Das Versicherungsgeschäft läuft gut – Konzern muss zweites Krisenjahr in Folge verkraften
Allianz enttäuscht die Analysten

Der Schock sitzt tief. Auch einen Tag nach den schlechten Nachrichten der Allianz ging die Aktie des Versicherers weiter nach unten. Das Papier verlor in einem freundlichen Markt erneut bis zu 5 %, nachdem es schon am Dienstag Abend einen Absturz von fast 12 % gegeben hatte.

MÜNCHEN. Kurz vor Börsenschluss hatte vorgestern Europas größter Versicherer mit der Nachricht überrascht, im zweiten Quartal werde ein Verlust von 350 Mill. Euro anfallen. Im ersten Quartal wurde noch ein Gewinn von 1,9 Mrd. Euro gemeldet. Zudem kann die Prognose für das Gesamtjahr von 3 Mrd. Euro nicht mehr gehalten werden. Eine neue Vorhersage für 2002 wollte Controlling-Vorstand Helmut Perlet nicht geben, da die weitere Entwicklung der Kapitalmärkte unsicher sei. Die Analysten von West LB Panmure rechnen jetzt mit einem Jahresgewinn von 2,3 Mrd. Euro.

Weitere Einzelheiten sind zu den Quartalszahlen am 14. August zu erwarten. Die Analysten sind aber enttäuscht. "Das Ausmaß der Probleme ist doch schockierend", urteilen die Experten von Merrill Lynch und reduzieren das Kursziel. Goldman Sachs strichen Allianz und Münchener Rück von der Empfehlungsliste. Standard & Poor's (S&P) prüft eine mögliche Herabstufung ihres Langfristratings von derzeit "AA+" für die Kreditwürdigkeit der Allianz.

Fest steht: Die Allianz muss jetzt mit einem zweiten Krisenjahr in Folge fertig werden. Schon 2001 hatte der Konzern einen deutlichen Gewinneinbruch von über 50 % hinnehmen müssen, unter anderem wegen der Terroranschläge in den USA und den Verlusten der Dresdner Bank, aber auch auf Grund von Problemen der Industrieversicherung und einer US-Tochter. In diesem Jahr wird die neue Konzerntochter in Frankfurt die Rechnung noch deutlicher belasten. Angesichts des massiven Sparprogramms hofft der Allianz-Vorstand auf Erfolge bei der Dresdner Bank schon in 2003.

Kerngeschäft über Plan

Die Enttäuschung bei der Dresdner ist umso bitterer, als das Kerngeschäft des Konzern offenbar gut läuft. Die Umsatzentwicklung in den Versicherungssparten liege deutlich über Plan, teilt der Konzern mit. Die so genannte kombinierte Quote, also das Verhältnis von Schäden und Kosten zu Beiträgen, liege über alle Bereiche bereits bei 102 %. Dies ist ein wichtiger Indikator für die Profitabilität. Angepeilt ist 100 %. Die Sanierung der defizitären Industrieversicherung ist offenbar ebenfalls aus dem Weg. Hier wird schon 2003 mit der Rückkehr in die Gewinnzone gerechnet. Die US-Tochter Fireman?s Fund soll unter neuem Management ebenfalls bald die Wende schaffen.

Gegen den Trend gut läuft offenbar auch die Vermögensverwaltung. Hier hat die Allianz-Tochter Pimco in den USA Erfolge aufzuweisen. Der Anbieter festverzinslicher Anlageprodukte verzeichnet angesichts der Börsenkrise ein gutes Geschäft. Inzwischen sieht sich Pimco in den USA hinter Marktführer Fidelity bereits auf Platz Zwei im privaten Fondsgeschäft.

Offen ist derzeit, wie hoch die Abschreibungen der Allianz auf ihr Beteiligungsportfolio sind. Sie dürfte sich Schätzungen zufolge auf etwa 1 Mrd. Euro summieren, wovon etwa 500 Mill. Euro im Gesamtjahr auf die Gewinnrechnung durchschlagen. Geschätzt 20 % der weltweiten Anlagen hat der Allianz-Konzern in Aktien investiert.

In diesem Jahr hat die Allianz zudem bereits aus Verkäufen von Anteilen an der Münchener Rück und Mannesmann-Vodafone rund 2,3 Mrd. Euro erlöst. Analysten weisen darauf hin, dass unter Umständen weitere Anteile an der Münchener Rück abgegeben werden könnten, sollte sich der Kurs des Rückversicherers wieder erholen. Die Allianz hält noch 24,8 % an der Münchener Rück und will die Beteiligung bis 2003 auf 20 % reduzieren. Perlet verweist darauf, dass die Reserven des Konzerns noch immer im zweistelligen Milliardenbereich liegen.

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