Das Vertrauen ist weg: Wall Street macht erneut schlapp

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Das Vertrauen ist weg: Wall Street macht erneut schlapp

Die Index-Graphen der letzten Tage ähneln sich sehr. Auch am Donnerstag hatten sich die US-Märkte immer wieder in grünes Terrain geschoben, zur Schlussglocke reichte die Kraft dann aber nicht. Der Dow Jones gab erneut 28 Zähler oder 0,3 Prozent ab und schloss auf 9625 Punkten. Die Nasdaq verlor weitere 30 Zähler oder 1,7 Prozent und ging mit 1782 Punkten aus dem Handel.

Damit beenden die beiden großen US-Indizes den fünften Tag in Folge mit Verlusten. Und auf das junge Jahr bezogen fällt die Bilanz ernüchternd aus: Der Dow notiert 6 Prozent, die Nasdaq 14 Prozent unter den Höchstständen der ersten Januarwoche. Es zeichnet sich ab, dass nach einigen Unternehmenspleiten, der Angst vor Bilanz-Unstimmigkeiten bei zahlreichen Unternehmen aller Branchen und den anhaltend mäßigen Nachrichten von Unternehmensseite das Vertrauen in den Markt geschwunden ist. Den Optimismus, den Notenbank-Chef Alan Greenspan noch vor zwei Wochen so ausdrücklich in den Markt gedrückt hatte, teilen weder die CEOs der großen Konzerne noch die Investoren.

Daran konnten auch die aktuellen Zahlen aus dem Arbeitsmarkt nichts ändern. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind zwar um 15.000 zurück gegangen. Nur noch 376.000 Amerikaner haben sich erstmals Geld vom Staat geholt, das sind deutlich weniger als die Wall Street erwartet hatte. Doch kann dieses Detail über die anhaltende Schwäche im Arbeitsmarkt - nach Massenentlassungen seit Herbst und bei einer aktuellen Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent - nicht hinwegtäuschen.

Symptomatisch für die aktuelle Stimmung an der Wall Street: die Quartalsmeldung von Cisco . Der Netzwerkriese hat mit einem Quartalsgewinn von 660 Millionen Dollar oder 9 Cent pro Aktie die Erwartungen der Wall Street übertroffen, aber: Man rechnet im laufenden Viertel nicht mit einem weiteren Umsatzplus, die Investitionen der Kunden sind nach wie vor rückläufig oder zumindest unverändert schwach. Die meisten Analysten versuchen mit positiven Kommentaren Stimmung zu machen, doch Investoren orientierten sich an der Empfehlung der Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die stufte Cisco auf "verkaufen" ab. Cisco verlor 8,3 Prozent. Unter Verkaufsdruck standen auch Zulieferer wie Intersil und Cypress Semi, sowie die Wettbewerber Extreme, Juniper und Redback Networks, die bis zu 5 Prozent abgaben.

Komplett schwach präsentierten sich die Branchen Hard- und Software sowie die Unternehmen des Chip-Sektors. Der Halbleiter-Index gibt glatte 5 Prozent ab, vom Branchenriesen Intel (-1,9 Prozent) bis zu Micron (-7 Prozent) und Fairchild (-9,8 Prozent) bleibt keine Aktie verschont. Den Biotech-Sektor belasteten unterdessen schlechte Nachrichten von der US-Arzneimittelbehörde FDA, die über die Marktzulassung eines jeden Medikaments bestimmt. Das Amt wird die Gebühren für die Firmen erhöhen. Nach einem erwarteten Gewinn von 169 Millionen Dollar in 2002 will man im nächsten Jahr ein Einnahmeplus von 60 Prozent erreichen. Branchenvertreter sind empört, die Aktien geben im Mittel 1,7 Prozent ab.

Auch die Sektoren, die am Mittag mit beachtlichen Gewinnen notierten, zog es zu Marktschluss wieder nach unten.. Die Finanztitel konnten nur einen Teil ihrer frühen Zuwächse über die Zeit retten; mit einem Plus von 1,7 Prozent geht JP Morgan Chase als stärkster Performer aus dem Donnerstagshandel. Citigroup und American Express , die am Mittag mit zu den Dow-Stützen gehört hatten, schlossen mit jeweils 0,3 Prozent im grünen Bereich. Die Aktie der American International Group verbesserte sich um 0,5 Prozent. Das Unternehmen, einer der größten US-Versicherer und Finanzdienstleister, hat seine Quartalserwartungen nicht erfüllt hat.

Der zuletzt schwer gebeutelte Telekom-Sektor konnte am Donnerstag Luft schnappen. Nachdem WorldCom, von "Enron-itis" befallen und einer der größten Verlierer der laufenden Woche, mit seiner Quartalsbilanz zwar patzte, aber die düsteren Befürchtungen mancher Analysten entkräftete, legte die Aktie 13 Prozent zu. Mit AT&T und SBC Communications klettern auch die beiden Telekom-Werte im Dow. Das Papier von Sprint PCS macht die Verluste von Anfang der Woche teilweise wett und legt 15 Prozent zu.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite schlossen die meisten Einzelhändler. Zahlreiche Unternehmen geben Einblick in die Verkaufszahlen und legen im frühen Handel bis zu 5 Prozent zu. Die Modekette Ann Taylor verzeichnet ein Umsatzplus von 14,3 Prozent für den Januar und hebt die Gewinnerwartungen für das laufende Quartal und das Jahr 2002 an. Die Aktie gewinnt 7 Prozent. Von Umsatzsteigerungen zwischen 5 und 8 Prozent berichten die Discounter Target und JC Penney, Sears Roebuck, Federated Department Stores und die Kindermode-Kette The Children?s Place.

Die allgemein gute Stimmung im Sektor trieb sogar die Aktie von The Gap an. Um 1 Prozent verbesserte sich das Papier des einzigen Händlers, der einen Umsatzrückgang hinnehmen muss. Die Kette, um die sich weiter Konkurs-Gerüchte ranken, hat im Januar 16 Prozent weniger verkauft als im Vormonat. Das Unternehmen rechnet mit einem Quartalsverlust von bis zu 5 Cent pro Aktie. Für die meisten Analysten ist die Aktie seit Monaten nur noch haltenswert.

Die Analysten der ABN Amro stützten am Donnerstag den Airline-Sektor, der ebenfalls zu den Tagesgewinnern gehört. Mit Delta, Continental und Nothwest Airlines sowie AMR, der Holding hinter American Airlines, stufen sie vier Carrier auf "kaufen" auf. Die Experten sehen "deutliches Kurspotential", wenngleich sie weniger die Stärke der Unternehmen als vielmehr die "verbesserten Aussichten für die US-Wirtschaft" als Grund anführen. Die Aktien der vier Fluggesellschaften legten bis zu 5 Prozent zu.

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