar; der Gewinn ist auf rund ein Drittel des Vorjahresniveaus gesunken. In beiden Bereichen will Siemens mit einem umfangreichen Stellenabbau gegensteuern und richtet sich auf geringere Umsätze ein.

Von dem bei Infineon zusammengefassten Halbleiterbereich möchte sich Siemens am besten so schnell wie möglich trennen, was allerdings wegen der schlechten Börsenkurse nicht so leicht möglich ist. Die Abgabe eines 15-Prozent-Pakets an den Siemens-Pensionsfonds dürfte nur ein Zwischenschritt sein. Gerade der extrem zyklische Halbleiterbereich brachte in der Vergangenheit immer wieder die langfristigen Planungen der Konzernstrategen durcheinander. Mit dem schon legendären Zehn-Punkte-Programm leitete von Pierer die Trennung vom gesamten Bauelemente-Geschäft ein, um die Bilanz nicht immer wieder durch die stark schwankende Ertragslage in diesem Bereich zu belasten.

Jetzt bereitet der Kommunikationsbereich ähnliche Sorgen. Wie andere Anbieter von Handys und Infrastruktur auch stellt sich Siemens auf ein wesentlich schwächeres Geschäft ein. Die Folge ist, dass sich von Pierer nicht mehr traut, eine Ergebnisprognose für die nächsten sechs Monate abzugeben. An der Börse ist das mit Missfallen aufgenommen worden: Der Kurs der Siemens-Aktie ist kräftig abgerutscht. Von Pierer kann sich zwar auf Vorbilder wie Eastman Kodak berufen, die ebenfalls eine Prognose verweigert haben, aber auch hier quittierte die Börse das mit Kursabschlägen. Der Siemens-Chef sagt sich aber zu Recht, dass keine Prognose besser ist als eine Prognose, die nicht eingehalten werden kann. Die würde ihm nämlich dann von den Analysten um die Ohren gehauen.

Da macht Siemens das traditionelle Geschäft mehr Freude. Die Automatisierungstechnik schreibt seit langem hohe schwarze Zahlen, Stromerzeugung, Medizintechnik und Verkehrstechnik sind erfolgreich saniert und profitieren von sehr guten Branchenkonjunkturen. Hier trägt das Zehn- Punkte-Programm mit seiner konsequenten Ausrichtung auf die Ertragsstärke Früchte. Dadurch geht es Siemens besser als Konkurrenten, die ihr gesamtes Geschäft auf die Internetwirtschaft ausgerichtet haben und jetzt bei hohen Verlusten über die Grausamkeit der New Economy stöhnen.

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