Das Weiße Haus rechnet mit Kosten von 200 Milliarden Dollar
Ein neuer Golfkrieg wird teuer

Die USA müssen im Falle eines Irak-Krieges mit Kosten von 200 Mrd. $ rechnen, aber keine Rezession fürchten. Dies schätzt der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Lawrence Lindsey. Er sieht die obere Grenze für die Kriegskosten bei 1 bis 2 % des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) eines Jahres. Gemessen am BIP von zurzeit rund 10 Bill. $ liefe dies auf rund 100 bis 200 Mrd. $ hinaus. Der Golfkrieg Anfang 1991 hatte die USA rund 58 Mrd. $ gekostet.

WASHINGTON. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal verwarf Lindsey Befürchtungen, die erhöhten Kriegsausgaben könnten sich negativ auf die Wirtschaft auswirken. Einen spürbaren Effekt auf das Zinsniveau oder die Staatsverschuldung (3,6 Bill. $) sah er nicht. "Ein weiteres Jahr erhöhter Ausgaben - das ist nichts", so Lindsey. Umgekehrt schloss er aber auch eine positive konjunkturelle Wirkung der zusätzlichen Staatsausgaben aus. "Die Waffenproduktion kann nicht die Basis für nachhaltiges Wirtschaftswachstum sein."

Eine positive Wirkung dagegen verspricht Lindsey sich durch die Absetzung Saddam Husseins, die das weltweite Mineralölangebot verbessern werde. Die irakische Produktion leide durch einen Stillstand bei den Investitionen und die Uno-Restriktionen seit dem letzten Golfkrieg. "Bei einem Regimewechsel im Irak können wir mit einer Erhöhung der Weltversorgung um drei bis fünf Millionen Barrel rechnen", sagte Lindsey. "Eine erfolgreiche Kriegsführung wäre gut für die Wirtschaft."

Damit sprach Lindsey offen den Zusammenhang zwischen Irak-Angriff und Ölversorgung an. Die US-Regierung hält sich bisher mit der Schätzung möglicher Kriegskosten zurück und behandelt die angestrebte Absetzung Saddam Husseins als rein außenpolitisches Thema. Das Weiße Haus will den Krieg als moralische Notwendigkeit legitimieren, nicht als Kampf um Öl.

Intern gab es Kostenschätzungen zwischen dem Pentagon und dem Kongress. Diese lagen bisher aber unterhalb der Lindseys. Die Abweichung zeigt die Schwierigkeiten bei der Schätzung eines Krieges, dessen Dauer und Härte niemand voraussagen kann. Anders als im letzten Golfkrieg 1991 ist diesmal nicht zu erwarten, dass sich die US-Partner - mit Ausnahme Großbritanniens - nennenswert an den Kosten beteiligen.

Nach Einschätzung des republikanischen Vertreters im Senats-Haushaltsausschuss, William Hoagland, decken Lindseys Kalkulationen sich mit den Kosten für den Golfkrieg 1991, die bei rund 58 Mrd. $ lagen (rund 1 % des damaligen BIP).

Einsatz von Raketentechnologie treibt Kosten in die Höhe

Dass die Ausgaben für den jetzt möglichen Irak-Krieg so bedeutend höher ausfallen, liegt auch daran, dass die US-Truppen über eine Absetzung Saddam Husseins hinaus - sollte diese gelingen - im Land stationiert bleiben dürften, um die Etablierung eines neuen Regimes zu begleiten. Kleiner als beim letzten Krieg wird wahrscheinlich die Zahl der entsandten Soldaten sein (500 000 in 1991). Dennoch werden die Kosten wegen des Einsatzes einer neuen Generation moderner Raketentechnologie höher, schätzt Hoagland.

Im letzten Golfkrieg war es nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait (1990) zu einer kurzen Rezession gekommen, nachdem die Ölpreise gestiegen und das US-Verbrauchervertrauen gesunken war. Die Gefahr einer Widerholung dieses Szenarios nannte Lindsey "gering". Damit liegt er auf Linie des US-Notenbankchefs Alan Greenspan.

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