Das WirtschaftsWoche Cebit Technologieforum
"Können wir hierfür jetzt Geld verlangen?"

Die Internetbranche steht vor einem Dilemma: Werbeeinnahmen reichen selten, die Angebote kostendeckend zu finanzieren, doch für die Finanzierung über kostenpflichtige Inhalte fehlt ein überzeugendes Konzept. WiWo-Chefredakteur Stefan Baron stellte daher die Frage, wie nun der Schritt zum bezahlten Internet gelingt. Hochkarätige Gäste, unter ihnen der T-Online-Vorstandsvorsitzende Thomas Holtrop, standen Baron beim Technologieforum auf der CeBIT Rede und Antwort.

Nie HANNOVER. Verkaufen statt verschenken lautet das neue Credo der Internet-Unternehmer. Doch zunächst muss der Nutzer als Kunde gewonnen werden. Baron: "47 Prozent der Deutschen wollen bislang für Inhalte im Internet kein Geld bezahlen, wie wollen Sie da erfolgreich für Informationen Geld verlangen? Ist das eine Krise des Internets?"

Nein, eine Krise des Internets will Thomas Holtrop, Vorstand der T-Online AG, nicht sehen. "Man kann hier höchstens von einer Krise der Geschäftsmodelle reden", so der T-Online-Chef, der auf der CeBIT auch das kostenpflichtige Breitband-Angebot T-Online Vision vorgestellt hatte. Um Erfolg zu haben, müsse aber zunächst genau abgeschätzt werden, was der Nutzer wolle, seine "wants und needs" eruiert werden. Zusätzlich sei eine kritische Masse notwendig, weshalb sich Holtrup als Chef des größten deutschen Internet-Anbieters mit seinen kostenpflichtigen Inhalten auch auf der sicheren Seite sieht. Allerdings räumte er ein, dass auch T-Online den Wechsel zu kostenpflichtigen Inhalten nur Schritt für Schritt vollziehen werde, es gäbe jetzt keine Revolution, sondern eine Evolution.

Zur Frage, welche Inhalte in kostenpflichtigen Angeboten Erfolg haben könnten, sagte Peter Würtenberger, Vorstandsvorsitzender der Bild.de AG, man müsse crossmedial Themen aufsetzen und starke Marken aufbauen. Die Internet-Nutzer würden dafür zahlen, wofür Bedürfnisse bestünden - das könnten nutzwertige Inhalte sein, aber auch Themen des Tages, welche die Menschen berühren. Zukünftig könne auch noch der von Usern generierte Inhalt eine Rolle spielen - als Beispiel dafür nannte Würtenberger Online-Singlebörsen oder Chat-Räume.

Bezüglich der Exklusivität kostenpflichtiger Inhalte war sich das Podium zwar einig, dass diese sicher leichter zu vermarkten seien. Es könne aber auch Szenarien geben, bei denen nicht die Exklusivität, sondern das Vertrauen des Kunden in die Seriosität und Qualität des Anbieters den Ausschlag gebe.

Unterschiedliche Auffassung hatten die Podiumsteilnehmer bezüglich der Abrechnungsmodelle für kostenpflichtige Inhalte. Dies galt sowohl für die Frage, ob Abonnements oder Einzelabrechnungen erfolgsversprechender sind, als auch bei der Wahl des besten Abrechnungssystems.

"Wir müssen erst einmal eine einheitliche virtuelle Kasse schaffen, an der die Kunden Zahlen können", forderten Mathias Entenmann, CEO der Paybox Deutschland AG, und Markus Scheer, Vorstandsvorsitzender der durch das Moorhuhn bekannt gewordenen Phenomedia AG. Helmut an de Meulen, Geschäftsführer der Materna GmbH, räumte diesbezüglich Bezahlmodellen, bei denen die Abrechnung über eine kostenpflichtige Handy-Nachricht erfolgt, großes Potential im Micropayment ein. Für Würtenberger von der Bild.de AG sind dagegen etablierte Systeme wie "click and pay" von Firstgate vielversprechend. Ganz aus dieser Diskussion raus halten konnte sich Holtrup, da T-Online bereits über die Telekom-Rechnung erfolgreich Kleinbeträge abbuchen kann. Wichtig für ihn ist einfach der Komfort der Bezahlvorgänge.

Nach dem fast zweistündigen Technologieforum musste Diskussionsleiter Stefan Baron seine Gäste zwar ohne gemeinsamen Nenner, aber mit der festen Zuversicht, dass die Kostenlos-Kultur im Internet ein Ende haben wird, entlassen. Baron: "Und, können wir dafür jetzt schon Geld verlangen? Wohl noch nicht ..."

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