Das Waffengeschäft im Nahen und Mittleren Osten boomt: Rüstungswettlauf am Golf ist schon entschieden

Das Waffengeschäft im Nahen und Mittleren Osten boomt
Rüstungswettlauf am Golf ist schon entschieden

Ob Raketen, Hubschrauber, Fregatten oder Jets: Der Nahe und Mittlere Osten ist ein sicherer Abnehmer für Rüstungsgüter. Allen voran profitieren US-Unternehmen vom Geschäft mit der Region. Die Politik der Amerikaner, die nach dem Kuwait-Krieg konsequent ihre neuen Verbündeten am Golf mit Militärtechnologie versorgt haben, zahlt sich heute für die US-Rüstungsindustrie aus.

DÜSSELDORF. Allein im Jahr nach der Befreiung Kuwaits schlossen US-Unternehmen Geschäfte in Höhe von 13,2 Mrd. Dollar im Mittleren Osten ab. Nach dem 11. September kam ein weiterer Höhepunkt: Zu den größten Deals, die seit den Terroranschlägen eingefädelt wurden, zählt eine Bestellung aus Kuwait für 16 Apache-Attack-Helikopter, den wohl tödlichsten Hubschrauber aus dem Hause Boeing, sowie 288 Lockheed-Martin-Hellfire-Raketen - Kaufpreis: 2,1 Mrd. Dollar. Jordanien erhält zurzeit F-16-Jets aus dem Hause Lockheed Martin.

Gegen die Übermacht der US-Hersteller versuchen sich die Großen Europas zu halten: Vor allem britische und französische Hersteller sind traditionell gut im Mittleren Osten vertreten - anders als die deutschen, die sich auf Grund strenger Exportgesetze hauptsächlich aufs Geschäft mit Israel beschränken.

So erzielte die britische BAE Systems 2001 nach einer Studie von Goldman Sachs mit 3,9 Mrd. Euro rund 20 % ihres Umsatzes im Mittleren Osten, gefolgt von Thales mit rund 12 %. Auch die deutsch-französische EADS kämpft in der Region um Marktanteile bei Führungssystemen, Elektronik, Schiffsbewaffnung oder Radar. Schwerpunkt sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Der Konzern hat dort einen Rahmenvertrag über Ausbildung und Technologietraining abgeschlossen.

Gerade dieser Bereich ist besonders für die kleinen Golfstaaten wichtig. Beispiel VAE: Die Emirate haben zwar bei der französischen Dassault Aviation im Jahr 2000 Mirage-Jets bestellt, verfügen aber nicht über genügend Piloten, um sie zu fliegen. "Die Technik, die eingekauft wird, passt auch meistens nicht zusammen", sagt Michael Brzoska, Leiter des Bonn International Center for Conversion. Neben den französischen Jets stehen in den VAE auch F-16-Kampfflieger in den Hangars. Die meisten Einkäufe seien politisch motiviert, meint Brzoska. Die kleinen Scheichtümer, die für ihre Armeen oft auf Söldner zurückgreifen müssen, kaufen sich mit den Waffen direkt auch eine Schutzmacht ein.

Der Reichtum aus den Öleinnahmen sowie der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak eröffneten bereits in den 80er-Jahren westlichen Herstellern von Kriegsgerät lukrative Absatzmöglichkeiten. Heute hat der Markt nach einer Schätzung von Goldman Sachs noch etwa ein Viertel seines damaligen Volumens. Aber, so ein britischer Rüstungsanalyst: "Die Staaten kommen zurück, um zu bestellen."

Nach Schätzungen des Stockholm International Peace Research Instituts schluckt der Mittlere Osten bis zu einem Drittel der weltweiten Rüstungsexporte. Über den größten Militäretat verfügt nach Angaben des Branchendiensts Jane?s Sentinel nach wie vor Saudi-Arabien mit Rüstungsausgaben, die pro Einwohner 1176 Dollar betragen. Zum Vergleich: Deutschland gibt pro Kopf rund die Hälfte aus. Trotz aktuell steigender Aufwendungen für das Militär sehen Analysten den Markt langfristig aber mit einer strukturellen Schwäche belastet: Die Haushalte mancher Ölstaaten erwirtschaften nicht mehr die üppigen Überschüsse der 80er-Jahre

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Dass die Region für die Industrie nach wie vor ein "Hot Spot" ist, zeigen die großen Waffen-Messen. Allen voran die IDEX in den VAE, zu der in diesem Jahr rund 800 Aussteller anreisen werden, darunter mehr als 70 deutsche Firmen. Doch mehr als Flagge zeigen können Hersteller gepanzerter Fahrzeuge wie Krauss Maffei Wegmann auf Grund der strengen deutschen Exportgesetze dort nicht. Jeremie Binnie, Mittelost-Analyst von Jane?s Sentinel, sieht daher auch künftig wenig Raum für deutsche Waffen in den Golfstaaten. "Die Deutschen waren dafür aber immer stark im Bereich der Dual-use-Güter", sagt Binnie.

Die Wege, auf denen Saddams Einkäufer Technologie und Waffenteile sammeln, bleiben verschlungen. Der Irak, der vor allem in den 80er-Jahren einer der Hauptabnehmer westlicher Waffentechnologie war, ist durch das UN-Embargo komplett vom internationalen Markt abgeschnitten. Nach Schätzungen gibt Bagdad jährlich rund 1,4 Mrd. Dollar für das Militär aus. Viel dürfte aber nicht ins Land gelangen, schätzt Rüstungsexperte Brzoska - selbst nicht aus Russland oder China, die nach wie vor die als "Schurkenstaaten" verschrieenen Länder wie den Iran oder Syrien bedienen.

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