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Das Vertrauen in die Thiel-Aktie ist schon wieder dahin

Die Freude über die MDax-Aufnahme währt bei den Aktionären des Luxemburger Logistik-Dienstleisters nicht lange.

FRANKFURT/M. Wechselbäder der Gefühle sind für Aktionäre der Luxemburgischen Thiel Logistik AG spätestens seit den zahllosen Auf- und Abwärtsbewegungen im vergangenen Jahr nichts Neues. In der vergangenen Woche kam es wieder einmal geballt. Am Dienstagabend wurde die Aktie quasi geadelt, nachdem bekannt wurde, dass sie ab dem 24. März dem MDax angehört. Hoffnung kam auf. Schließlich gelang das außer ihr von den ehemaligen Werten des Neuen Marktes nur noch Medion und Teleplan.

Zwei Tage später war die neue Herrlichkeit schon wieder dahin. Thiel Logistik schockte mit einer Gewinnwarnung. Im vierten Quartal, das bisher stets zum stärksten im Gesamtjahr gehörte, wurde ein Verlust von 17,4 Mill. Euro erwirtschaftet. Die Aktie sackte daraufhin in den Keller, und Analysten nahmen ihre ohnehin schon niedrigen Einschätzungen noch weiter zurück. Das gerade erst aufgebaute Vertrauen, das im vergangenen Jahr sehr gelitten hat, ist wieder dahin.

Dabei sollte 2002 doch möglichst schnell vergessen werden. Da war einiges los: Erinnert sei an die waghalsige Übernahme des Textillogistikers Birkart Globistics im Januar, an die vollkommen überraschende Kapitalerhöhung im März, an den noch überraschenderen Ausstieg zweier Luxemburger Investoren im Juni und dem anschließenden Einstieg der Delton AG - einer Holding des Quandt-Erben Stefan Quandt - als neuem Hauptaktionär. In diesem Zusammenhang kam es auch zur Übernahme des Konkurrenten Microlog Logistics im August, für den ein Aufschlag von 74 Prozent auf den Durchschnittskurs der vorangegangenen drei Monate geboten wurde. Als Konsequenz sank nun das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um knapp 98 Prozent gegenüber 2001 auf lediglich 1,5 Mill. Euro. Die Übernahme von Microlog Logistics, die ab Oktober 2002 konsolidiert wurde, trug erheblich zu dem Einbruch bei.

Nun sind Aktionäre bekanntlich sehr vergesslich, wenn sie nach schwierigen Phasen wieder einen Aufschwung erkennen können. Nur: Der ist im Moment gar nicht in Sicht. Zwar hält das Unternehmen unverdrossen an seinen im Dezember abgegebenen Prognosen für 2003 fest, wonach der Umsatz von 1,5 auf 1,8 Mrd. Euro steigen soll und dabei ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 80 Mill. Euro erwirtschaftet werden soll. Jedoch tun sich Analysten schwer, dem Glauben zu schenken. Man sei der Ansicht, dass dies zu hoch gegriffen sei, heißt es aus dem Hause M.M. Warburg. Der Gesellschaft droht in den nächsten Monaten operativ unverändert Gegenwind, heißt es von Helaba Trust. Vor allem das Neukundengeschäft soll angesichts der schwierigen Konjunkturlage im Moment leiden.

Dem Vertrauen der Anleger abträglich ist auch der für die Kapitalmärkte vollkommen überraschende Abgang von Finanzvorstand Rodolphe Schoettel. Er hatte diesen Job erst im vergangenen Oktober angetreten und verlässt Thiel nun zum 30. April wegen unterschiedlicher Auffassungen der Zusammenarbeit mit der Delton AG. Der Abgang von Rodolphe Schoettel, der bereits seit 1997 im Umfeld von Thiel tätig ist und als profunder Kenner der Branche gilt, lässt darauf schließen, dass das Stühlerücken im Thiel-Konzern noch nicht zu Ende ist. Bereits zum Jahresende legten bei der Tochter Microlog Gründer Rolf van den Berg und Vorstandschef Martin Kunzmann, der kurz vorher erst von FAG Kugelfischer kam, ihre Ämter wegen unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung nieder. Die Thiel-Aktie dürfte so auch noch 2003 als spekulativ gelten.

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