Daten werden über elektronische Stifte eingegeben
„Digitale Schiefertafel“ soll PC-Absatz ankurbeln

Mit neuen Kleincomputern, die handlicher als ein Laptop sind, will die PC-Branche die schwache Nachfrage ankurbeln. Der Softwaregigant Microsoft bietet dafür in Kürze die passende Software an.

MÜNCHEN. Die neue Software von Microsoft soll den Namen einer Computerklasse bestimmen: Tablet PC. Das neue Produkt - zu übersetzen etwa als digitale Schiefertafel - ist flacher und mit rund 1,5 Kilo deutlich leichter als ein Laptop. Die Geräte sollen in der zweiten Novemberwoche in den Handel gehen - parallel zur Markteinführung des neuen Betriebssystems von Microsoft. Der Softwarekonzern aus Redmond in der Nähe von Seattle bringt am 7. November das Betriebssystem Tablet PC auf den Markt. Damit wählte Microsoft die Zeit zwischen zwei der weltweit größten Branchenmessen: der Systems, die gestern in München begann und der Comdex, die vom 18. bis 22. November in Las Vegas stattfindet. In München zeigen bis Freitag rund 1600 Aussteller ihre Neuheiten.

Microsoft-Manager Jeffrey Raikes hatte vor kurzem bereits einige Tablet- PC von Herstellern wie Toshiba, Acer und Siemens-Fujitsu präsentiert. Sie haben die Form eines Bildschirms in DIN-A4-Größe. Die Daten werden in erster Linie über einen elektronischen Stift eingegeben. Über Funkverbindung lassen sich ortsunabhängig vom Schreibtisch - im Besprechungsraum etwa - Daten aus dem Archiv vom stationären Rechner oder Informationen aus dem Internet abrufen.

Leistungsmäßig können sich die Tablet-PC mit herkömmlichen Notebooks messen. Das in Betatests von Fachzeitungen genutzte Gerät von Acer zum Beispiel war mit einem Pentium-III-Prozessor mit einer Taktrate (Verarbeitungsgeschwindigkeit) von 700 Megahertz ausgerüstet. Weitere Ausstattungsmerkmale: 256 Megabyte Arbeitsspeicher (RAM), 10,4-Zoll-Display, Festplatte mit 20 Gigabyte Speicherkapazität sowie eine Netzwerkkarte für örtliche Funknetze (Wireless LAN nach dem Standard 802.11b)

Marktbeobachter erwarten, dass die Hersteller unterschiedliche Gerätedesigns auf den Markt bringen werden. Darunter sind voraussichtlich auch Geräte, die neben einem berührungsempfindlichen Bildschirm auch über eine klassische Tastatur zur Dateneingabe verfügen. Preise stehen noch nicht fest. Fachleute erwarten, dass die "digitalen Schiefertafeln" rund z10 Prozent teurer als herkömmliche Notebooks angeboten werden.

Auf Betriebssystemseite basieren die neuen Geräte auf der Windows XP Tablet PC Edition, einer Sonderversion von Windows XP Professional. Dazu kommen Funktionen wie Handschrift- erkennung (auch Löschen durch Durchstreichen) sowie und die digitale Version der beliebten gelben Notizzettel.

Die Idee des Einsatzes eines elektronischen Stiftes (Pen) als Eingabemedium ist nicht neu. Bereits vor zehn Jahren hatte Microsoft mit "Windows for Pen Computing" versucht, einen per Stift zu bedienenden PC zu etablieren - allerdings ohne Erfolg. Die Spezialsoftware verschwand ebenso rasch wie der damalige Pen Go Corp. -Spezialist mit seinem Gerät Eo. Auch Apples Newton konnte sich zu dieser Zeit nicht durchsetzen.

Nun bescheinigen Betatester der Fachzeitschriften, dass Microsoft mit seiner Tablet-PC-Software aus früheren Fehlern gelernt habe. Handschrifterkennung und Batteriedauer seien deutlich verbessert. Beide Punkte galten als bisher als schwer zu verbessernde Schwachpunkte.

Microsoft-Mitgründer Bill Gates propagiert schon seit zwei Jahren die Nutzung von Tablet-PC. Bereits am Vorabend der Comdex 2000 hatte Gates für die "digitalen Schiefertafeln" geworben und Prototypen gezeigt. In fünf Jahren werde die Mehrheit der PC in dieser Tafelform geliefert, sagte Gates damals. Er selbst nutze bereits einen Tablet-PC.

Mitte nächsten Jahres will Microsoft eine neue Version der Bürosoftware Office auf den Markt bringen. Die Version elf soll vor allem eine bessere Unterstützung der Internet-Software XML (Extensible Markup Language) bieten. Neben Windows ist Office das wichtigste Produkt des Softwarekonzerns. Darin enthalten sind Textverarbeitung (Word), Tabellenkalkulation (Excel) und Präsentationssoftware (Powerpoint). Der Marktanteil von Office ist mit 90 % monopolähnlich.

Quelle: Handelsblatt

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