Daten zu Verbraucherpreisen in Europa blieben ohne Einfluss
Dax verringert Verluste nach Handelsstart in USA

Die deutschen Aktien sind am Dienstag nach der Eröffnung der US-Börsen weiter in der Verlustzone geblieben.

dpa/rtr FRANKFURT. Der Leitindex Dax fiel am Nachmittag um 1,52 Prozent auf 4170 Punkte. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 2,61 Prozent auf 810 Zähler nach. Auch der MDax der 70 mittelgroßen Werte verlor 1,92 Prozent auf 3868 Stellen.

Die Vorgaben von der Wall Street waren am zweiten Tag nach den Anschlägen in den USA uneinheitlich: Nach einem leicht positiven Start fiel der Dow Jones Index im frühen Handel um 0,19 Prozent auf 8904 Punkte. Dagegen gewann die Technologiebörse Nasdaq 0,67 Prozent auf 1590 Zähler

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Schwächster Wert waren Infineon , die zwischenzeitlich auf ein neues Allzeittief von 16,70 Euro gefallen waren. Zuletzt gab das Papier des Halbleiter-Herstellers 9,15 Prozent auf 17,08 Euro nach. Der Titel finde seit Erreichen des Tiefstkurses am Montag einfach keinen Boden, hieß es auf dem Parkett. Andere Börsianer sprachen von umfangreichen Verkäufen durch amerikanische Investoren.

Besser sah es für die seit den Anschlägen arg gebeutelte Aktie des Touristik-Konzerns Preussag aus. Das Papier gewann 5,52 Prozent auf 25,82 Euro. Zuvor hatte der Titel Händlern zufolge wegen Sorgen um die Reiselust der Deutschen herbe Verluste hinnehmen müssen.

Sorgen wegen eines möglichen Krieges als Folge der Anschläge in den USA haben am Dienstag Händlern zufolge das Geschehen am deutschen Aktienmarkt bestimmt. "Die heutigen Verluste resultieren allein aus einer großen Verunsicherung der Anleger und Angst vor einem größeren Krieg", sagte ein Händler. Der Deutsche Aktienindex (Dax) baute jedoch im Sog freundlicher US-Börsen einen großen Teil seiner Verluste wieder ab.

Realwirtschaftliche Nachrichten interessieren kaum

Realwirtschaftliche Nachrichten schienen Marktteilnehmer allerdings kaum zu interessieren. So blieben die Leitzinssenkung der Bank of England um 25 Basispunkte sowie Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA ohne Auswirkung auf die Kurse der deutschen Standardwerte.

Am Markt gehe die Befürchtung um, dass der angekündigte Vergeltungsschlag der Amerikaner zu noch größeren internationalen Konflikten führen könnte, sagte ein Börsianer. "Die Amerikaner müssen sehr vorsichtig sein." Eine breite internationale Allianz sei von besonderer Bedeutung.

Dax profitiert vom freundlichen Handelsverlauf in den USA

Ein freundlicher Verlauf der Börsen in den USA schmälerte allerdings die Verluste des deutschen Marktes deutlich. Der Industriewerte-Index Dow Jones stieg nach rund einer Handelsstunde um 0,4 Prozent auf 8953 Zähler, der technologielastige Nasdaq-Index gewann 1,5 Prozent auf 1603 Zähler hinzu.

Allerdings werteten Marktteilnehmer den Verlauf der US-Börsen recht verhalten. "Durch die neuen Handelsregeln kann man noch nicht sagen, was Sache ist", sagte Eicke Reneerkens, Fondsmanager bei Union Investment, und verwies auf die Sonderregeln der US-Börsenaufsicht. Danach werden Unternehmen die Rückkäufe eigener Aktien erleichtert und Leerverkäufe, mit denen Marktteilnehmer auf fallende Kurse spekulieren und die Talfahrt möglicherweise beschleunigen, erschwert.

Objektive Bewertung des US-Marktes noch nicht möglich

"Es ist eine Woche der Sondersituation", sagte Reneerkens wieter. Eine objektive Bewertung des US-Marktes sei noch nicht möglich. "Wir müssen bis nächste Woche oder noch später warten, je nachdem, wie lange regulative Elemente noch greifen."

Für den weiteren Tagesverlauf des Marktes waren nach Einschätzung des Fondsmanagers die US-Börsen maßgeblich. "Es kommt darauf an, wie viel Unterstützung aus den USA kommt." Sollten die Kurse in New York stark nachgeben, könne sich der deutsche Markt diesem Trend nicht entziehen.

Ohne großen Einfluss auf den Markt blieb dagegen die Zinssenkung der Bank of England um 25 Basispunkte. Bereits am Vortag hatten die US-Notenbank Fed sowie die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen um jeweils 50 Basispunkte gesenkt.

Daten zu Verbraucherpreisen in Europa blieben ohne Einfluss

Ebenfalls ohne größeren Einfluss blieben die jüngsten Daten zu den Verbraucherpreisen in der Euro-Zone. Nach Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union betrug die Jahresteuerung im August 2,7 (Juli 2,8) Prozent. Auch geringer als erwartet gestiegene US-Verbraucherpreise im August sowie ein Anstieg der Realeinkommen der US-Arbeitnehmer um 0,3 Prozent hatten keinen Einfluss auf die Kurse.

Im Blickpunkt des Handels standen die Aktien von Infineon, die um 8,2 Prozent auf 17,26 Euro nachgaben. Marktteilnehmer zeigten sich besorgt, dass die Logistikprobleme, die aus den Flugausfällen nach den Anschlägen in den USA resultierten, keinen Anstieg der Chippreise verursacht hätten. "Das zeigt, wieviel Überkapazität in dem Markt vorhanden ist", sagte ein Analyst.

Adidas-Salomon und Lufthansa weiter unter Druck

Unter Druck gerieten auch die Aktien des weltweit zweitgrößten Sportartikelherstellers Adidas-Salomon , die zeitweise um rund neun Prozent auf ein Jahrestief von 55,65 Euro fielen. Händler sagten, die beschlossene Kapitalerhöhung belaste den Kurs und verwässere den zukünftigen Gewinn. Am Morgen hatte Adidas mitgeteilt, für 75 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung beim Bundesliga-Fußballverein FC Bayern München einzusteigen.

Unter Abgabedruck standen erneut die Papiere der Lufthansa , die um mehr als sieben Prozent auf 10,50 Euro fielen. Eine Gewinnwarnung der Fluggesellschaft werde immer wahrscheinlicher, sagte ein Börsianer. Einem Medienbericht zufolge wird die Lufthansa bei ihrem operativen Ergebnis deutlich unter der 500-Millionen-Euro-Marke liegen. Außerdem stuften die Analysten von ABN Amro die Papiere der meisten europäischen Fluggesellschaften herunter, darunter auch die Lufthansa, die nun nur noch mit "Add" statt bisher "Buy" bewertet wird.

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