Das Unternehmen bietet viel Übernahmephantasie
Beiersdorf: Vorsicht, wenn der Dax ruft

Wachstum nach Plan, eine exzellente Marktstellung und dazu mit Nivea ein weltbekannter Markenname - das sind die Gründe, warum die Beiersdorf AG bislang allen Börsenstürmen standhält. Übernahme-Gerüchte katapultierten die Aktie sogar auf ein Allzeithoch, als Schwergewichte im Deutschen Aktienindex (Dax) bereits mehr als 50 % verloren hatten.

DÜSSELDORF. Weil Beiersdorf inzwischen wertvoller als ein Drittel der 30 Dax-Titel ist, winkt sogar der Aufstieg aus dem MDax in die erste Börsenliga. Doch gerade dieser Sprung - meist schon im Vorfeld ein Garant für höhere Kurse - könnte die Hausse unterbrechen, wenn nicht gar beenden. Denn in der ersten Liga müsste sich der Kosmetikkonzern mit Unternehmen messen lassen, die fast ohne Ausnahme günstiger bewertet sind.

Gebannt blicken mögliche Auf- und Absteiger im Dax morgen auf die Deutsche Börse. Diese ermittelt per Schlusskurs am Mittwoch wichtige Kennzahlen wie Börsenwert und Umsatzvolumen der Unternehmen. Damit liefert sie eine Vorlage für den Arbeitskreis Indizes, der am 13. August über die künftige Dax-Zusammensetzung entscheidet. Extremen Kursverlierern wie Epcos und MLP droht auf Grund der geringen Marktkapitalisierung ebenso der Absturz in den MDax wie der Degussa AG. Diese steht vor einer Übernahme durch die RAG AG. Gute Aussichten auf den Aufstieg hat dagegen neben Altana Beiersdorf. Die Hamburger übertreffen vom Börsenwert her die drei genannten Dax-Unternehmen. Selbst Commerzbank, Lufthansa und Metro legen weniger in die Waagschale als der MDax-Titel.

So sehr Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch den Dax mit Popularitäts- und Kursgewinn verbindet, so groß sind die Risiken für die Aktie. Denn wie hart Investoren mit wertvollen Unternehmen in schwachen Börsenzeiten ins Gericht gehen können, musste jüngst MLP erfahren. Der Finanzdienstleister stürzte nach Gerüchten um Bilanzmanipulationen nur deshalb um 80 Prozent ab, weil MLP eine magische Anziehungskraft auf Spekulanten ausübte, die auf der Suche nach (zu) teuren Werten sind. Im MDax, wo MLP bis zum Sommer 2001 notierte, störte sich niemand daran, dass die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 70 und mehr gehandelt wurde. Doch zeitgleich mit dem Dax-Debüt begannen große Hedge-Fonds erfolgreich gegen das Unternehmen zu spekulieren. Der MDax bietet sich auf Grund der geringeren Liquidität nicht für breit angelegte Leerverkäufe an.

Keine Bilanzgerüchte

Ein Schicksal im Ausmaß von MLP droht Beiersdorf aber nicht. Schließlich stehen weder Bilanzgerüchte im Raum noch ein KGV von über 70. Doch selbst ein Wert über 30, wie ihn Beierdorf auf Basis des laufenden Jahres aufweist, dürfte Investoren stutzig machen. Denn erstens gibt es ein so hohes KGV bei kaum einem Dax-Unternehmen, das schwarze Zahlen schreibt - nur SAP und Thyssen-Krupp sind ähnlich bewertet. Zweitens wächst Beiersdorf in diesem Jahr mit 5 % oder allenfalls 8 % deutlich langsamer als 2001. Das rechtfertigt in reifen Branchen wie Konsum und Chemie eher ein KGV zwischen 10 und 20.

Der größte Unterschied zum einstigen Dax-Aufsteiger MLP liegt in der Übernahmephantasie: Ob künftig im Dax oder nicht, Beiersdorf ist ein hoch profitables Unternehmen. Konkurrenten wie L?Oréal, Nestlé, Procter & Gamble und Unilever träumen seit Jahren von den Margen der MDax-Perle.

Neben Tchibo wird L?Oréal seit Monaten immer wieder nachgesagt, den Kauf Beiersdorfs zu beabsichtigen. Möglich wäre der Deal, weil Großaktionär Allianz wiederholt erkennen ließ, seinen 43-Prozent-Anteil veräußern zu wollen. L?Oréal bietet nach Spekulation der Finanzmärkte 13 Mrd. Euro. Das wäre ein Aufschlag gegenüber dem derzeitigen Kurs von 40 Prozent. Wahrscheinlich klappt der Coup bislang nur deshalb nicht, weil die Franzosen oder andere Wettbewerber weniger zahlen wollen, als es sich der Versicherungsriese vorstellt. Insofern gibt auch es eine Menge Kurspotenzial - aber nur für den Preis des hohen Bewertungs-Risikos.

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