Das UMTS-Mobilfunknetz der Deutschen Telekom hat große Löcher
Telekom muss in Europa auf die zweite Runde hoffen

Das Milliardenpoker um die UMTS-Lizenzen für den internetfähigen Mobilfunk hält Europas Telekommunikationsriesen seit Monaten in Atem. Langsam geht der Reigen der Auktionen und Wettbewerbe zu Ende - und es wird deutlich, wer das beste Blatt in der Hand hat.

Nur Vodafone und mit Abstrichen France Télécom haben die Chance, europaweit UMTS-Mobilfunkdienste auf eigenen Netzen anzubieten. Für immerhin 20 Milliarden Euro hat sich Vodafone Lizenzen in Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien und den Niederlanden zusammengekauft. France Télécom ist in Großbritannien, Italien und Deutschland präsent. Und niemand glaubt, dass der Staatskonzern in Frankreich leer ausgeht. Im Vergleich dazu haben die anderen großen Player beträchtliche Lücken. Besonders unglücklich sehen Deutsche Telekom und British Telecom (BT) aus. Beide haben in den mit Abstand teuersten UMTS-Auktionen in Großbritannien und Deutschland bis zum bitteren Ende mitgehalten und mussten sich wegen der hohen Kosten bei den folgenden Auktionen zurückhalten. Sie haben ihren Konkurrenten damit billige Lizenzen etwa in Italien verschafft. Die Deutsche Telekom ist, nachdem sie sich nun in Frankreich zurückgezogen hat, weit davon entfernt, Europas führender Mobilfunkanbieter zu werden. Netze in Österreich und den Niederlanden sind eben kein Ersatz für Italien, Frankreich und Spanien. Aus kurzfristiger Sicht mögen die Aktionäre der Deutschen Telekom begrüßen, dass der Konzern nicht noch mehr für Lizenzen und den anschließend fälligen Netzaufbau ausgeben muss. Am Kursverfall der T-Aktie lässt sich ablesen, dass die Börse die Expansionsstrategie der Telekom mit Skepsis betrachtet. Einen weiteren Anstieg der Schuldenlast könnte die Telekom kaum verkraften. Doch langfristig stellt sich die Frage, welchen Sinn der Kauf des US-Mobilfunkers Voicestream für runde 50 Milliarden Euro hat, wenn die Telekom kein halbwegs flächendeckendes Mobilfunknetz der nächsten Generation in Europa knüpfen kann. Freilich hat sich die Deutsche Telekom nicht so gnadenlos verhoben wie ihr ehemaliges Vorbild British Telecom, das sich angesichts der gewaltigen Aufwendungen für die UMTS-Lizenzen in mehrere Teile spaltet. Die Telekom muss nun auf die zweite Runde hoffen, auf die Konsolidierung nach der UMTS-Schlacht. Hier sind sowohl mehrere kleine Lösungen möglich als auch eine große Lösung. Die kleinen Lösungen wären ein nachträglicher Einstieg in siegreiche Allianzen in Italien, Spanien und Frankreich. Die große Lösung wäre eine Allianz mit Telecom Italia oder deren Mobilfunktochter Tim. Die ist nämlich in genau den Ländern vertreten, die der Telekom fehlen: Sie hat Lizenzen in Italien und Spanien und gehört zu einer aussichtsreichen Bewerbergruppe in Frankreich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%