Das Traditionsunternehmen hat nach wie vor eine zu geringe Ertragskraft
Dem Leica-Management bleibt noch viel Aufräumarbeit

Die Leica AG zeigt sich zuversichtlich. Rote Zahlen sind kein Thema mehr, und die Umsätze steigen. Dennoch bleibt viel zu tun, denn Umsatzrendite und Aktienkurs müssen noch deutlich zulegen.

HB KÖLN. Sie ist eigentlich viel zu schön, um benutzt zu werden: Die Mess-Sucherkamera "M6" mit ihrer matt-schwarz schimmernden Oberfläche, den bis ins i-Tüpfelchen ausgefeilten mechanischen Details möchte man am liebsten sofort in die Vitrine stellen. Doch dahin verbannen sie wohl in erster Linie die Fetischisten unter den Sammlern.

Denn die Kamera wird nur zu gerne gebraucht. Die Profis unter den Fotografen schätzen ihre Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und nicht zuletzt auch die Beschränkung auf das Wesentliche. Denn Plastik-Look und Mäusekino mit bunten Bildchen und piepsenden Signalen sind nicht der Stil der M-Kameras und erst recht nicht der jetzt auf der Photokina präsentierten "0-Serie".

Dieser Vorläufer der 1925 eingeführten, ersten kommerziell vermarkteten Fotokamera "Leica" bietet statt virtueller, von Automatiken regulierter Bilder-Software wieder ein archaisches, mechanisches Erleben des Bildermachens. Fotografie wird dargestellt als ein auf das Wesentliche reduzierter, optisch-technischer Vorgang.

Die Leica-Verantwortlichen rechnen damit, dass trotz der 5 000 DM, die man für die neue "Ur-Leica" auf den Tisch legen muss, die Kunden schnell zugreifen werden. Denn Leica-Fans, so weiß man am Firmensitz in Solms, können nicht mit der normalen Knipser-Elle gemessen werden. Leica-Fans, das sind Sammler, Spekulanten, anspruchsvolle Amateure, aber auch Profis, die nicht nur robuste Technik, sondern auch der Ruf in Verbindung mit zeitloser Eleganz reizt.

Doch zumindest jeder Fotograf weiß: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. So sehen stolze Leica-Besitzer, die gleichzeitig auch als Anteilseigner der Financial Community angehören, das Unternehmen mit einem lachenden und einen weinenden Auge - quasi durch eine "Splitting-Linse". Denn Leica hat nicht nur in puncto Kameras, sondern auch als Aktie einen legendären Ruf, allerdings mehr im Sinne eines Papiers, das nie so richtig aus den Startlöchern der Emission herausgekommen ist.

"Geburtshelfer" WestLB, der den Börsengang des Traditionsunternehmens 1996 begleitete, konnte damals wohl noch nicht ahnen, dass unterbelichtete Gewinn- und Finanzverhältnisse das Papier zu einem "Pflegefall" machen würden.

So rutschte das Unternehmen im Geschäftsjahr 1997/98 tief in die roten Zahlen, nachdem bereits in den beiden Vorjahren die Nettoumsatzrenditen mit jeweils rund 3 % für ein Produktionsunternehmen mehr als mager ausfielen. Den Grund dafür sehen Experten in einer zu optimistischen Markteinschätzung, falscher Kapazitätsplanung und mangelnder Kostenkontrolle.

Aktienkurs auf Talfahrt



Dementsprechend war auch die Kursentwicklung. Nach einem Preis von rund 33 Euro nach Abschluss des Bookbuilding-Verfahrens Ende 1996 ging die Aktie in den folgenden Jahren auf Talfahrt. Derzeit notiert das Papier rund 9,50 Euro. Der damalige Leica-Chef Klaus-Dieter Hofmann musste schließlich seinen Hut nehmen.

Seitdem wurden bei Leica tief greifende Restrukturierungsmaßnahmen vorgenommen, die auch mit einem Personalabbau verbunden waren. Der neue Vorstandsvorsitzende Hanns-Peter Cohn, seit Januar letzten Jahres im Amt, kann offenbar erste, wenn auch noch sehr kleine Früchte seiner Arbeit ernten. Das Unternehmen schaffte im vergangenen Geschäftsjahr 1999/2000 mit einem Umsatzplus von 4 % auf rund 275 Mill. DM und einem Jahresüberschuss von 0,976 Mill. DM immerhin die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der Abschluss zum 30. Juni 2000 weist sogar ein Umsatzplus von 24 % aus.

Trotz der wieder positiven Entwicklung bleibt für das Management noch viel zu tun, denn die Nettoumsatzrendite ist mit 0,36 % mehr als dürftig, die Eigenkapitalbasis mit 24 % der Bilanzsumme nach wie vor recht schmal. Überdies drücken 40 % Finanzschulden auf das Solmser Unternehmen. Diese im Gegensatz zu der Faszination des Namens Leica "ernüchternden" Daten zeigen, dass das Unternehmen von der Solidität seiner Produkte noch ein gutes Stück entfernt ist.

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