Das Vorstandsmitglied der Rheinhyp ist designierter Chef der Eurohypo
Karsten von Köller: Bankier vom alten Schlag

Er hat zurzeit einen der aufregendsten Jobs in der deutschen Finanzszene. Der 61-Jährige soll die Hypothekentöchter der drei Großbanken fusionieren.

Auf den ersten Blick gibt es zurzeit in der Finanzszene aufregendere Themen als die Hypothekenbanken: Bei den Online-Brokern brennt die Luft, der Privatbankier Karl Gerhard Schmidt steht vor dem Aus und die Großbanken entlassen Tausende Mitarbeiter.

Doch der Eindruck täuscht. Gerade jetzt gibt es bei den Hypothekenbanken einen der spannendsten Jobs, den die deutsche Finanzszene zu bieten hat: den Chefposten der Eurohypo. Karsten von Köller ist der designierte Chef der neuen, gemeinsamen Hypothekenbank von Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank.

Der 61-jährige von Köller übernimmt auch einen schwierigen Job. Das Vorstandsmitglied der Rheinhyp soll die Eurohypo (Deutsche Bank), Rheinhyp (Commerzbank) und Deutsche Hyp (Dresdner Bank) bis Mitte 2003 zur neuen Nummer eins der Branche zusammenführen - ein äußerst ehrgeiziges Ziel. Der promovierte Jurist muss nicht nur eine komplizierte Dreierfusion unter Dach und Fach bringen. Er muss die neue Bank auch gegen die Ansprüche der drei renditehungrigen Großaktionäre verteidigen.

Gleichzeitig muss sich von Köller um neue Geschäftsfelder für die Eurohypo kümmern. Denn das neue Hypothekenbankgesetz soll im nächsten Jahr den geschäftspolitischen Radius der Branche deutlich erweitern. Bislang sind die Institute hauptsächlich auf die Vergabe langfristiger Kredite für Immobilienprojekte beschränkt.

Von Köller gilt als Integrationsfigur

Viele sehen in dem ruhigen, ausgeglichenen Rheinhyp-Manager von Köller den richtigen Mann, um die schwierige Fusion voranzubringen, ohne sich in internen Reibereien zu verlieren. Er gilt als Integrationsfigur. Dennoch schreckt er nicht davor zurück, Klartext zu reden. Dabei aber, sagen Mitarbeiter, bewahre er immer höfliche Umgangsformen.

Außerdem genießt er für viele Konkurrenten und Kollegen ein hohes Ansehen als Kapazität in der Branche. Er gehört zu den erfahrensten Hypothekenbankern Deutschlands. Bereits seit 1984 sitzt der gebürtige Berliner von Köller im Vorstand der Rheinhyp. Er hat die Frankfurter Bank in dieser Zeit zu einem innovativen und ertragsstarken Institut geformt.

Darüber hinaus hat er sich als Präsident des Verbandes Deutscher Hypothekenbanken einen Namen gemacht, weil er über den Strukturwandel der Branche laut nachgedacht hat. In dieser Rolle hat von Köller seit 1998 die aktuelle Novelle des Hypothekenbankgesetzes mitverhandelt und für die Branche einiges erreicht. Den risikofreudigeren und aggressiveren Kollegen ist er allerdings nicht weit genug gegangen. Doch unbestritten ist: In der "community" der zumeist konservativen Hypothekenbanker ist es von Köller, der an den entscheidenden Schalthebeln der Macht sitzt.

Sein Spitzenjob ist bis 2003 befristet

Den Vertrauensvorschuss, den von Köller als Präsident des Branchenverbandes und als Rheinhyp-Vorstand verdient hat, braucht er jetzt dringend, um die drei Hypotheken-Töchter wirklich zu einer Einheit zu verschmelzen. Seine Zeit an der Eurohypo-Spitze ist befristet. Ab Mitte 2003 soll der 50-jährige Bernd Knobloch, Vorstand der heutigen Deutsche-Bank-Tochter Eurohypo und designierter Stellvertreter von Köllers, das Ruder übernehmen. Der Dynamiker Knobloch soll dann den Diplomaten von Köller ablösen.

Bis dahin muss von Köller um die Unabhängigkeit der neuen Bank kämpfen. Denn die Hypothekentöchter wurden von den Fusionsplänen ihrer Mütter kalt erwischt. Die Töchter waren die Getriebenen, nicht die Gestalter. Das wird sich erst nachhaltig ändern, wenn einmal größere Aktienpakete der Eurohypo an die Börse gebracht werden.

Von Köller muss noch ein anderes Problem bewältigen. Er wird Chef eines so genannten gemischten Instituts - obwohl er als Verbandspräsident ein entschlossener Verteidiger der reinen Hypothekenbanken war. Das heißt: Künftig kann die Eurohypo alle Bankgeschäfte abwickeln. Gemischte Lizenzen sind in der Branche begehrt, aber selten. Gemischte Häuser stehen nicht unter der strengen Rigide des Hypothekenbankgesetzes wie die übrigen Institute. So profitiert von Köller jetzt, als designierter Chef der Eurohypo, ungewollt von den Wettbewerbsnachteilen der reinen Hypothekenbanken.

Trotz seines anstrengenden, neuen Jobs hat er noch Zeit für ein Privatleben mit seiner Frau, auch Juristin, und seinen drei Kindern. Ansonsten lässt der zurückhaltende und vornehme Banker über persönliche Dinge wenig nach außen dringen.

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V I T A

Karsten von Köller wird am 5. Januar 1940 in Berlin geboren. Nach dem Jura-Studium beginnt er seine Karriere als Banker 1971 bei der BHF Bank. Von 1977 bis 1980 ist er Mitleiter der Hauptfiliale New York. Zurück in Deutschland übernimmt er eine führende Position im Firmenkundengeschäft. 1984 wird von Köller Vorstand der Commerzbank-Tochter Rheinhyp. Seit 1988 ist er auch Präsident des Hypothekenbanken-Verbands.

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