Das vierte Finanzmarktförderungsgesetz erleichtert den Gesellschaften die Anlage außerhalb der europäischen Grenzen
Offene Immobilienfonds gehen ins Ausland

Den Offenen Immobilienfonds bieten sich durch das vierte Finanzmarktförderungsgesetz neue Anlagefreiheiten über die europäischen Grenzen hinaus. Die Gesellschaften planen eine Flut neuer Publikumsfonds.

FRANKFURT/M. Argumente für den Kauf von Offenen Immobilienfonds lieferte schon der Talmud. "Stets teile ein Mensch sein Geld in drei Teile: ein Drittel in Grundstücken, ein Drittel in Waren und ein Drittel in seiner Hand." Die Investoren handeln nach dem Anlagetipp der jüdischen Gesetzessammlung: Bis Mai dieses Jahres haben die 19 Offenen Immobilienfonds Rekord-Nettomittelzuflüsse von 8,7 Mrd. Euro verzeichnet. Im gesamten Jahr 2001 waren es 7,4 Mrd. Euro. Bei so starken Zuwächsen haben einige Fonds Schwierigkeiten, genug Immobilien für die Anlage der Gelder zu finden.

Aus Berlin kommt mit dem vierten Finanzmarktförderungsgesetz (4. FMFG), das am 1. Juli in Kraft tritt, die Rettung für den Anlagenotstand: Die wohl wichtigste Neuregelung ist, dass Fonds ihre Gelder nun unbegrenzt außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) anlegen dürfen - also außerhalb der 15 EU-Länder sowie Norwegen, Island und Liechtenstein. Bisher konnten nur 20 % der Mittel außerhalb der EWR-Grenzen angelegt werden. Als Reaktion planen die meisten großen Investmentgesellschaften die Auflage neuer Publikumsfonds - oder sie funktionieren die Portfolios um.

"Dieses Gesetz ist ein Segen für die Branche", sagt Walter Klug, Geschäftsführer der zur Deutschen Bank-Gruppe gehörenden Deutschen Grundbesitz-Investmentgesellschaft (DGI). Mit der Ausweitung der Anlagefreiheit seien endlich die Vorteile von Aktienfonds und Rentenfonds gegenüber den Offenen Immobilienfonds aufgehoben. Laut Klug plant die DGI, einen dritten Fonds aufzulegen, der stark außerhalb Europas investiert. "Dieser würde 70 % des Volumens außerhalb Europas anlegen", sagt Klug. Damit wäre er noch internationaler als der "Grundbesitz global", der 50 % seiner Mittel außerhalb Europas anlegt. Als interessante Anlageorte sieht er Asien, Australien, USA und Zentraleuropa. Der Fonds ist zunächst erst für das Jahr 2003 geplant.

Auch die Commerz Grundbesitz plant, einen neuen Publikumsfonds aufzulegen. Mit dem "Haus Invest" verfügt sie über das volumenstärkste Produkt am Markt. Der Fonds kommt auf 8,5 Mrd. Euro und hält keine Immobilien außerhalb des EWR. "Der Haus-Invest wird nicht umfunktioniert. Wenn, dann kommt ein neuer Fonds, der sich nachhaltig unterscheidet", sagt Pressesprecher Dietmar Müller. Interessante Anlageorte seien USA, Kanada, Hongkong, Japan und Korea. Von Engagements in Schwellenländern hält Müller wenig.

Auch die zum genossenschaftlichen Banksektor gehörende Difa überlegt, die Fondsfamilie zu erweitern. "Zur Debatte steht auch, einen unserer beiden Offenen Immobilienfonds so umzugestalten, dass ein großer Teil des Volumens in Auslandsimmobilien geht", sagt Rüdiger Ginsberg, Vorstandsmitglied der Union Holding, -Fonds zu der auch die Difa gehört.

Konkurrent Deka-Immobilien will schon am 1. Oktober einen neuen Fonds bringen. Dieser werde die Gelder zu je einem Drittel in Europa, Asien und Amerika anlegen, sagt Willi Alda, von der zur Sparkassenorganisation gehörenden Gesellschaft. Der neue Fonds soll auch in Schwellenländern investieren: Alda hat Korea, Brasilien und Chile im Auge. So werde er ein höheres Chance-Risiko-Profil haben als die beiden bestehenden Deka-Immobilien-Fonds.

Die West Invest, die ebenfalls zur Sparkassen-Finanzgruppe gehört, hält sich zurück, um nicht den Plänen der Deka Immobilien Konkurrenz zu machen. Dies gilt auch für die Münchener Gesellschaft Internationales Immobilien Institut (iii). Geschäftsführer Axel Kraus setzt vor allem auf die EWR-Länder in Skandinavien. "Nun bieten sich aber auch Chancen, unseren am weitesten für das Ausland geöffneten iii-Fonds Nr.3 über die Grenzen Europas hinaus auszuweiten", sagt er. Langfristig seien hier die USA und Kanada interessant.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%