„Das x soll größer werden“
Stoiber kämpft für die absolute Mehrheit

Edmund Stoiber will weiter der mächtigste Ministerpräsident der CDU/CSU bleiben. In der Partei hat der promovierte Jurist inzwischen eine Stellung wie vor ihm nur sein einstiger Mentor Franz Josef Strauß.

HB/dpa MÜNCHEN. Edmund Stoiber hat sich die Messlatte selbst ungewollt hoch gelegt. Die 58,6 Prozent, die seine CSU bei der Bundestagswahl 2002 in Bayern einfuhr, waren zwar ein schönes Trostpflaster für den verpassten Sprung ins Kanzleramt - doch für die Landtagswahl im September ist der Erfolgsdruck damit gewaltig. Der bayerische Ministerpräsident tut im Wahlkampf sein Bestes, um allzu hochfliegende Erwartungen zu dämpfen. Schon das für die CSU traditionelle Wahlziel "50 Prozent plus x" sei ein unglaublicher Anspruch, sagt der 61-jährige Parteichef. "Ich will natürlich das x ein bisschen größer machen."

Mit einem 16-Stunden-Tag, rastlosem Einsatz und einer ausgeklügelten PR-Maschinerie arbeitet sich Stoiber für dieses Ziel auf. Er weiß, dass auch der bundespolitische Einfluss der CSU von ihrer einmaligen Sonderrolle abhängt - die Partei regiert seit mehr als 40 Jahren mit absoluter Mehrheit. "Damit Bayern stark bleibt: CSU" heißt der Slogan, mit dem Stoiber in einem 420-PS-Bus bis zum 21. September quer durch das Land tourt.

Der ehrgeizige promovierte Jurist will den weißblauen Freistaat als erfolgreiches Gegenmodell zu Rot-Grün im Bund präsentieren. Und seine Bilanz nach gut zehn Jahren Regierungszeit kann sich durchaus sehen lassen. Unter dem Schlagwort "Laptop und Lederhose" hat er Bayern zum High-Tech-Standort ausgebaut, wenngleich auch hier seit zwei Jahren der Konjunkturmotor stottert.

Trotz seiner Niederlage bei der Kanzlerkandidatur setzt Stoiber alles daran, auch bundespolitisch eine Führungsrolle zu behalten. Als mächtigster Ministerpräsident der CDU/CSU organisiert er die "schwarze Länderschiene" im Bundesrat, um Rot-Grün wo immer möglich in die Parade zu fahren. Gemeinsam mit CDU-Chefin Angela Merkel drängte er in der Steuer- und Reformdiskussion auffallend häufig auf Geschlossenheit der Union - auch die bayerischen Wähler halten wenig von internem Parteigezänk.

Die eigenen Anhänger wissen den Einsatz zu schätzen: Auf dem Parteitag in Nürnberg wurde der Ober-Bayer kürzlich mit einem Rekordergebnis von 97 Prozent als CSU-Chef wiedergewählt. In der Partei hat er inzwischen eine Stellung wie vor ihm nur sein einstiger Mentor Franz Josef Strauß, der den selbstbewussten jungen Abgeordneten 1974 nach dessen Einzug in den Landtag "entdeckte".

Es folgte eine steile Karriere: CSU-Generalsekretär, Chef der Staatskanzlei und bayerischer Innenminister. 1993 setzte sich Stoiber im Machtkampf mit Ex-CSU-Chef Theo Waigel als neuer bayerischer Ministerpräsident durch. Demonstrativ zog er einen Schlussstrich unter die "Amigo"-Affären seiner Partei, auch wenn er selbst mehrfach in deren Strudel zu geraten drohte. Auch die Affären der vergangenen Wahlperiode wie das Millionendesaster der halbstaatlichen Immobiliengesellschaft LWS überstand er ohne größere Blessuren.

Für Privates, den Sport, seine drei Kinder und zwei Enkel, bleibt Stoiber kaum Zeit. Ein Muss sind für den notorischen Fußballfan nur die Heimspiele des FC Bayern. Dass er nach der Landtagswahl schon im nächsten Jahr als Bundespräsident nach Berlin entschwinden könnte, hat er bisher stets entschieden bestritten - so wie früher alle Kanzlerambitionen.

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