Datenschützer raten zur Besonnenheit
Umstrittene Daten-Verschlüsselung

FBI macht Verschlüsselungstechniken dafür verantwortlich, dass Terroristen Pläne im Internet schmieden können. Belgische Informatiker haben eine Verschlüsselungsmethode entwickelt, die mehr Schutz bieten soll: "Rijndael" arbeitet mit 128- oder gar 256-Bit-Schlüsseln. Um diese Codes zu knacken, bräuchten die heutigen Computer mehrere Billionen Jahre.

HB DÜSSELDORF. Konservative US-Politiker und die Bundespolizei FBI machen Verschlüsselungstechniken dafür verantwortlich, dass Terroristen ihre Pläne im Internet schmieden und Anschläge bis ins Detail vorbereiten können: Einsatzpläne für Terroranschläge stehen in Internet-Sportangeboten oder auf Porno-Seiten - öffentlich zugänglich und doch unauffindbar. Bauanweisungen für Bomben wechseln - in Musik- und Videodateien versteckt - per E-Mail den Besitzer. Möglich ist dies dank Techniken wie Krypthografie und Steganografie. Mit Krypthografie-Software werden die Botschaften verschlüsselt. Und mit der Steganografie werden kleine Informationseinheiten in großen versteckt.

"Die Technik ist vorhanden und wird genutzt", sagt Werner Kessel, Landesbeauftragter für den Datenschutz in Mecklenburg-Vorpommern. "Und es gibt keine Möglichkeit, dies zu unterbinden." Der Datenschutzexperte rät deshalb zur Besonnenheit. Auch Fabian Hansmann, Geschäftsführer der auf Verschlüsselungssoftware spezialisierten Steganos GmbH aus Oberursel, hofft, dass die Regierungen sich nicht zu Schnellschüssen bei der gerade erste deregulierten Gesetzgebung über Kryptografie hinreißen lassen: Bis vor kurzem durften US-Firmen ihre Verschlüsselungsprogramme nicht exportieren - die Geheimdienste hatten Sorge, sie könnten die geschützten Daten dann nicht mehr lesen. Firmen in Europa entwickelten daher ihre eigenen Programme.

Das US-Justizministerium hat nun angekündigt, es werde die Abhörmaßnahmen für E-Mails erleichtern. Die Behörden sollen künftig die E-Mail-Adressen der Personen speichern dürfen, die Post von einem Verdächtigten erhalten. Medienberichten zufolge haben die US-Behörden bereits wenige Stunden nach den Anschlägen auf World Trade Center und Pentagon begonnen, das E-Mail-Überwachungsprogramm Carnivore bei Anbietern elektronischer Postfächer zu installieren. Carnivore filtert elektronische Briefe von Verdächtigen heraus. Die Dienste AOL und Earthlink haben bekannt gegeben, mit dem FBI zu kooperieren.Bisher hatten sich viele Anbieter geweigert, ihre Postkästen überwachen zu lassen.

Das am weitesten verbreitete Verschlüsselungsprogramm für E-Mails ist "Pretty Good Privacy". Dessen Quellcode hatte der Hersteller, das US-Softwarehaus Network Associates, einen Tag vor dem Inferno veröffentlicht. Für die Verschlüsselung von Kreditkartendaten und Passwörtern wird heute meist der Data Encryption Standard (DES) eingesetzt. Der vom Computerriesen IBM zusammen mit dem US-Geheimdienst NSA entwickelte Code arbeitet mit einem 56-bit-Schlüssel - zu kurz und leicht zu knacken, sagen Experten.

Belgische Informatiker haben eine Verschlüsselungsmethode entwickelt, die mehr Schutz bieten soll: "Rijndael" arbeitet mit 128- oder gar 256-Bit-Schlüsseln. Um diese Codes zu knacken, bräuchten die heutigen Computer mehrere Billionen Jahre. Dieser Algorithmus ist die Grundlage für den Advanced Encryption Standard, der den DES ablösen soll. Eigentlich sollte das im Herbst geschehen. Die Verunsicherung könnte nun dazu führen, dass die Technik später kommt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%