Datendienste aus der Telefondose
Telekom-Unternehmen suchen Geschäft mit ASP

Schöne Visionen hegen nicht nur Mobilfunk-Unternehmen. Auch die Festnetzanbieter versprechen sich vom Angebot neuer Datendienste einen regelrechten Boom: Als Application Service Provider wollen sie für Unternehmen Software pflegen. Wie bei der Mobilfunktechnik UMTS bleibt allerdings auch hier die Frage: Wann funktioniert es?

HANNOVER. Es muss schön sein, als Mittelständler durch die Telekommunikationshallen der Cebit zu schlendern. Keine Zielgruppe wird von Festnetz-Telefongesellschaften stärker umworben. Ein Motto schmückt fast jeden Stand: "Unsere ASP-Kompetenz - Ihre IT-Lösung". Bisher allerdings hat noch kaum ein Kleinunternehmer begriffen, was ASP bedeuten soll: Application Service Provider wollen, dass Unternehmer den Server, an dem ihre PC-Arbeitsplätze hängen, wegwerfen und stattdessen Softwareprogramme über schnelle Leitungen von externen Datenbanken beziehen. Bezahlt wird nur für die Nutzung.

Für die Unternehmen sei diese Lösung sicherer und billiger, weil Fachleute von außerhalb rund um die Uhr Software, Mail-System und das Intranet betreuten, wirbt der argentinische Telekom-Investor Martin Varsavsky für die von ihm gegründete Einsteinet AG, München, die der ehemalige Mannesmann-Manager Kurt Kinzius leitet. 400 Unternehmen gewann Einsteinet seit November als Kunden. Sie nutzen die Datenbank aus der an Hochgeschwindigkeitsleitungen angeschlossenen Telefon-Steckdose. Als einzige Konkurrenz sieht Kinzius bisher die Deutsche-Telekom-Tochter T-Systems, die während der Cebit einen Kooperationsvertrag mit SAP für ASP-Dienste bekannt gab.

"Bis ASP ein richtiger Markt wird, dauert es noch mindestens zwei Jahre", meint Ralf Köhler, Chef des Telekom-Startups Access Communications GmbH, -Seven Frankfurt. Von null auf 25 Mrd. $ weltweit werde der Markt bis zum Jahr 2005 wachsen, erwarten die Experten der Gartner Group. 30 % aller Unternehmens-PC in Deutschland werden dann an externen Software-Datenbanken hängen, glaubt Varsavsky. Wie viele in der Branche ist er überzeugt, dass die Märkte Informationstechnologie (IT) und Telekommunikation (TK) zusammenwachsen. Allerdings sei die Erweiterung der Wertschöpfungskette gerade für TK-Unternehmen nicht einfach: Einsteinet-Produkte bestehen zu 75 % aus IT und nur zu 25 % aus TK.

Festnetzbetreiber von Colt Telecom über QSC bis zu den neuen Richtfunkanbietern wie Broadnet setzen auf das ASP-Geschäft, denn allein mit der Vermittlung von Telefongesprächen werden sie kaum noch wachsen können. Im Mobilfunk hat die Hoffnung auf neue Umsätze mit Datendiensten den Run auf UMTS-Lizenzen ausgelöst und den Ausbau der Netze mit der schnelleren Übertragungstechnik GPRS beschleunigt. Dass der Datenverkehr tatsächlich zunimmt, zeigt die Nachfrage nach Leitungskapazität. Sie verdoppelt sich inzwischen alle fünf Monate. Davon leben spezialisierte globale Glasfasernetzbetreiber wie Global Crossing und Level 3 so gut, dass sie darauf verzichten, selbst ASP zu werden. "Unsere Kernkompetenz ist die weltweite Übertragung von Daten", sagt Charles Mancini, Vize-Chef von Global Crossing Europe, London. Die eigenen ASP-Projekte hat das Unternehmen an den britischen ASP Access ausgegliedert, mit dem das Unternehmen kooperiert.

In Deutschland sind es bisher eher kleine nationale Festnetzbetreiber, die ASP werden wollen. Doch gerade für Telekom-Startups bedeutet der Einstieg in das ASP-Geschäft ein Risiko: Sollte die Rund-um-die-Uhr-Pflege von Kundendatenbanken einmal nicht klappen, kann die Haftung sehr teuer werden. Dem hat der Verband der Internetwirtschaft, Bitkom, bereits Rechnung getragen: ASP-Einsteiger können über den Verband Versicherungsschutz bekommen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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