Das Web wird zur Drehscheibe des weltweiten Geschäftsverkehrs
Für Führungskräfte geht am Internet kein Weg vorbei

Viele Entscheider können immer noch nichts mit dem World Wide Web anfangen. Dabei muss man kein PC-Freak sein, um die E-Ökonomie zu verstehen.

HB DÜSSELDORF. Knapp fällt die Antwort des obersten Informationsmanagers aus: "Die Bereitschaft zu surfen" ist alles, was Hermann-Josef Lamberti von einer Führungskraft der Deutschen Bank in puncto Internet erwartet. Dabei steht dem Finanzinstitut eine tiefgreifende E-Revolution bevor. Jedes Produkt wird internetfähig gemacht. "Im globalen E-Zeitalter werden wir die führende Online-Bank sein", formuliert der für die Informationstechnik verantwortliche Vorstand Lamberti das hoch gesteckte Ziel und ergänzt: "Da können wir uns Manager, die keinen Fuß in die virtuelle Welt setzen, nicht leisten."

Doch wie sollen Führungskräfte eine Vorstellung vom E-Business entwickeln, wenn sie nicht einmal die Börsenticker finden, geschweige denn die Chatrooms der Zocker kennen. Während die Kinder zu Hause am PC Moorhühner jagen, interaktiv Mathe und Musik lernen und sich die dafür notwendige Software aus dem Internet selber herunterladen, sind die Manager-Väter oft hilflos. "Allein mit einem Crashkurs ist der Vorsprung nicht aufzuholen", meint Dr. Volker Zimmermann, der Geschäftsführer des auf Telelernen spezialisierten Dienstleisters IMC in Saarbrücken.



Mit der Zahl der Surfer steigt auch der Umsatz

Die neue Technologie zu ignorieren oder der Sekretärin zu überlassen, ist keine Lösung. Mit der stetig steigenden Zahl an Internetbenutzern auf Kunden- wie Anbieterseite - nach einer neuen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung GfK in Nürnberg sind inzwischen 18,3 Millionen Deutsche im Netz - vergrößert sich auch der Umsatz, der online erzielt wird. Für kein Unternehmen und damit auch für keinen Manager gibt es einen Weg am Internet vorbei.

Um den Anschluss nicht zu verlieren, empfiehlt Toni A. Heimbring, der Geschäftsführer der Münchener Skills Development GmbH und Ex-Microsoft-Personalchef, eine "smarte" Vorgehensweise. Statt mit der Technik zu kämpfen, sollten sich Entscheider lieber mit dem Content, also den über das Internet transportierten Inhalten, vertraut machen und junge Experten an Bord holen.

Auf diesem Kurs ist zum Beispiel jener 56-jährige Vorstand eines großen Handelsunternehmens gefahren, der das Internet zu einem neuen Vertriebskanal ausbauen möchte, aber selbst noch nie über das Web eine Ware bestellt hat. Um schnell ans Ziel zu kommen, hat er einen jungen E-Commerce-Experten als Projektleiter, der ihm direkt berichtet, gesucht. "So lernt er die wesentlichen Vorteile dieser neuen Technologie, ohne ein geschäftliches Risiko einzugehen und kann seine Erfahrungsstärke einbringen", sagt Heimbring.



Lernangebote für Manager zeigen innovative Geschäftsmodelle auf

Große Unternehmen wie die Deutsche Bank bereiten ihre Führungskräfte zunehmend in eigenen Weiterbildungseinrichtungen, so genannten Corporate Universities, auf die strategischen E-Business-Themen vor. Die Entscheider sollen sich mit den Chancen des Internets auseinandersetzen und lernen, wie man das Web für innovative Geschäftsmodelle nutzt. "Der Vorsprung der Jugend muss durch Erfahrung im Business kompensiert werden", sagt Telelernen-Spezialist Zimmermann. Wichtig ist seiner Meinung nach das fachliche Verständnis, wie sich Beschaffungs-, Vertriebs- und Produktionsprozesse ändern. Lernangebote für Manager konzentrieren sich daher auf die neuen Anwendungen in der E-Ökonomie und zeigen in Szenarien innovative Geschäftsmodelle auf.

"Die größte Herausforderung für Entscheider", beobachtet Zimmermann, "ist die Änderung des eigenen Verhaltens." Das heißt, ab sofort eben keinen Brief mehr zu diktieren, sondern E-Mail als schnellen Kommunikationsweg zu nutzen. Oder anstelle einer telefonischen Anfrage in der Marketingabteilung mal eben eine Suchmaschine zu aktivieren, um nach aktuellen Marktstudien zu forsten. An solche alltäglichen Dinge gewöhnt man sich am schwersten. Dem Change Management, also der Frage, wie der Wandel zum digitalen Zeitalter konkret organisiert wird, muss laut Zimmermann viel Zeit eingeräumt werden.

Das Web entwickelt sich in rasanter Geschwindigkeit zur Drehscheibe des weltweiten Geschäftsverkehrs. Ein Manager, der nicht weiß, wie ein digitaler Marktplatz funktioniert, manövriert sich und sein Unternehmen ins Abseits. "Ich bin sieben Tage die Woche online", erklärt Steven Blythe, Chef der Startup-Firma Appsolut in Offenbach. "Starre Arbeits- und Ladenschlusszeiten gehören in die Mottenkiste des Industriezeitalters. Ich erwarte von einem Manager, dass er die Gesetze des globalen Internets begreift und seine Arbeit zeit- und ortsunabhängig organisiert."

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