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Dataquest: Application Service Providing wird ein riesiger Markt

"Der ASP- Markt repräsentiert eine grundsätzliche Computer-Revolution mit einer dramatischen Veränderung der heutigen IT-Landschaft," sagt Ben Pring, Analyst bei Dataquest, voraus. Die Application Service Provider (ASP) würden im Jahr 2004 zusammen einen Umsatz von 25,3 Mrd. $ erzielen, so das Marktforschungsinstitut.

HB DÜSSELDORF. Zum Vergleich: 1999 hatte der ASP-Markt gerade mal ein Volumen von einer Milliarde Dollar. Selbst Scott McNealy, der Chef von Sun Microsystems, der davon lebt, möglichst viele Computer zu verkaufen, prophezeit: "In fünf Jahren wird der Anwender keine Computer mehr kaufen, noch wird er sich Software zulegen. Man wird alle Ressourcen bei einem ASP mieten."

Eine mutige Voraussage, gibt es doch inzwischen ebenso kritische Stimmen. Trotz des wachsenden Marktes für Mietsoftware verkündet die Gartner Group vielen ASP schon jetzt ein baldiges Ende. Danach werden von den weltweit 480 ASP-Anbietern 60 % die zwangsläufig kommende Konsolidierung nicht überleben. Die Gründe liegen auf der Hand: Kapitalschwäche, mangelnde Marktkompetenz und zu große Versprechungen, die die Unternehmen nicht einlösen können.

Das widerspricht gerade nicht der Aussage des Optimisten Pring: "Die heutigen Modelle der Lizenzierung von Software, der Netzwerk-Architekturen und Verkaufsstrategien werden sich grundlegend ändern." Mithin werde der neue ASP-Markt auch eine ganz neue Klasse von Software hervorbringen, die grundlegend auf Basis des Internet entwickelt wird.

Ein Application Service Provider wird dabei als Dienstleister verstanden, der Anwendungsprogramme anbietet, die der Kunde nicht kaufen und bei sich installieren muss. Vielmehr hostet (verwaltet) der ASP die betreffende Software auf seinem Server; der Anwender kann über geschützte Verbindungen per Internet darauf zugreifen. Die Netzwerkanbindung und-infrastruktur sowie die Implementation der Software gehören üblicherweise ebenfalls zum Angebot des ASP. Die Software kommt also quasi aus der Steckdose.

Das Geschäftsmodell ASP könnte aber keinen Erfolg haben, wenn mit ihm nicht Kostensenkungen in erheblichem Umfang möglich würden. Unternehmen, die ASP nutzen, haben nur noch: einen Ansprechpartner für Hardware, Software und Service; einen Vertrag, einen Preis, eine Rechnung; eine schnelle Implementierung und kurze Projektlaufzeiten für die benötigten Software-Applikationen.

Die Unternehmen müssten jetzt handeln, sagt Andreas Dick von der Firma Apeldorns GmbH, die sich auf ASP für mittelständische Kunden spezialisiert hat. Die Globalisierung, die Euro-Umstellung, die neuen Anforderungen durch E-Business und Internet, schnelle Technologiewechsel und zunehmende Komplexität und - nicht zuletzt - der Mangel an IT-Experten würden die Entwicklung des ASP-Marktes forcieren.

ASP ist ein "One-to-many-Modell: Mehrere Kunden greifen gleichzeitig auf eine zentral administrierte Standard-Applikation zu. Und ASP ist ein Mietpreismodell: Die Unternehmen bezahlen abhängig von der Nutzung, in der Regel pro Anwender und Monat. Die Ersparnisse entstehen durch Synergieeffekte bei der "Mitbenutzung" von Software, Hardware und Personal beim ASP. Hohe Anfangsinvestitionen entfallen für den Anwender, womit besonders kleine und mittlere Unternehmen überhaupt erst aufwendigere IT-Lösungen zu tragbaren Preisen nutzen können.

Wie ASP im Alltag aussehen kann, demonstriert die IBM-Tochter Lotus Development. Die ersten Partner von Lotus haben bereits Lösungen entwickelt, auf die Anwender über das Web zugreifen können. Die Autorisierung des Benutzers findet bei der Anmeldung am Server statt, die Bezahlung variiert nach Zugriff, Transaktion und Zeit oder basiert auf Pauschaltarifen.

Die Produktpalette der auf Lotus Domino basierenden ASP-Lösungen reicht vom Ärzte-Netzwerk über ein Redaktionssystem bis zum Service für Versorgungsunternehmen. Komplett-Angebote wie eine Kunden- und Mandantenverwaltung für Anwälte und Steuerberater stellt zum Beispiel ULC Groupware Consulting aus Dresden zur Verfügung. Eine integrierte Gesundheitsverwaltung und Ärztenetzwerke bietet die Aachener Synaix an: Die Mediziner legen Befunde in einer zentralen netzweiten Patientendatenbank ab. Der weiterbehandelnde Facharzt kann die Diagnosen in sein Praxissystem übernehmen. Ein elektronischer Terminkalender im Web ist jederzeit abrufbar, was die Verwaltung von gemeinsam genutzten Ressourcen wie Operationsräumen erleichtert.

Dass Wunsch und Wirklichkeit aber nicht immer in Einklang stehen, belegt der Aktienkurs der TDS Informationstechnologie AG. TDS bietet als eines der führenden SAP-Systemhäuser in Deutschland unter anderem das Outsourcing des SAP-Programms R/3 an. In einem Rechenzentrum verwaltet es zentral mehr als 100 R/3-Server. Doch seit dem Jahreshoch von über 40 Euro hat sich der Aktienkurs des TDS-Papiers inzwischen auf ein Viertel reduziert. Hier trifft wohl schon zu, was die Pessimisten von Gartner befürchten: zu hohe Erwartungen.

So erwarten die Berater von Roland Berger den Höhepunkt des ASP- Marktes erst für das Jahr 2002. Erst dann würden eine breite Marktakzeptanz erreicht und robuste, qualitativ hochwertige sowie gut gemanagte Leistungen angeboten werden. Derzeit hemmten noch hohe Netzzugangskosten und das mangelnde Vertrauen die ASP-Entwicklung. Und so sagt Roland Berger vor allem den Softwareunternehmen einen dramatischen Umbruch des traditionellen Geschäftsmodells voraus. Neue Softwarefirmen haben dabei reelle Chancen, denn sie können Web basierte Lösungen von Grund auf für ASP konzipieren und optimieren. Und: Kein ASP wird ohne Partnerschaften auskommen.

Auch die Meta Group geht davon aus, dass rund 60 % der bereits existierenden ASP einer Konsolidierung des Marktes zum Opfer fallen werden. Zugleich steigen die Markteintrittsbarrieren, so dass ab 2004 praktisch kein neuer Anbieter mehr auf dem Markt Fuß fassen kann.

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