Das Vorrunden-Team
Kommentar: Das „Kompetenzteam“ der Union

Die besten Dinge im Leben gibt es umsonst. Auch die besten Wahlhelfer der Union stehen nicht in deren Sold: die schwache Konjunktur und die noch schwächere Kampa, die Wahlkampfleitung der SPD.

Beide Negativgrößen haben die CDU im Ansehen der Bürger vor die SPD gehievt. Und offenbar hält auch Kanzlerkandidat Edmund Stoiber kaum einen davon ab, die Union zu wählen: Er liegt in den Popularitätswerten zwar weit abgeschlagen hinter Amtsinhaber Gerhard Schröder, doch die CDU-Werte hat das - noch - nicht in den Keller gezogen.

Als eigene, gleichfalls preiswerte Leistung will die Union ihr über Wochen mit viel Medienapplaus enthülltes "Kompetenzteam" erkannt wissen, jenes Schattenkabinett also, das für den nicht ganz eingeplanten Fall steht, dass aus dem Unions-Wahlziel "40 plus" unversehens ein Wahlergebnis von "60 Plus" werden sollte. Denn dieses Aufgebot ist weder mit einem künftigen Beifahrer FDP, noch einem möglichen Ko-Piloten SPD ausgekungelt. Und nicht einmal jeder, der sich da unversehens für ministrabel halten soll, will überhaupt Finanzminister oder Europaminister werden.

Kein Wunder , dass bei so viel politischer Prätention der Platz ganz vorne auf der Bühne dem Wieder-Einsteiger und Anti-Apparatschik Lothar Späth reserviert bleibt. Offenbar gelten Politiker in Deutschland in ihrem eigenen Metier, wieder oder noch immer, allemal als inkompetenter als denn Unternehmer, wenn sie neben Erfolg nur genug Distanz zur eigenen Partei demonstrieren können.

Doch selbst die als Coup sehr wohl gelungene Verpflichtung des bald 65-jährigen Jenoptik-Chefs Lothar Späth muss sich jetzt, nach Verblassen des Nachrichtenwertes, in die Realität einfügen, in ein Altherrengremium der Wiedergänger, die sich weitgehend aus früheren, abgewählten Regierungen haben herüberretten können.

Günther Beckstein, Horst Seehofer, Friedrich Merz, Wolfgang Schäuble und auch Annette Schavan verströmen nicht unbedingt die viel gepriesene Kraft zur Erneuerung. Umso erstaunlicher scheint da die Tatsache, dass es die CDU vermocht hat, mit dieser Häppchen-Inszenierung der Wiedergänger aus der Ära Kohl das Flair des Neuen zu versprühen. Aber sie hat geschickt den Hunger der Medien auf Nachrichtenburger mit Personalbeilage bedient: Und die Nachricht verdrängte die Inhalte.

Dabei ist die Union mit dieser Strategie nur ins abgetragene Trikot des Gegners geschlüpft - sie spielt SPD. Vor vier Jahren waren es Computer-Unternehmer Jost Stollmann, Verleger Michael Naumann und IG-Metall-Vize Walter Riester, die als Seiteneinsteiger Schröder zweifelhafte, aber wählbare Kompetenz verleihen konnten. Wie sehr sich der Duft der großen weiten Welt in den Mühlen der Politik, beim Bohren dicker Parteibretter verflüchtigt, erfuhr und erfährt der Wähler erst, wenn es zu spät(h) ist, nach der Wahl. Damals war es so - erst ging Stollmann ganz früh, dann folgte Naumann und die Tatsache, dass Riester blieb, erfreut beileibe nicht jeden. Vergeblich fragte Jürgen Habermas damals nach den "inhaltlichen Zumutungen" des Schröder-Teams. Eine Antwort ab es damals so wenig wie es sie heute gibt.

Die ist womöglich auch überflüssig: Denn anders als bei der Fußball-WM ist das eigentliche Ziel des Kompetenzteams allein das Überstehen der Vorrunde, hier: des Wahlkampfes.

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