Daten kommen aus dem Energienetz
Stromkabel sind reif für das Internet

Die Powerline-Carrier-Technologie (PLC) nutzt die überall vorhandenen Stromnetze als Datenleitungen für Haushalte. Ein Praxistest in Mannheim hat gezeigt, dass die Technik marktreif ist. Jetzt soll das flexible Strom-Datennetz bundesweit Internetnutzer überzeugen.

DÜSSELDORF. PLC hat das Vermögen, die Telekommunikation auf der letzten Meile nachhaltig zu verändern und den Energieverteilern mit der vorhandenen Infrastruktur und ihren Kundenbeziehung einen Zukunftsmarkt zu erschließen. In einem lokalen Netz liefert die Stromkabel-Kommunikation neben Internet und Internet-Telefonie auch die Basis für Steuerungs- und Überwachungsnetzwerke.

Gemeinsam haben die Main.net Ltd., ein international führender Technologieanbieter für PLC, und die MVV Energie AG die Technik marktreif gemacht und ein geeignetes Geschäftsmodell aufgebaut. Ende 2000 entstand aus der Kooperation das Joint Venture Power PLUS Communications AG (PPC), um die PLC-Technologie und das gemeinsame Know-how in ganz Deutschland zu vermarkten.

In der weltweit größten Pilotanwendung mit 200 Haushalten in Mannheim wurde die Praxistauglichkeit und mit einem Marktanteil von fast 50 % im Testgebiet die Akzeptanz der Kunden nachgewiesen. Die Kunden schätzen die Geschwindigkeit von zurzeit bis zu zwei Megabit/s und sechs Megabit/s in 2002; sie werten es positiv, dass lästiges Einwählen entfällt (sie sind ständig online) und dass sie ihre Computer an jede Steckdose anschließen können. ISDN, DSL oder Breitbandkabelanschlüsse bieten das nicht.

Die datenmengenabhängigen Tarife sichern darüber hinaus deutliche Preisvorteile. Die Systemeigenschaft, permanent online zu sein, erspart nicht nur das Einwählen, sie ist auch Voraussetzung für Voice-over-Internet-Protocol (VoIP). Die IP-Telefonie wird von PPC mit einer intelligenten Datenübertragungstechnik realisiert, die eine einfache Einbindung in vorhandene Telekommunikations-Strukturen erlaubt. In der ersten Generation werden über Analog/IP-Konverter (Protokoll H323) handelsübliche Analogtelefone eingesetzt, da IP-Telefone noch zu teuer sind.

Von der Performance kann sich in Mannheim jeder im öffentlichen PLC-Internetcafé im Landesmuseum für Technik und Arbeit überzeugen. Die Erschließung des Mannheimer Marktes mit geplanten 25 000 Internet-Kunden ist bereits angestoßen und eine Marketingkampagne "Vype, der Datenstrom der MVV" aufgelegt.

PLC benötigt als Access-Technologie ein leistungsfähiges Netz, das IP-Backbone. Das können Glasfasernetze, Kupfersteuerleitungen der Energieversorger oder DSL-Mietleitungen sein. Angebunden wird das Backbone über eine Ethernet-Schnittstelle und das Niederspannungsnetz unter Spannung mit standardisierten Steck-/ Klemmverbindungen am Verteiler und an Sicherungen. Geeignete Ankoppelstellen sind Trafo-Stationen, Straßenverteiler oder Übergabepunkte in Gebäuden. Das in Mannheim geplante Hochleistungs-IP-Netzwerk mit Glasfasern wird auch für andere Services und Datendienste genutzt werden.

Zur Gewährleistung einer hohen Bandbreite können bei Bedarf mehrere Ankoppelpunkte in einem Stromnetz vorgesehen und über ein intelligentes Managementsystem auf MAC-Ebene (Medium Access Control, Teil der Datensicherung) gesteuert werden. Powerline von PPC ist keine Punkt-zu- Punkt-Verbindung sondern ein echtes IP-Netz. Bei Ausfall eines Anknüpfungspunktes, Schaltvorgängen im Stromnetz oder schlechter Qualität der Verbindung sucht das System sich selbstständig eine neue Verbindung. PLC in Mannheim bietet eine durchgehende Verbindung vom Ankoppelpunkt über das Netz bis zur Steckdose, alternativ ist eine Ankopplung der Inhouse-TK-Leitungen möglich.

Das PPC-System passt sich dem lokalen Netz an und optimiert fortlaufend die Verbindung. Die PLC-Module für die Einkoppelung und die Endgeräte der Kunden haben die Größe eines Mouse-Pads und bieten als Endgerät eine Schnittstelle für das lokale Netzwerk und einen Telefon-Anschluss.

Für das IP-Netz fallen in Mannheim je nach Stadtteil Investitionen von 100 bis 250 DM je Haushalt an - das entspricht Werten in anderen Orten. Zusätzlich sind die PLC-Kosten mit 400 bis 600 DM je Kunde anzusetzen. Die technischen und vertrieblichen Strukturen der Energieversorger, die vorhandenen Kundenbeziehungen sowie der Nutzen für interne Prozesse wie Steuerung, Synergien beim Aufbau von E-Business und Portalen, sind günstige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

Die regulatorischen Forderungen für die Datenkommunikation im MHz-Bereich liegen im Entwurf vor. Durch das Datenübertragungsverfahren "Spread-Spektrum" sichert das PPC-System bei niedrigen Einspeiseleistungen stabile Verbindungen und Netzwerk-konforme Protokolle.

PLC ist trotz aller Unkenrufe Realität geworden. Testanwendungen mit einigen Anschlüssen können heute von PPC kurzfristig installiert und Pilotanwendungen mit 100 bis 200 Kunden als erster Schritt des Roll-out mit Erfolgsgarantie offeriert werden.

Autor: Schönberg, Ingo

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%