Das Urteil im größten deutschen Wirtschaftsprozess wird für März erwartet
Flow-Tex-Skandal: Verfahren eröffnet

In Mannheim beginnt am heutigen Dienstag der Prozess um den milliardenschweren Flow-Tex-Skandal. Vor dem Landgericht wird der größte Wirtschaftskrimi der deutschen Nachkriegsgeschichte verhandelt.

ap/dpa-afx MANNHEIM. Die vier Chefs der Ettlinger Flow-Tex-Gruppe sollen rund 3 200 nicht existente Bohrsysteme verkauft haben. Betrogen wurden mehr als 100 Leasingfirmen und Banken. Die strafrechtliche Schadenssumme beläuft sich laut Anklage auf mehr als vier Mrd. DM. Die vier angeklagten Manager des ehemals als Vorzeigeunternehmen geltenden Unternehmens sitzen seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.

Den beiden Hauptfiguren, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, wird im wohl bislang größten deutschen Wirtschaftsstrafverfahren gemeinschaftlicher und bandenmäßiger Betrug zur Last gelegt. Für das Verfahren sind zunächst 63 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird am 28. März kommenden Jahres erwartet.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem strafrechtlichen Gesamtschaden von rund 4,13 Milliarden Mark aus. Neben Schmider und Kleiser müssen sich auch eine frühere Geschäftsführerin eines FlowTex-Unternehmens sowie der frühere Finanzdirektor des Bohrspezialisten vor Gericht verantworten. Die meisten Geschäfte der FlowTex-Inhaber waren Luftnummern: Die mutmaßlichen Betrüger prellten über 100 Banken und Leasinggesellschaften durch Scheingeschäfte mit nicht existenten Bohrsystemen, mit denen Kabel und Rohre unter Straßen verlegt werden können, ohne diese aufreißen zu müssen.

In fünf Jahren waren laut Anklage an rund 50 Leasingunternehmen 3 187 nicht vorhandene Bohrsysteme verkauft worden. Alleine an Leasingraten sind noch 2,8 Milliarden Mark offen. Schmider und Kleiser wollten mit Hilfe des früheren Bankmanagers Schmitz zur finanziellen Sanierung der Unternehmensgruppe auch mehrere Anleihen an die Börse bringen. Deshalb müssen sie sich auch wegen Kapitalanlagebetrugs verantworten. Die erste Anleihe in Höhe von 250 Millionen Euro war am Tag der Verhaftung der beiden Firmenbosse, am 4. Februar 2000 aufgelegt und später zurückgezogen worden. Für die Anleger war kein Schaden entstanden.

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