Das vernetzte Haus
Drahtlose Luftbrücken zum Wohnzimmer

Das vernetzte Haus ist - abgesehen von einigen Häusern zum Probewohnen - noch immer Zukunftsmusik. Doch manche Geräte haben das Kommunizieren schon gelernt. Musik und digitale Urlaubsbilder, die sich vor wenigen Jahren nur am Schreibtisch über den PC bearbeiten ließen, können heute vom Sofa aus genossen werden.

HB/dpa HAMBURG. "Im Wohnzimmer führen wir die IT- und die AV-Welt immer stärker zusammen", sagt Nils Seib, Pressereferent bei Sony. Dabei kommt das Herzstück meist aus der Informationstechnologie (IT): "Der Computer ist der Server und das Archiv des Heimnetzwerks", erklärt Seib. Die Audiovisuellen (AV) Geräte werden vom Rechner aus gesteuert.

Neben dem Server braucht Sonys vernetztes Wohnzimmer eine kleine silberne Box, die die Funktion des Mittlers zwischen PC und den Endgeräten übernimmt. "Der Network Media Receiver ist mit Schnittstellen zu allen gängigen AV-Geräten ausgestattet und wird mit einer speziellen Software gesteuert." Der Nutzer kann über ein Menü auf dem Fernseher alle angeschlossenen Geräte bedienen. "Es ist egal, wie alt die Geräte sind", betont Seib. Auch der Hersteller spielt keine Rolle: "Die Ein- und Ausgänge sind universell, damit ist egal, welches Gerät dranhängt." Bei Philips läuft das vernetzte Unterhaltungszentrum bereits per drahtloser Funktechnologie, bei Sony kann dem Kabelsalat auf Wunsch zu Leibe gerückt werden.

Philips lässt seine Geräte und auch die anderer Firmen ohne die Hilfe eines Computers miteinander kommunizieren. Mit einem digitalen drahtlosen Medienempfänger, der einem flachen DVD-Player gleicht, sollen die "Medienbrüche" zwischen Wohn- und Arbeitszimmer überwunden werden. "Wenn die Konsumenten eine Erleichterung sehen, sind sie auch bereit, in neue Geräte zu investieren", sagt Petri. Die Chancen stehen gut: "Es geht um einen Riesenmarkt: In Deutschland werden dieses Jahr etwa 19 Mrd. ? für Konsumelektronik ausgegeben", sagt Jochen Wiesinger, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). 24 400 Produkte aus dem Bereich Unterhaltungselektronik sind am Markt. "Keine Frage: Innovationen sind die Garanten für Wachstum."

Wichtig ist nach Meinung aller, dem Heimnetzwerk die Komplexität zu nehmen. "Viele trauen sich noch nicht daran, weil sie denken, das sei zu kompliziert", sagt Philips-Sprecher Petri. "Das soll das Leben leichter machen und nicht komplizierter", sagt auch Sony-Mann Seib. Wichtig sei, dass alles gut funktioniert und die Handhabe einfach ist. Seib hat auch bei den Herstellern ein Umdenken festgestellt: "Niemand propagiert mehr eine riesige Gigahertz-Taktung oder einen großen Festplattenspeicher - man sagt vielmehr, welche Anwendungen mit den Neuerungen möglich sind."

gfu-Sprecher Wiesinger sieht den Menschen als Mittelpunkt eines Netzwerks. "Vernetzt sind wir heute schon zur Genüge, der Fernseher spielt Bilder von der Digitalkamera oder dem Camcorder ab", sagt er. Die Technik für den medialen Datenverkehr habe sich in der Computerwelt längst bewährt: "Kabelnetzwerke verbinden Bürorechner, Wireless LAN baut komfortable Luftbrücken."

Um die gemeinsame Nutzung von Inhalten wie digitale Musik, Fotos und Videos zwischen Unterhaltungselektronik, mobilen Geräten und PCs zu vereinfachen, haben sich 17 führende Hersteller zu einer "Digital Home Working Group" zusammengeschlossen. Sie will eine gemeinsame Plattform schaffen, die auf offenen Industrie-Standards basiert. Technische Richtlinien für die Entwicklung digitaler Geräte sollen aufgestellt werden, die Inhalte sowohl mit kabelgebundenen als auch mit drahtlosen Netzwerken austauschen können, schreibt die Gruppe auf ihren Webseiten.

Die Zielgruppe für das vernetzte Wohnzimmer ist für Sony-Sprecher Seib klar: "Alle." Dennoch geht er davon aus, dass sich zunächst die "üblichen Verdächtigen" dafür interessieren werden. "Das ist das technikaffine Publikum." Philips-Sprecher Petri setzt auf die kommende Generation: "Die Senioren haben sicher nicht auf die neuen Geräte gewartet, aber die Kids fragen sich bei vielem, warum es das noch nicht gibt."

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